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Fukushima-Opfer erhalten Geld

Ein Gericht hat den Fukushima-Betreiber Tepco und den Staat dazu verurteilt, die Bewohner der Region zu entschädigen. Geklagt hatten rund 3800 Anwohner wegen der Nuklearkatastrophe in Fukushima vom März 2011.

3800 Bürger strengten vor dem Distriktgericht Fukushima eine Sammelklage gegen den Staat und Tepco an. Nun haben sie recht erhalten.
3800 Bürger strengten vor dem Distriktgericht Fukushima eine Sammelklage gegen den Staat und Tepco an. Nun haben sie recht erhalten.
Keystone

Das Distriktgericht von Fukushima hat die Betreiberfirma des havarierten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi und den japanischen Staat verurteilt. Die Firma Tepco und der Staat müssen insgesamt 500 Millionen Yen (4,35 Millionen Franken) an 3800 Kläger zahlen – als Schadensersatz für die psychische Belastung durch das Unglück.

Staat erneut in der Pflicht

Das gestern verkündete Urteil folgte auf die grösste von ins­gesamt rund dreissig Sammel­klagen im Zusammenhang mit der Fukushima-Katastrophe. In den meisten anderen Gerichtsverfahren steht das Urteil in der ersten Instanz noch aus. Insgesamt haben mehr als 12'000 Menschen den Staat und Tepco auf Schadenersatz verklagt. Das Distriktgericht Fukushima war bereits das zweite Gericht, das auch den Staat schuldig gesprochen und zu Schadenersatz verurteilt hat.

Ein drittes Gericht in der Präfektur Chiba hatte im September den Staat dagegen von Schadenersatzzahlungen freigesprochen. Die Kläger in Fukushima stammten aus unterschiedlichen Regionen der Präfektur. Einige haben ihre Heimat ohne offiziellen Evakuierungs­befehl verlassen, der Grossteil war jedoch trotz der zum Teil stark erhöhten Strahlenwerte geblieben.

Forscher warnten mehrfach

Die Kläger argumentierten, dass sie unter der psychischen Be­lastung gelitten hätten, die entstanden sei, nachdem ihre Lebensumstände durch den Atomunfall in ihren Grundfesten erschüttert worden seien. Das Gericht folgte der Argumentation der Kläger, dass die Katastrophe hätte verhindert werden können, wenn das Industrieministerium Tepco aufgefordert hätte, die Notstromaggregate aus den Kellerräumen des Kraftwerks in höhere Stockwerke zu verlegen.

Denn eine offizielle Studie aus dem Jahr 2002 hatte gewarnt, dass das Risiko besteht, dass ein bis zu 15,7 Meter hoher Tsunami das Kraftwerk trifft. Im Jahr 2008 habe eine weitere Studie gewarnt, dass ein Tsunami möglicherweise einen Stromausfall in dem AKW auslösen könnte. Wieder seien keine Vorkehrungen getroffen wurden, so die Kläger.

50'000 bleiben evakuiert

Sowohl die Regierung als auch Tepco hatten dagegengehalten, dass diese Einschätzung kein etabliertes Wissen und der Tsunami nicht vorhersehbar ge­wesen sei. Am 11. März 2011 traf tatsächlich ein 14 Meter hoher Tsunami das Kraftwerk und zerstörte sämtliche Kühlsysteme. Die Folge war eine dreifache Kernschmelze, bei der grosse Mengen Radioaktivität freigesetzt wurden.

In einem Umkreis von 20 Kilometern wurde die ­Region um das Kraftwerk eva­kuiert. Noch immer verbietet der Evakuierungsbefehl mehr als 50'000 Menschen die Rückkehr in ihre Häuser. Auch in vielen Regionen, die keinen Evakuierungsbefehl erhalten hatten, wurden zum Teil stark erhöhte Strahlenwerte gemessen. In diesen Re­gionen entschlossen sich viele Menschen freiwillig, ihre Heimat zu verlassen.

Die Kläger, die nicht aus der ehemaligen Sperrzone stammen, hatten ferner gefordert, dass Tepco und die Regierung dafür sorgen, dass die Strahlenwerte in der Umgebung ihrer Häuser wieder auf das Niveau vor dem Unfall zurückgehen. Diese Forderung wies das Gericht jedoch ab.

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