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Expertenteam zerstört die ersten syrischen C-Waffen

Das UNO-Expertenteam begann in Syrien mit der Verifizierung und Vernichtung von Chemiewaffen. Die Bestände werden auf tausend Tonnen chemischer Kampfstoffe geschätzt. Norwegen soll helfen.

«Heute ist der erste Tag der Zerstörung»: Experten der Uno und der OPCW verlassen ihr Hotel in Damaskus. (5. Oktober 2013)
«Heute ist der erste Tag der Zerstörung»: Experten der Uno und der OPCW verlassen ihr Hotel in Damaskus. (5. Oktober 2013)
AFP

Am ersten Tag ihres Einsatzes zur Vernichtung des syrischen Chemiewaffenarsenals haben internationale Experten Raketensprengköpfe, Bomben und Ausrüstung zum Mischen und Abfüllen von Chemikalien zerstört. Unter Aufsicht der Experten sei «eine Reihe von Gegenständen» zerstört oder unbenutzbar gemacht worden, erklärten die UNO und die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OVCW) am Sonntag.

Dabei seien Schneidbrenner und Trennschleifer eingesetzt worden. Die Experten der UNO und der OVCW waren am Dienstag in Damaskus eingetroffen und hatten zunächst das syrische C-Waffen-Arsenal erfasst. Die Bestände, unter anderem Sarin und Senfgas, werden auf tausend Tonnen geschätzt, verteilt auf landesweit 45 Standorte.

Assad spricht mit dem «Spiegel»

Der UNO-Sicherheitsrat hatte Ende September eine Resolution verabschiedet, wonach das syrische Chemiewaffenarsenal bis Mitte 2014 vernichtet werden soll. Bis 1. November sollen demnach die Produktionsstätten zur Herstellung von Chemiewaffen zerstört werden. Mit der Resolution reagierte der Sicherheitsrat auf einen Angriff mit Saringas, bei dem am 21. August in einem Vorort von Damaskus hunderte Menschen getötet worden waren.

Die USA und andere westliche Staaten legen den Einsatz den syrischen Regierungstruppen zur Last. Die Führung in Damaskus und die syrischen Rebellengruppen werfen sich gegenseitig weitere Giftgasangriffe vor.

Der syrische Staatschef Bashar al-Assad hatte zugesichert, dass sein Land die Auflagen erfüllen werde. «Wir sind transparent, die Experten dürfen zu jeder Anlage gehen. Sie werden alle Daten von uns bekommen», bekräftigte Assad in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» laut Vorabbericht vom Samstag.

Norwegen soll helfen

Laut einem Medienbericht könnte Norwegen eine wichtige Rolle bei der Zerstörung des syrischen Chemiewaffenarsenals spielen. Die USA und Russland hätten das Land um Hilfe ersucht, berichtete der norwegische Sender NRK am Samstag auf seiner Webseite. Norwegen biete für diese Aufgabe unter anderem eine günstige geografische Lage. Das Land hat laut NRK bis Mitte November Zeit, um auf das Ersuchen aus Washington und Moskau zu antworten.

Die Entscheidung liegt bei der neuen Mitte-Rechts-Regierung, die am 14. Oktober ihr Amt antreten soll. Norwegen verfügt laut NRK nicht über die nötigen Gerätschaften für die Zerstörung der C-Waffen, doch könnten die USA mobile Ausrüstung zur Verfügung stellen.

Eine Sprecherin des Aussenministeriums in Oslo sagte, Norwegen sei grundsätzlich bereit, bei der Umsetzung der UNO-Resolution 2118 zur Zerstörung der syrischen Chemiewaffen zu helfen.

Syrische Jets in Iran?

Zugleich schlug Assad eine Vermittlerrolle Deutschlands im Syrien-Konflikt vor: «Ich würde mich freuen, wenn Gesandte aus Deutschland nach Damaskus kämen, um mit uns über die wahren Verhältnisse zu sprechen.» Dies bedeute nicht, «dass sie unsere Regierung unterstützen», sie könnten aber «Überzeugungsarbeit leisten», fügte Assad hinzu. Nach Informationen von «Spiegel Online» wies Aussenminister Guido Westerwelle den Vorstoss entschieden zurück.

In einem Vorabbericht des «Spiegel» wurde ein Geheimdokument des Bundesamtes für Verfassungsschutz zitiert, wonach es seit November 2012 offenbar ein Militärabkommen gebe, in dem der Iran der syrischen Armee erlaube, «grosse Teile seiner Luftwaffe auf sicherem iranischen Territorium zu stationieren».

Verhafteter deutscher Journalist frei

Ein seit fünf Monaten in Syrien festgehaltener deutscher Journalist ist wieder frei. Armin Wertz, der unter anderem für den Berliner «Tagesspiegel» arbeitet, wurde nach eigenen Angaben am Samstag auf freien Fuss gesetzt. «Der Fall konnte gelöst werden», sagte eine Sprecherin des deutschen Aussenministeriums in Berlin am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Der Mann sei nach Deutschland zurückgekehrt.

Wertz war Anfang Mai in der syrischen Stadt Aleppo in Polizeihaft genommen worden. Die Behörden warfen ihm Einreise ohne Visum sowie unerlaubtes Fotografieren vor.

Wertz, der normalerweise in Indonesien lebt, war im Auftrag zweier asiatischer Zeitungen über das türkisch-syrische Grenzgebiet nach Aleppo gereist, um über den Bürgerkrieg zu berichten. Auch für den «Tagesspiegel» wollte der freie Journalist Artikel schreiben.

SDA/kle/chk

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