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«Es ist eine so offenkundige Manipulation»

Pakistans Medien haben den Sieg der Partei des ehemaligen Cricket-Stars Imran Khan verkündet. Noch während die Stimmen ausgezählt wurden.

Eilig einberufene Pressekonferenz in Lahore: Die Pakistanische Muslim-Liga (PML-N) werde das Resultat der Wahl nicht anerkennen, sagte deren Spitzenkandidat Shahbaz Sharif (r.), ein jüngerer Bruder des früheren Premierministers Nawaz Sharif. (25. Juli 2018)
Eilig einberufene Pressekonferenz in Lahore: Die Pakistanische Muslim-Liga (PML-N) werde das Resultat der Wahl nicht anerkennen, sagte deren Spitzenkandidat Shahbaz Sharif (r.), ein jüngerer Bruder des früheren Premierministers Nawaz Sharif. (25. Juli 2018)
Wakil Kohsar, AFP
Freude bei den Anhängern in Lahore: Lokale Medien hatten noch während der Stimmenauszählung einen Wahlsieg der Bewegung für Gerechtigkeit (Tehreek-e Insaf/PTI) des ehemaligen Kricket-Stars Imran Khan verkündet.
Freude bei den Anhängern in Lahore: Lokale Medien hatten noch während der Stimmenauszählung einen Wahlsieg der Bewegung für Gerechtigkeit (Tehreek-e Insaf/PTI) des ehemaligen Kricket-Stars Imran Khan verkündet.
Rahat Dar, Keystone
Überschattet wurde die Wahl von einem schweren Terroranschlag im Südwesten des Landes: Bei einem Selbstmordanschlag in der Stadt Quetta kamen mindestens 31 Menschen ums Leben.
Überschattet wurde die Wahl von einem schweren Terroranschlag im Südwesten des Landes: Bei einem Selbstmordanschlag in der Stadt Quetta kamen mindestens 31 Menschen ums Leben.
Arshad Butt, Keystone
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Nach der Parlamentswahl in Pakistan haben mehrere Parteien noch während der laufenden Stimmenauszählung den Vorwurf der Wahlfälschung erhoben. Pakistans Regierungspartei will nach eigenen Angaben die Ergebnisse der Parlamentswahlen vom Mittwoch nicht anerkennen. «Es ist so eine offenkundige Manipulation, dass jeder zu Weinen begann», sagte der Spitzenkandidat der Pakistanischen Muslimliga (PML-N), Nawaz Sharif, in der Nacht zu Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Lahore. Kurz zuvor hatte das staatliche Fernsehen gemeldet, dass erst 18 Prozent der Stimmen ausgezählt worden seien.

Der Ablauf der Wahlen habe Pakistan «30 Jahre in die Vergangenheit zurückgeworfen», sagte Shahbaz Sharif, der Bruder des inhaftierten Ex-Regierungschefs Nawaz Sharif. «Die Menschen werden das nicht unterstützen.» Deshalb weise seine Partei «dieses Ergebnis» zurück. Die Kandidaten der PML-N hätten keine authentischen Kopien der Wahlresultate bekommen.

Auch die Pakistanische Volkspartei (PPP) erklärte, ihr werde in der Provinz Sindh, wo die Partei ihre Basis hat, der Sieg verweigert. PPP-Senator Raza Rabbani sagte, die Wahlbeobachter ihrer Kandidaten seien aus den Wahllokalen gedrängt worden und hätten keine offiziellen Resultate bekommen. Auch die PPP will das Ergebnis nicht akzeptieren.

Lokale Medien hatten am Mittwochabend noch während der Stimmenauszählung einen Wahlsieg der Bewegung für Gerechtigkeit (Tehreek-e Insaf/PTI) des ehemaligen Cricket-Stars Imran Khan verkündet. Die Wahlkommission gab zunächst keine Ergebnisse bekannt.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Letzte Umfragen vor der Wahl hatten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Regierungspartei PML-N von Ex-Premier Sharif und der PTI-Partei des ehemaligen Cricket-Stars vorausgesagt. Khan wird nachgesagt, er sei der Wunschkandidat des Militärs. Beide bestreiten dies.

Bereits während des Wahlkampfs war der Vorwurf, die Armee versuche die Wahl zu beeinflussen, weit verbreitet. Vor allem die Regierungspartei PML-N beklagte eine gezielte Kampagne gegen sie durch das Militär mit angeblicher Unterstützung durch die Justiz.

Mehrere hochrangige Parteimitglieder wurden von der Wahl ausgeschlossen oder der Korruption beschuldigt. Parteigründer Nawaz Sharif, der als einer der mächtigsten Politiker des Landes gilt, wurde drei Wochen vor der Wahl wegen Korruption zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und sitzt nun in Haft.

Schwerer Terroranschlag

Überschattet wurde die Wahl von einem schweren Terroranschlag im Südwesten des Landes. Bei einem Selbstmordanschlag in der Stadt Quetta kamen mindestens 31 Menschen ums Leben. Unter den Opfern seien auch Kinder und Polizisten, sagte Mohamed Jafar vom Civil Hospital in Quetta. Mindestens 35 weitere Menschen seien verletzt worden. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag über ihren Propagandakanal Amaq für sich.

370'000 Soldaten waren zur Sicherung der Wahllokale abgestellt worden. Die Militärs bewachten die Wahllokale erstmals nicht nur vor den Eingängen, sondern wurden auch in den Stimmabgabezentren selbst eingesetzt. Die Militärs sollten auch während der Stimmauszählung in den Wahlstationen präsent sein.

Militär unter Beobachtung

Ihre Rolle stand während des Wahltags unter besonderer Beobachtung. «Es gibt einen Verhaltenskodex, und wir als Beobachter sehen uns an, wie sich das Militär verhält», sagte der Leiter der EU-Wahlbeobachtermission, der deutsche EU-Abgeordnete Michael Gahle, beim Besuch eines Stimmabgabezentrums in Islamabad. Der Bericht der EU-Wahlbeobachtungsmission soll am Freitag veröffentlicht werden.

Bei der pakistanischen Wahlkommission wurden bis kurz nach Schliessung der Wahllokale 654 Beschwerden registriert. Diese würden ausschliesslich Verstösse gegen die Wahlordnung betreffen, sagte ihr Sprecher Altaf Khan, etwa verspätete Öffnungen der Wahllokale, fehlende Wahlmaterialien oder dass der Wahlprozess zu langsam ablaufe. Über das Militär habe es keine Beschwerde gegeben.

AFP/anf/sep

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