Zum Hauptinhalt springen

Die Frau, die Saudiarabien aufrüttelt

Sie wollte nur Auto fahren: Die Festnahme einer saudiarabischen Frau, die sich dem Fahrverbot widersetzte, sorgt weltweit für Empörung. Nun wird ihre Haftstrafe verlängert.

In Saudiarabien wurde letzte Woche eine Frau festgenommen, nachdem sie sich dem dortigen Autofahrverbot für Frauen widersetzt hatte. Manal al-Sharif wurde vorgeworfen, gegen die öffentliche Ordnung verstossen zu haben. Das brachte der 32-Jährigen eine fünftägige Gewahrsamsstrafe ein. Wie der «Guardian» nun berichtet, erstreckt sich der Aufenthalt im Gefängnis um weitere zehn Tage, wie der Anwalt von al-Sharif mitteilt. Die Richter bräuchten weitere zehn Tage, um ihre Untersuchungen abzuschliessen und danach über schuldig oder nicht schuldig zu befinden. Der Bruder der 32-jährigen Frau, der sich im Auto befand, als al-Sharif hinter dem Steuer sass, wurde letzten Sonntag ebenfalls festgenommen.

Auslöser der Haftstrafe war eine Kampagne, die al-Sharif vergangene Woche im Internet startete. Ihr Ziel: gegen das langjährige Fahrverbot für Frauen in Saudiarabien zu protestieren. Sie veröffentlichte ein Video, auf dem sie selbst hinter dem Steuer eines Autos zu sehen ist. Deshalb wurde sie von der Religionspolizei festgenommen.

Öffentliche Meinung aufgestachelt

In einem Bericht der Tageszeitung «Al Watan» sagte der Chef des Gefängnisses in der Stadt Chobar, Ajub ben Nahit, al-Sharif habe «die öffentliche Meinung aufgestachelt», indem sie das Video ins Internet gestellt habe.

Einem auf der Website der Zeitung «Al Riad» veröffentlichen Bericht zufolge wurden am vergangenen Montag eine weitere Frau und zwei ihrer weiblichen Verwandten festgenommen, nachdem sie zu einem Lebensmittelgeschäft in der Provinz Al Ras nördlich der saudiarabischen Hauptstadt Riad gefahren waren. Die Frau habe erklärt, keinen männlichen Verwandten zu haben, der sie zum Einkaufen fahren könne. Sie sei bereits in der Vergangenheit selbst zum Supermarkt gefahren, wurde sie von der Zeitung zitiert.

Saudiarabien untersagt Frauen als einziges Land weltweit, selbst Auto zu fahren. Ihre Familien müssen daher entweder Chauffeure anstellen, oder die Frauen sind auf einen männlichen Verwandten angewiesen, der sie zur Arbeit, zur Schule, zum Einkaufen und zum Arzt bringt. Nach Ansicht der saudischen Behörden sind Frauen am Steuer sündigen Verlockungen ausgesetzt, weil sie mit Polizisten oder Mechanikern in Kontakt kommen.

Hunderte Aktivisten fordern Freilassung al-Sharifs

Hunderte Aktivisten reagierten auf die Festnahme al-Sharifs, indem sie auf FacebookGruppen und Kampagnen ins Leben riefen, um ihre Freilassung und ein Ende des Fahrverbots für Frauen zu fordern. Der Aktivist Walid Abu al-Cheir veröffentlichte über Twitter eine von 300 saudischen Aktivisten unterschriebene Petition, in der an den saudischen König appelliert wird, al-Sharif freizulassen und eine eindeutige Verpflichtung einzugehen, das Fahrverbot aufzuheben.

Al-Sharif startete mit Freundinnen auf Facebook eine Seite unter dem Namen «Bring' mir Autofahren bei, damit ich mich selbst schützen kann» und forderte die Behörden auf, das Fahrverbot abzuschaffen. Frauen wurden für den 17. Juni zu einem «Massenfahren» aufgerufen.

Die Facebook-Seite wurde gelöscht, nachdem zuvor mehr als 12'000 Menschen ihre Unterstützung für die Kampagne gezeigt hatten. Auch ein im Rahmen der Kampagne gegründetes Twitter-Konto wurde deaktiviert.

«Wenigstens für Notfälle»

Während einer Testfahrt in der Stadt Chobar im Osten des Landes hatte sich al-Sharif filmen lassen und die Aufnahme ins Internet gestellt. «Wenigstens für Notfälle, Gott bewahre. Was ist, wenn irgendjemand, der die Frauen fährt, einen Herzanfall hat?», erklärte sie ihre Forderung nach einer Fahrerlaubnis für Frauen.

Sie selbst hat nach eigenen Angaben im Alter von 30 Jahren in New Hampshire fahren gelernt. «Wir wollen als vollständige Bürgerinnen leben, ohne die Erniedrigung, die wir jeden Tag ertragen müssen, weil wir an einen Chauffeur gebunden sind», hiess es in einem Facebook-Eintrag al-Sharifs.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch