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Die «Drehscheibe» für al-Qaidas mörderische Vorhaben

Die mutmassliche Absenderadresse der Paketbomben soll kein Zufall sein: Die al-Qaida im Jemen gilt als weltweit stabilste Terrorgruppe. Das gebirgige Land bietet den Kämpfern den optimalen Rückzugsort.

Nur zufällig gefunden: Der Sprengstoff im Drucker.
Nur zufällig gefunden: Der Sprengstoff im Drucker.
Keystone
Eine der Bomben konnte laut dem französischen Innenminister Brice Hortefeux nur 17 Minuten vor der Explosion entschärft werden.
Eine der Bomben konnte laut dem französischen Innenminister Brice Hortefeux nur 17 Minuten vor der Explosion entschärft werden.
Keystone
Obama bestätigt den Verdacht: In den Paketen wurde Sprengstoff gefunden.
Obama bestätigt den Verdacht: In den Paketen wurde Sprengstoff gefunden.
Keystone
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Für US-Präsident Barack Obama dürfte der Fund von mit Sprengstoff präparierten Paketen aus dem Jemen mit Adressaten in den USA nicht überraschend gewesen sein. Erst vor zwei Wochen hatte er den Jemen als Rückzugsort des Terrornetzwerkes al-Qaida angeprangert. Das arabische Land gerät immer stärker in den Fokus des Anti-Terror-Kampfs. Schliesslich soll al-Qaida von dort aus nicht nur den Anschlagsversuch in einem US-Flugzeug auf dem Weg nach Detroit am vergangenen Weihnachtsfest geplant haben - nach US-Angaben hat der im Jemen untergetauchte Saudi Ibrahim Hassan el Asiri damals und auch jetzt die eingesetzten Sprengsätze zusammengebaut.

Al-Qaida nutze den Jemen «als Drehscheibe, von der sie ihre mörderischen Vorhaben verfolgen», sagte Obama Mitte Oktober. Der Jemen bietet tatsächlich ideale Bedingungen für Terroristen. Seine Bergregionen eignen sich hervorragend für bewaffnete Überfälle auf staatliche Sicherheitskräfte und bieten zahlreiche natürliche Rückzugsorte. Ausserdem ist die Macht der Zentralregierung durch die archaischen Stammesstrukturen beschränkt, so dass al-Qaida in einigen Gebieten des Jemen nahezu ungestört agieren kann.

Grosses Potenzial an Kämpfern

Auch die Tradition spricht aus Sicht von al-Qaida für den Jemen. In der muslimischen Überlieferung heisst es, aus dem Land werde eines Tages eine «rettende Armee» kommen. Der jemenitische Aussenminister Abu Bakr el Kurbi wurde kürzlich mit den Worten zitiert, er vermute in seinem Land 300 bis 400 al-Qaida-Kämpfer, von denen einige offen kämpften und andere sich als «Schläfer» bereithielten.

Dass die Islamisten im Jemen eine internationale Gefahr darstellen, zeigen die von dort abgeschickten Sprengstoff-Pakete, die in der Nacht zum Freitag an Bord von Maschinen auf dem britischen Flughafen East Midlands Airport sowie in Dubai entdeckt wurden. Die Pakete waren an jüdische Einrichtungen im Raum Chicago adressiert und enthielten nach Polizeiangaben und Medienberichten den hochexplosiven Sprengstoff PETN.

Zusammenschluss aus zwei Gruppen

US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano sagte, das Komplott trage die Handschrift der al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP). Das Netzwerk war Anfang 2009 aus dem Zusammenschluss des saudi-arabischen und des jemenitischen al-Qaida-Arms hervorgegangen. Obama sagte in einer Ansprache, von den Paketen sei eine «glaubwürdige terroristische Bedrohung» ausgegangen.

Nicht weniger real war die Gefahr am 25. Dezember 2009, als der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab versuchte, in einer US-Maschine im Landeanflug auf Detroit einen Sprengsatz zu zünden. Er hatte zuvor mehrere Monate im Jemen verbracht, wahrscheinlich in einem Ausbildungslager von al-Qaida. Bei dem Anschlagsversuch verwendete er nicht nur den gleichen Sprengstoff, wie er nun gefunden wurde - die US-Regierung ist sich auch sicher, dass ein und der selbe Mann die Bomben gebaut hat. Darauf deuteten «kriminaltechnische Analysen» hin, sagte Obamas Anti-Terror-Berater John Brennan am Sonntag dem Fernsehsender ABC.

Mutmasslicher Bombenbauer wieder im Verdacht

Brennan wollte den Bombenbauer zwar nicht namentlich nennen, Medienberichten zufolge haben die Ermittler jedoch erneut den saudiarabische Staatsbürger Ibrahim Hassan el Asiri ins Viser genommen, da er bereits den Sprengsatz für den gescheiterten Weihnachtsanschlag gebaut haben soll. Der 28-Jährige zählt zu den von Saudiarabien meistgesuchten Kriminellen - und hält sich im Jemen versteckt.

Die jemenitische und die US-Regierung versicherten nach den jüngsten Vorfällen erneut, dass sie im Kampf gegen al-Qaida zusammenarbeiten. Dass Sanaa aus Washingtons Sicht aber bislang nicht genug gegen den Terror getan hat, legen Berichte über heimliche US-Drohnenangriffe im Jemen nahe. Dem Export von Terror aus dem Jemen will Washington auf keinen Fall untätig zusehen.

AFP/mrs

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