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Die «dreckige Bombe» in Reichweite von Islamisten

Die US-Botschaft in Islamabad ist besorgt, dass militante Islamisten in Pakistan in den Besitz von Atomwaffen gelangen könnten. Das zeigen von Wikileaks veröffentlichte Depeschen.

Die USA befürchten, dass sie die «dreckige Bombe» kriegen könnten: Talibanfreundliche militante Islamisten in Pakistan
Die USA befürchten, dass sie die «dreckige Bombe» kriegen könnten: Talibanfreundliche militante Islamisten in Pakistan
Keystone

Im Frühjahr 2009 versicherte ein sichtlich gereizter US-Präsident Barack Obama gegenüber Medien, das nukleare Material Pakistans werde «nicht in die Hände Militanter geraten». Knapp einen Monat später, am 27. Mai 2009, sandte die US-Botschafterin in Pakistan, Anne W. Patterson, eine als geheim klassifizierte Depesche nach Washington, in der sie sagte, sie bleibe in der Sache äusserst besorgt.

Wie die «New York Times» berichtet, war der Grund von Pattersons Besorgnis ein Vorrat hochangereichertes Uran, der seit Jahren in der Nähe eines in die Jahre gekommenen Nuklearreaktors gelagert wurde. Genug Uran, um mehrere «dreckige Bomben» zu bauen, möglicherweise sogar genug für eine Atombombe.

USA und Pakistan in strategischen Fragen zerstritten

In der Depesche schreibt Patterson, dass die pakistanische Regierung die Umsetzung eines Abkommens, wonach die USA das Material entsorgen sollten, immer wieder hinausschiebe. Die internationale Medienberichterstattung über Pakistans Nuklearwaffen mache es unmöglich, das Abkommen zum jetzigen Zeitpunkt umzusetzen, winde sich die Regierung heraus.

Die von Wikileaks veröffentlichten Depeschen machten klar, dass die USA und Pakistan in strategischen Fragen wie Pakistans Unterstützung für die afghanischen Taliban und Washingtons herzliche Beziehungen mit Pakistans Erzfeind Indien tief zerstritten seien. Die USA versuchten, eine unpopuläre Regierung in Pakistan zu unterstützen, die proamerikanischer ist als die eigentlichen Machthaber – das Militär und die Nachrichtendienste.

Zardaris Angst vor einem Putschversuch

Die «New York Times» schreibt, die Depeschen zeigten, wie schwach die Regierung von Asif Ali Zardari wirklich sei. Zardari hat Vizepräsident Joseph Biden gesagt, er sei besorgt, das Militär könnte «mich absetzen».

Ein roter Faden durch alle Depeschen ist die Frustration, sowohl der Busch- wie der Obama-Administration, dass die pakistanische Armee und der Geheimdienst es nicht lassen können, die afghanischen Taliban und andere militante Islamisten zu unterstützen.

Angst vor undichten Stellen im Militär

Die «New York Times» berichtet von einem Geheimdienstbericht, den Obama zu Beginn seiner Amtszeit über Pakistan und Afghanistan angefordert hatte. Darin stehe, dass Pakistans Waffen zwar gut gesichert seien, man aber ständig besorgt sei über den Zugang von «Insidern», also von «Elementen» im pakistanischen Militär oder Geheimdienst.

In einer Depesche vom 4. Februar 2009 schrieb die US-Botschafterin Patterson, «unsere Hauptbesorgnis ist nicht, dass ein militanter Islamist eine Waffe stiehlt, sondern dass jemand aus Regierungskreisen nach und nach genug Material aus (den Lagern) schmuggeln könnte, um eine (nukleare) Waffe herzustellen.»

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