Zum Hauptinhalt springen

«Der Krieg wird lang»

In einem Versteck zwischen Olivenbäumen und römischen Ruinen bereiten sich syrische Rebellen in der Provinz Idlib auf ihren Einsatz vor.

kle
Mit einfachsten Mitteln: Syrische Rebellen errichten Checkpoints ausserhalb Idlibs. (18. März 2012)
Mit einfachsten Mitteln: Syrische Rebellen errichten Checkpoints ausserhalb Idlibs. (18. März 2012)
AFP
1 / 2

Aus der Ferne, Richtung Idlib, ertönt Kanonendonner. Aber die Männer von Abu Suleiman nehmen es kaum wahr. Ihr Bergversteck befindet sich zwischen Olivenbäumen und römischen Ruinen in der Provinz Idlib im Norden Syriens an der Grenze zur Türkei. Hier regieren die Rebellen über dutzende Quadratkilometer. Dörfer und Weiler sind über die Hügel aus roter Erde verstreut. Die Landschaft ist felsig und zerklüftet.

Einige haben vergangene Woche an der Schlacht um Idlib teilgenommen. Als die Truppen des Präsidenten Baschar al-Assad die Stadt einnahmen, zogen sie sich in die Berge zurück. Hier fühlen sie sich sicher vor den Soldaten. «Die Panzer kommen nicht bis hierhin, sie haben Angst vor Hinterhalten», versichert Abu Suleiman. «Und die Türkei ist so nah, dass Baschar seine Luftwaffe nicht einzusetzen wagt. Er fürchtet die Türken.»

Er grüsst wie ein Patriarch

Der 35-jährige Sohn eines Würdenträgers aus Hama, der 1982 bei der blutigen Unterdrückung der dortigen Revolte getötet wurde, finanziert seine Kampfgruppe und ihre Waffen mit dem Familienvermögen. Wie ein Patriarch grüsst er vom Steuer seiner weissen Limousine aus die jungen Kämpfer an Zufahrten und Kreuzungen der Dörfer. 1000 Kämpfer hat er nach eigenen Angaben. Im Stützpunkt der Truppe, vier auf dem Gipfel eines begrünten Hügels versteckten Häuschen, konnten AFP-Reporter lediglich 30 Rebellen ausmachen.

Ein in Decken eingehüllter Mann ruht sich in der ersten Frühjahrssonne aus. Der 24-jährige Nasser hat in Idlib eine Kugel in die Schulter abbekommen. Am Tropf hängend und bandagiert, bringt er ein schwaches Lächeln zustande.

Zusammengewürfelte Bewaffnung

Die Bewaffnung ist leicht und bunt zusammengewürfelt. Kalaschnikows, zwei Maschinengewehre, ein Raketenwerfer, eine einzige Granate. Die Art, wie die Männer damit umgehen, lässt auf Anfänger schliessen, nicht auf Deserteure.

«Unser Ziel ist, den gesamten Berg von Baschars Armee zu säubern», sagt Abu Suleiman. «Wir werden die Soldaten auch aus den Dörfern, in denen sie sind, vertreiben. Dann ist das unser Gebiet, die Wiege der Befreiung.» Kämpfer würden nicht benötigt. «Was wir brauchen, sind Waffen: Panzerbrechende Raketen, Flugabwehrraketen, moderne und wirksame Sachen. wie viel Zeit es dafür braucht? Wer weiss? Wir stellen uns darauf ein. Der Krieg wird lang.»

Enttäuschung über die FSA

Die Kampfgruppe Abu Suleiman arbeitet nach eigenen Angaben mit anderen Rebellen zusammen. Von der Freien Syrischen Armee (FSA) will sie allerdings nichts wissen. «Ich habe in der Türkei drei Mal den FSA-Chef Riaad al-Assad getroffen», sagt «Hauptmann Ajub», einer von Abu Suleimans Stellvertretern. «Ich habe ihn gebeten, uns Geld zu geben und Waffen. Er hat nichts getan. Alles, was er tut, ist reden. Er will Baschars Platz in dessen Palast einnehmen - sonst nichts.»

Die Männer, die nicht im Stützpunkt übernachten, sind in sicheren Häusern untergebracht. Dabei gilt: ein Haus pro Dorf. Dort schauen sie Fernsehen oder auf Computerbildschirmen Anleitungen zum Bau von Bomben oder Antifahrzeugminen. In ihren Westen haben sie Granaten aus Rohrverschraubungen, gefüllt mit Sprengstoff, die über eine Lunte gezündet werden. Davon hätten sie auch grosse Exemplare in Kübeln, mit denen sich Panzer zerstören liessen, sagen die Männer.

Schüsse hallen durch die Landschaft

Auf dem Dach eines Hauses breiten zwei Männer Patronengürtel mit tausenden Maschinengewehrkugeln aus. Nach tagelangem Regen sollen sie in der Sonne trocknen. «Wir brauchen mehr», sagt der 30-jährige Abdallah Sarsu, bis vor einem Jahr Arabischlehrer. «Die hier kommen aus dem Libanon. Aber wir brauchen ein grösseres Kaliber. Wenn die Nato und die UNO uns nicht helfen, wird unser Kampf Jahre dauern. Baschar ist stark. Er hat sich und die seinen 40 Jahre lang bewaffnet.»

Abu Suleiman lässt seine Kämpfer mit seinem US-Sturmgewehr M4 auf Steine schiessen. Jugendliche, die Olivenbrennholz auf Eseln transportieren, stossen ihren Tieren, erschreckt von den Detonationen, die Fersen in die Weichen.

(AFP)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch