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Der Kommandant gibt Entwarnung

Xi Jinping sagt in Wuhan, dass sich die Lage entspannt. Die Regierung behauptet gar, das Virus stamme nicht aus China.

Zum ersten Mal im Epidemie-Epizentrum: Xi Jinping spricht in Wuhan mit Sicherheitskräften. Fotos: Ju Peng (Xihua, Imago Images)
Zum ersten Mal im Epidemie-Epizentrum: Xi Jinping spricht in Wuhan mit Sicherheitskräften. Fotos: Ju Peng (Xihua, Imago Images)

Xi Jinping hat das erste Mal seit Ausbruch des neuartigen Coronavirus die besonders stark betroffene Stadt Wuhan besucht. In der Millionenmetropole in Zentralchina waren im Dezember die ersten Fälle gemeldet worden. Aufnahmen in den Staatsmedien zeigen Xi am Dienstag bei ­seinem Besuch vor einem Spital und bei einem Videoanruf mit Ärzten und Patienten.

Bisher war nur Ministerpräsident Li Keqiang in das Epizentrum gereist. Er gilt als vergleichsweise machtlos in der politischen Hierarchie. Xis Besuch in Wuhan wird als ein Zeichen gedeutet: Peking will ­offenbar klarmachen, dass es die Epidemie für unter Kontrolle ­gebracht hält.

Infektionszahlen sinken

In den sozialen Medien teilten Nutzer in meist schnell zensierten Beiträgen die Szene aus einer Fernsehserie, in der ein Kaiser aus der Qing-Dynastie den Rat erhält, nur dann Truppen anzuführen, wenn der Sieg bereits ­sicher sei. Präsident Xi Jinpings Besuch wird auch als Signal an Unternehmen gedeutet, die weiterhin teilweise geschlossen ­haben, ihre Produktionen und Geschäfte wieder aufzunehmen. Ein nächster Schritt wäre die Bekanntgabe eines neuen Datums für den Volkskongress. Das wichtige politische Treffen, das normalerweise Anfang März stattfindet, war Ende Februar bis auf weiteres verschoben worden.

China hat diese Woche erneut eine nur niedrige Zunahme der Infektionen gemeldet, auch wenn es an den exakten Zahlen Zweifel gibt. Die Behörden ­haben mehrfach die Zählweise angepasst. Infizierte Personen, die keine Symptome haben oder nur eine klinische Diagnose ohne Testergebnis, werden zum Beispiel nicht bei der Zahl der Neuinfizierten mitgezählt.

Unabhängig davon zeigt sich aber schon seit einiger Zeit ein eindeutiger Abwärtstrend bei den Krankheitszahlen. Lediglich 19 neue Fälle verzeichnet die Regierung im ganzen Land zwischen Montag und Dienstag. Nur zwei ­davon ausserhalb Wuhans. Dort starben auch 16 der 17 neu gemeldeten Todesopfer. Die Zahl der Toten in Festlandchina liegt nun bei 3136. Insgesamt wurden in China 80754 Infektionen gemeldet. Beinahe 60'000 Patienten wurden angeblich bereits wieder aus dem Spital entlassen, 17'000 sollen noch behandelt werden.

Die chinesische Botschaft warnt australische Journalisten, die berichten, das Virus stamme aus China.

Die Reise Xis dürfte auch in Zusammenhang mit den Entwicklungen im Ausland stehen, wo die Krankheitszahlen rapide steigen. Chinas Regierung hat in den vergangenen Wochen ein ungewöhnliches Mass an Kritik und Unzufriedenheit zu spüren bekommen. Der Staatschef verschwand im Februar für eine ­Woche fast komplett aus der ­Öffentlichkeit. Erst als sich die Situation wieder verbessert hatte, betonten die Staatsmedien die Führungsrolle des Parteichefs und die angebliche Effizienz des chinesischen Regierungssystems während der Krise.

In einer Rede von Anfang ­Februar, die Präsident Xi später veröffentlichen liess, sagte der Parteichef, er habe seit Anfang Januar «kontinuierlich münd­liche und schriftliche Anweisungen» gegeben und persönlich die Isolation Wuhans angeordnet. Die Staatsmedien nannten den Parteichef am Wochenende den «Kommandanten der gesamten Situation». Der Vergleich mit dem Ausland spielt eine ­zunehmend grosse Rolle in der Berichterstattung.

Xi Jinping spricht am Dienstag in einem Spital in Wuhan mit Patienten – per Videoanruf.
Xi Jinping spricht am Dienstag in einem Spital in Wuhan mit Patienten – per Videoanruf.

In einer Pressekonferenz vergangene Woche hatte Chinas Regierung zudem zum ersten Mal auf höchster Ebene die Vermutung geäussert, dass der Erreger nicht aus China stammen könnte. Möglich sei alles, auch die Einschleppung aus dem Ausland, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums.

In Australien versandte die chinesische Botschaft Warnungen an Journalisten, die geschrieben hatten, das Virus sei in ­China entdeckt worden, und nannte das «höchst unverantwortlich», eine «Politisierung» der Krise und eine Behauptung ohne auch nur irgendwelche Belege.

In der Bevölkerung gibt es gleichzeitig weiterhin auch Wut über das anfängliche Krisen­management der Behörden. Am Dienstag veröffentlichte ein chinesisches Magazin einen Bericht über eine Ärztin. Sie gehörte zu den Medizinern, die den Ausbruch in Wuhan als Erste bemerkt hatten, dann aber von den Behörden behindert worden ­waren. Das Stück wurde nach wenigen Minuten gelöscht, aber von Tausenden Internetnutzern immer wieder kopiert und neu geteilt. Viele Menschen werfen der Führung vor, zu spät reagiert zu haben. Teilweise hat Peking das auch eingeräumt, dafür aber allein die Lokalregierung verantwortlich gemacht.

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