Zum Hauptinhalt springen

Das «Väterchen» mit der eisernen Hand

Weissrussland steht vor dem Staatsbankrott. Dennoch ist Präsident Alexander Lukaschenko in weiten Teilen der Bevölkerung beliebt – auch dank seines Sohnes Kolja.

Bei öffentlichen Auftritten oft in Begleitung seines Sohnes: Lukaschenko und Kolja im Juli 2009.
Bei öffentlichen Auftritten oft in Begleitung seines Sohnes: Lukaschenko und Kolja im Juli 2009.
Keystone

Seine weissrussischen Landsleute müssen Staatschef Alexander Lukaschenko «Batka» nennen - «Väterchen». Doch für seine Kritiker ist der autoritär regierende Präsident der «letzte Diktator Europas», der die frühere Sowjetrepublik seit 1994 mit harter Hand führt.

Mit stalinistischen Methoden schaltete der Sowjetnostalgiker seine Gegner aus. Nach der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Präsidentenwahl im Dezember 2010 liess er auch mehrere Herausforderer ins Gefängnis des Geheimdienstes KGB werfen.

In der Öffentlichkeit präsentiert sich Lukaschenko gerne als liebevoller Vater mit seinem ausserehelichen Sohn Nikolai, kurz Kolja. Der Staatschef änderte sogar sein Geburtsdatum vom 30. auf den 31. August, um mit Kolja gemeinsam feiern zu können. Der Sechsjährige begleitet ihn auch auf Staatsreisen - und legte an der Stelle des Attentats in der Minsker Metro mit Lukaschenko Blumen nieder.

Bei ärmeren Menschen

Vor allem bei ärmeren Menschen ist der Herrscher beliebt - mit billigem Öl und Gas aus Russland legte er zunächst die Grundlagen für ein gewisses Wirtschaftswachstum. Mittlerweile steht Weissrussland jedoch vor dem Staatsbankrott und hofft auf weitere Milliardenkredite anderer Ex-Sowjetrepubliken. Hilfe aus dem Westen im Gegenzug für demokratische Zugeständnisse lehnt Lukaschenko aber ab.

Mit dem mächtigen Nachbarn Russland hätte es sich der Präsident mit der Fistelstimme vergangenes Jahr ebenfalls fast verscherzt. Nach Attacken aus Minsk gegen Moskau hatte das russische Staatsfernsehen Lukaschenko als «Psychopathen» beschimpft. Doch kurz vor der Präsidentenwahl versöhnte sich «Batka» mit Kremlchef Dmitri Medwedew.

1954 in ärmlichen Verhältnissen an der Grenze zu Russland geboren, wuchs Lukaschenko ohne Vater auf. Er studierte Geschichte und Landwirtschaft, bevor er von 1987 an eine Kolchose leitete. Nach der Unabhängigkeit Weissrusslands 1991 machte sich der oft als «bauernschlau» beschriebene Lukaschenko als Kämpfer gegen die Kriminalität einen Namen.

Die Macht werde Lukaschenko niemals freiwillig abgeben, schrieben US-Diplomaten bereits 2006 nach Washington. Der Präsident selbst kündigte einst an: «Ich werde mein Volk, meinen Staat und meine Macht mit der Waffe im Arm verteidigen, notfalls auch allein.»

SDA/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch