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Bloss ein Vorspiel

Die Olympischen Winterspiele bringen Nord- und Südkorea an einen Tisch. Was die ersten gemeinsamen Gespräche seit zwei Jahren bedeuten.

Christoph Neidhart, Tokio
«Lassen Sie uns den Leuten ein wertvolles Geschenk zum neuen Jahr machen»: Die Vertreter von Nord- und Südkorea gaben sich positiv. Video: Tamedia/AFP

Nordkorea hat Südkorea am Dienstag vorgeschlagen, eine grosse Delegation an die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang zu schicken. Sie soll Offizielle, eine Gruppe Cheerleader, einen Tanztrupp, Taekwondo-Kämpfer für Showauftritte umfassen. Und auch Athleten – zumindest das Eiskunstläuferpaar Ryom Tae-ok und Kim Ju-sik, das sich offiziell für die Spiele qualifiziert hat.

Nordkorea ist zwar ein Winterland – aber bisher kaum ein Wintersportland. Nur im Eisschnelllaufen der Frauen haben Athleten aus Nordkorea schon Olympiamedaillen gewonnen: 1964 in Innsbruck und 1992 in Albertville auf der kurzen Bahn.

Zur Antwort schlug Seoul dem Norden vor, zur Eröffnungs- und zur Schlussfeier sollten die Athleten beider Koreas gemeinsam einmarschieren, so Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myoung-gyon in einer kurzen Presseorientierung nach der Eröffnungsrunde der ersten gemeinsamen Gespräche seit zwei Jahren. Seoul schlug ausserdem vor, die beiden Koreas sollten eine gemeinsame Cheerleader-Truppe bilden.

Erstes offizielles Treffens seit über zwei Jahren: Cho Myoung-gyon (2.v.r.) aus Südkorea reicht dem nordkoreanischen Delegierten Ri Son-gwon die Hand. (9. Januar 2018)
Erstes offizielles Treffens seit über zwei Jahren: Cho Myoung-gyon (2.v.r.) aus Südkorea reicht dem nordkoreanischen Delegierten Ri Son-gwon die Hand. (9. Januar 2018)
Korea Pool, AFP
Ein Konvoi mit Delegierten aus Südkorea ist unterwegs zum Treffen mit den Nordkoreanern, die zu Fuss gekommen sind.
Ein Konvoi mit Delegierten aus Südkorea ist unterwegs zum Treffen mit den Nordkoreanern, die zu Fuss gekommen sind.
Ed Jones, AFP
Das Treffen findet in Panmunjom in der demilitarisierten Zone statt.
Das Treffen findet in Panmunjom in der demilitarisierten Zone statt.
Ed Jones, AFP
Südkoreanische Soldaten warten auf die Ankunft der Delegation.
Südkoreanische Soldaten warten auf die Ankunft der Delegation.
Ed Jones, AFP
Pyongyang und Seoul haben sich Anfang des Jahres auf Gespräche geeinigt: Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un. (1. Januar 2017)
Pyongyang und Seoul haben sich Anfang des Jahres auf Gespräche geeinigt: Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un. (1. Januar 2017)
KCNA, AFP
Ein Treffen könnte am 9. Januar stattfinden: Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myoung-gyon wendet sich an die Medien. (2. Januar 2018)
Ein Treffen könnte am 9. Januar stattfinden: Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myoung-gyon wendet sich an die Medien. (2. Januar 2018)
Jung Yeon-Je, AFP
Kim Jong-un drohte in seiner Neujahrsansprache mit einem Atomwaffenangriff – zeigte sich aber auch zu Gesprächen mit Südkorea bereit. (1. Januar 2018)
Kim Jong-un drohte in seiner Neujahrsansprache mit einem Atomwaffenangriff – zeigte sich aber auch zu Gesprächen mit Südkorea bereit. (1. Januar 2018)
Lee Jin-man, Keystone
Der Atomkonflikt spitzt sich zu: Kim Jong-un an einer Konferenz in der Hauptstadt Pyongyang. (23. Dezember 2017)
Der Atomkonflikt spitzt sich zu: Kim Jong-un an einer Konferenz in der Hauptstadt Pyongyang. (23. Dezember 2017)
Korean Central News Agency via AP, Keystone
Kim forderte die USA auf, Pyongyang als Atommacht anzuerkennen.
Kim forderte die USA auf, Pyongyang als Atommacht anzuerkennen.
Shawn Thew, Keystone
Sein Aussenministerium unterstellt den USA eine «feindselige Politik»: Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un. (3. September 2017)
Sein Aussenministerium unterstellt den USA eine «feindselige Politik»: Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un. (3. September 2017)
KCNA, Keystone
«Wir sind bereit, unsere Rolle als Vermittler anzubieten», sagte Bundespräsidentin Doris Leuthard in Bern. «Es ist nun wirklich Zeit, sich an den Tisch zu setzen. Grossmächte haben eine Verantwortung.»
«Wir sind bereit, unsere Rolle als Vermittler anzubieten», sagte Bundespräsidentin Doris Leuthard in Bern. «Es ist nun wirklich Zeit, sich an den Tisch zu setzen. Grossmächte haben eine Verantwortung.»
Peter Klaunzer/AP, AFP
Die EU berät über neue Sanktionen gegen Nordkorea. «Das ist auch dringend notwendig», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Die EU berät über neue Sanktionen gegen Nordkorea. «Das ist auch dringend notwendig», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Clemens Bilan/EPA, AFP
«Die derzeitige militärische Hysterie kann nichts Gutes bringen»: Russlands Präsident Wladimir Putin, hier am  Gipfeltreffen der Brics-Staaten in China. (5. September 2017)
«Die derzeitige militärische Hysterie kann nichts Gutes bringen»: Russlands Präsident Wladimir Putin, hier am Gipfeltreffen der Brics-Staaten in China. (5. September 2017)
AFP
Washington werde jede Bedrohung durch Nordkorea mit einer «massiven militärischen Reaktion» beantworten: US-Verteidigungsminister James Mattis spricht vor den Medien beim Weissen Haus in Washington am 3. September 2017.
Washington werde jede Bedrohung durch Nordkorea mit einer «massiven militärischen Reaktion» beantworten: US-Verteidigungsminister James Mattis spricht vor den Medien beim Weissen Haus in Washington am 3. September 2017.
Nicholas Kamm, AFP
Auf die Frage eines Journalisten, ob der US-Präsident nun Nordkorea angreifen wird, antwortet Donald Trump beim Verlassen einer Kirche: «Wir werden sehen.»
Auf die Frage eines Journalisten, ob der US-Präsident nun Nordkorea angreifen wird, antwortet Donald Trump beim Verlassen einer Kirche: «Wir werden sehen.»
Susan Walsh, Keystone
Er hat mehrere Atomtest durchgeführt: Diktator Kim Jong-un besucht das Institut für chemisches Material der Akademie für Verteidigungswissenschaft in Nordkorea. (23. August 2017)
Er hat mehrere Atomtest durchgeführt: Diktator Kim Jong-un besucht das Institut für chemisches Material der Akademie für Verteidigungswissenschaft in Nordkorea. (23. August 2017)
AFP
Die Messungen der US-Erdbebenwarte USGS haben im August eine Stärke von zuerst 5,6 und später von 6,3 ergeben – ein Indiz für einen Test.
Die Messungen der US-Erdbebenwarte USGS haben im August eine Stärke von zuerst 5,6 und später von 6,3 ergeben – ein Indiz für einen Test.
Screenshot/usgs.gov
Das japanische Warnsystem hat reagiert: Passanten in Südkorea sehen Nachrichten über den nordkoreanischen Raketenstart. (29. August 2017)
Das japanische Warnsystem hat reagiert: Passanten in Südkorea sehen Nachrichten über den nordkoreanischen Raketenstart. (29. August 2017)
Ahn Young-joon, Keystone
Teile der Rakete sind östlich der japanischen Hauptinsel Hokkaido niedergegangen: Südkoreanische Nachrichten. (29. August 2017)
Teile der Rakete sind östlich der japanischen Hauptinsel Hokkaido niedergegangen: Südkoreanische Nachrichten. (29. August 2017)
Ahn Young-joon, Keystone
Provoziert mit seinen Raketenstarts: Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un. (Archivbild)
Provoziert mit seinen Raketenstarts: Der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un. (Archivbild)
Wong Maye-e, Keystone
Die nordkoreanische Rakete habe eine «ernsthafte» Bedrohung der Sicherheit dargestellt: Eine japanische Flugabwehrrakete. (29. August 2017)
Die nordkoreanische Rakete habe eine «ernsthafte» Bedrohung der Sicherheit dargestellt: Eine japanische Flugabwehrrakete. (29. August 2017)
Kazuhiro Nogi, AFP
Will seine Bevölkerung schützen: Der japanische Premierminister Shinzo Abe. (29. August 2017)
Will seine Bevölkerung schützen: Der japanische Premierminister Shinzo Abe. (29. August 2017)
Kyodo News, Keystone
Nordkorea testet eine Hwasong-14-Rakete. (Archivbild)
Nordkorea testet eine Hwasong-14-Rakete. (Archivbild)
KCNA, Keystone
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Die Teilnahme Nordkoreas in Pyeongchang wird damit eher zum sportdiplomatischen als zum sportlichen Ereignis, zumal die Offiziellen, die die Delegation begleiten werden, nicht bloss Sportoffizielle sein werden.

Das ist nichts Neues. Zu den Asienspielen 2014 in Incheon tauchten für die Öffentlichkeit völlig überraschend die Nummern zwei und drei der nordkoreanischen Hierarchie hinter Kim Jong-un zur Schlussfeier auf. Und führten nach der Zeremonie informelle politische Gespräche mit der südkoreanischen Regierung. Übertreffen könnte Pyongyang diese Geste nur noch mit einem Abstecher von Kim persönlich – beispielsweise zur Schlussfeier.

Welche Wege führen nach Südkorea?

Im Waffenstillstandsdorf Panmunjom handeln die beiden Delegationen, die sich vor dem Auftakt der Gespräche sehr optimistisch gaben, die Modalitäten der Teilnahme Nordkoreas aus. Sie müssen zum Beispiel festlegen, wie die nordkoreanische Delegation nach Südkorea gelangt. Ganz im Osten der Halbinsel wurde während der Jahre der sogenannten Sonnenschein-Politik zwischen 2000 und 2007, der von Seoul initiierten und finanzierten Tauwetter-Periode, die alte Strassenverbindung von der nordkoreanischen Küstenstadt Wonsan in den Süden wiederhergestellt. Von diesem Grenzübergang sind es bis nach Gangneung, wo die Eislaufwettbewerbe durchgeführt werden, nur hundert Kilometer. Aber dieser Grenzübergang wurde seit zwei Jahren nie benützt.

Eine Einigung über Nordkoreas Beteiligung an den Spielen in Pyeongchang mag eine grosse symbolische Bedeutung haben. Politisch ist sie ist bloss die erste einfachste Hürde eines hochkomplizierten Prozesses zur Entspannung auf der Koreanischen Halbinsel, zu der auch Washington, Peking, Tokio und Moskau beitragen müssen. Also eigentlich bloss ein Vorspiel.

Leise Hoffnung für getrennte Familien

In der Nachmittagssitzung wollte die südkoreanische Delegation die Wiederaufnahme von Angehörigentreffen für jene Familien vorschlagen, die vom Koreakrieg (1950–1953) getrennt wurden und sich seither nie mehr gesehen haben, keine Briefe austauschen und schon gar nicht telefonieren können. Seoul wünscht, es solle bereits zum chinesischen Neujahrsfest, das auch in Korea gefeiert wird und dieses Jahr auf den 16. Februar fällt, zu einem ersten Treffen kommen.

Nordkorea hat solche Familienzusammenführungen seit 1985 immer wieder zugelassen. Sie dauerten jeweils zwei bis drei Tage und fanden unter strenger Aufsicht der Staatssicherheit in einem isolierten nordkoreanischen Hotel statt. Aber Kim hat sie seit mehr als zwei Jahren blockiert.

Dieser emotionsbeladene Vorschlag Seouls dürfte zum ersten Lackmustest werden, wie ernst es Kim mit seinem Angebot zur Entspannung ist. Lenkt er auch hier ein, wird Seoul seinen Vorschlag vom vorigen Sommer für Militärgespräche wiederholen und «weitere Schritte zur Reduktion der Spannungen an der Grenze, zur Wiederaufnahme des innerkoreanischen Dialogs für den Frieden auf der Halbinsel und zur nuklearen Abrüstung» vorschlagen. Nordkorea hat sich dazu bisher nicht geäussert.

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