Wie zwei Schwestern ihre Insel retten

Das indonesische Urlaubsparadies Bali droht am Müll zu ersticken. Zwei Jugendliche wollten das nicht länger mitansehen. Sie lancierten eine Kampagne gegen Plastik und starteten einen Hungerstreik.

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Als die beiden Indonesierinnen Isabel und Melati Wijsen zehn und zwölf Jahre alt waren, lernten sie in der Schule über «wichtige» Persönlichkeiten. Nelson Mandela, Lady Diana und Mahatma Gandhi waren darunter. «Melati und ich gingen an dem Tag nach Hause und dachten: ‹Was können wir als Kinder hier auf Bali tun, was können wir jetzt tun?›», erinnert sich Isabel Wijsen.

Die beiden Schwestern setzten sich zusammen, sammelten Ideen und kamen schnell auf den Berg an Müll, der Bali tagtäglich überrollt. Über 680 Kubikmeter Plastik an nur einem Tag – aufeinander gehäuft sei das so hoch wie ein 14-stöckiges Hochhaus, sagen die Mädchen.

Vom Urlaubsparadies zur Müllhalde

Doch Bali war nicht immer so: Früher arbeiteten die Menschen hauptsächlich mit biologischem Material, das zu 100 Prozent abbaubar war. Mit dem wachsenden Tourismus und mehr westlichen Einfluss stieg aber auch die Nutzung von Plastikprodukten an. Kleine Restaurants – die Warungs – servieren Getränke beispielsweise in Plastiktüten statt in Gläsern. Es soll schliesslich schnell gehen. Eine regelmässige Müllabfuhr gibt es bei weitem nicht überall und so wird der meiste Müll verbrannt oder ganz einfach in die Flüsse geschüttet. Letztendlich landet er oft im Meer oder an den Stränden.

«Die Auswahl des Themas war also einfach: Aber war es ein Ziel, das wir als Kinder erreichen konnten?», fragten sich die Schwestern. Den gesamten Müllberg abzutragen, das trauten sich die beiden dann doch nicht zu. Und so beschlossen sie, sich auf Plastiktüten zu konzentrieren. Bali sollte Plastiktüten verbieten, Balinesen «nein» zu Plastiktüten sagen. Ihre Anti-Plastiktütenkampagne war geboren. Sie nannten sie schlicht «Bye Bye Plastic Bags». Das alles ist jetzt drei Jahre her.

Schülerinnen gaben nicht auf

«Seitdem war unsere Mission, die Menschen auf Bali dazu zu bringen, ‹nein› zu Plastiktüten zu sagen», sagen die Schwestern. Doch der Weg war nicht immer einfach. Sie starteten mit der Idee, eine Million Unterschriften gegen Plastiktüten zu sammeln. Gleichzeitig organisierten sie Aufräumaktionen am Strand, Flashmobs und Schulpräsentationen.

«Das schwierigste für uns als Teenager ist einfach, uns so lange zu binden», sagen die beiden. Alle Aktionen seien am Wochenende und «das ist ja auch die Zeit, um mit seinen Freunden rumzuhängen oder surfen zu gehen». Unterschätzt hatten die Teenager auch, wie schwierig es war, eine Million Unterschriften zu sammeln. Das Projekt der Schülerinnen stockte, die Unterschriften tröpfelten, doch aufgeben wollten sie nicht.

Hungerstreik wie einst Gandhi

Der Durchbruch kam schliesslich durch etwas ganz Anderes: Inspiriert von den Aktionen ihres Helden Gandhi organisierten sie einen Hungerstreik, um den balinesischen Gouverneur auf sich aufmerksam zu machen. Auf Anraten eines Ernährungsberaters fasteten sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, einen völligen Hungerstreik unterbanden die Eltern. Doch die Symbolhandlung tat ihre Wirkung.

Gouverneur Made Mangku Pastika empfing die Mädchen und stellte sich auf ihre Seite. Heute bezeichnen beide ihn als ihren Freund und Unterstützer ihrer Initiative. Als die Umweltschutzagentur der Insel schliesslich verkündete, dass Bali ab 2018 frei von Plastiktüten werden soll, war der Sieg der beiden Mädchen vollbracht.

Als die beiden im Januar zu einem Internetvortrag, dem sogenannten TED-Talk, nach London eingeladen wurden, sprachen die beiden nicht nur über ihre Erfolge, sondern auch über die Probleme auf dem Weg. Doch die wichtige Erfahrung sei gewesen, «dass Kinder Dinge schaffen können», sagten sie damals. «Wir Kinder mögen nur 25 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, aber wir sind 100 Prozent der Zukunft», sagten sie in ihrem TED-Talk.

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