Japan

Treibjagd an der Tagesordnung

JapanIn Taiji in Japan wird die Delfinjagd fortgesetzt. Doch die Zahl getöteter Tiere bleibt bisher vergleichsweise gering. Der TT-Mitarbeiter Hans Peter Roth war wiederum Zeuge des zeitweise bizarren Geschehens vor Ort.

Die Auslese: Die Delfintrainer wählen die geeigneten Tiere, welche vorgängig in diese Bucht in Taiji getrieben wurden,
für die Delfinarien aus. Die verbleibenden Delfine werden manchmal getötet, und manchmal wieder freigelassen.

Die Auslese: Die Delfintrainer wählen die geeigneten Tiere, welche vorgängig in diese Bucht in Taiji getrieben wurden, für die Delfinarien aus. Die verbleibenden Delfine werden manchmal getötet, und manchmal wieder freigelassen. Bild: Hans Peter Roth

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Bizarr. Nur so lässt sich vieles beschreiben, was ich in den vergangenen Wochen in Südjapan erlebt habe. Die ersten Tage nach meiner Ankunft im September verbrachte ich in Tokio, um die Aktionen dort zu unterstützen. Dazu gehörte unter anderem die Übergabe einer Petition mit 1,7 Millionen Unterschriften zur Beendigung der Delfinjagd in Japan. Mein Koautor Ric O’Barry, der ehemalige Trainer der Delfine für die TV-Serie «Flipper» und heutige Delfinschützer, überreichte die Petition der amerikanischen Botschaft zum Weiterleiten an die zuständigen japanischen Behörden.

Keine Ausnahme

Dann ging’s gemeinsam mit meiner japanischen Helferin und Übersetzerin Kiki zum Beobachtungs-Einsatz vor Ort, bei der berüchtigten Bucht von Taiji. Wir wurden Zeugen mehrerer Treibjagden. Fast an jedem günstigen Tag – das Meer war meist ruhig, die Luft heiss – machten sich die Jäger mit ihren Booten auf zur Hetze.

Was eine leise Hoffnung in uns aufkeimen liess: Nach der Auslese für Delfinarien liessen die Jäger jeweils alle übrig gebliebenen Delfine wieder frei, früher hatten sie diese stets getötet. Dann kam die ernüchternde «Ausnahme»: die Abschlachtung von etwa 15 Rundkopfdelfinen. Der Wahnsinn geht also weiter. Und die Ausnahme ist keine Ausnahme geblieben. Soeben habe ich nach meiner Rückkehr aus Japan erfahren, dass nach mehreren ruhigen Tagen gestern in der Früh wiederum 12 Rundkopfdelfine getötet worden sind. Zuvor hatten die Trainer zwei Tiere lebend weggebracht. Sechs Delfine liessen sie schliesslich frei.

Beamte in der Klemme

Die Stimmung um die Bucht ist angeheizter denn je. Das hat auch mit der Anwesenheit von «Sea Shepherd» zu tun. Als «Hüter der Meere» bezeichnet sich diese internationale Organisation, die sich recht radikal für den Schutz der Wale und Delfine einsetzt. Die japanischen Medien denunzieren deren Mitglieder erfolgreich als «Öko-Terroristen»; dies insbesondere, nachdem Leute von Sea Shepherd vor einigen Jahren in der Bucht von Taiji zur Befreiung von Delfinen Netze aufgeschnitten hatten.

Jetzt ist Sea Shepherd wieder da, obschon die Behörden zuvor angekündigt haben, sie würden deren Mitglieder sofort ausser Landes schaffen. Doch das ist in einem grundsätzlich demokratischen Land wie Japan nicht so einfach, solange diese Leute keine Gesetze brechen. Umso wütender sind die Einheimischen auf die Behörden, welche den ungebetenen Gästen sogar Personenschutz gewähren müssen, wenn japanische radikale Nationalisten auftauchen. «Wortbruch» ist eine schwerwiegende Angelegenheit im Land der aufgehenden Sonne.

Wort gebrochen

Und nun hat die Polizei offenbar wieder Wort gebrochen. Einige Tage zuvor zerschnitten Aktivisten einer bisher unbekannten Organisation mit dem Namen «Black Fish» Netze von Delfingehegen im Hafen von Taiji – ohne dass Delfine entkommen konnten. Daraufhin haben Beamte gesagt, dass jeder «Nichtbefugte», der sich ins Wasser der Bucht begibt, wenn darin Delfine gefangen sind, sofort verhaftet wird. Prompt hat ein in Japan lebender Amerikaner, der keiner Organisation angehört, dies auf die Probe gestellt, ist ins Wasser gesprungen und bis zum Netz mit den Delfinen hinausgeschwommen. Er ist nicht verhaftet worden.

Jetzt ist die lokale Polizei in Nöten. Denn so verliert sie die Glaubwürdigkeit. «Du sollst nie bluffen», meint Scott West dazu: «Vor allem nicht, wenn du Polizist bist.» Als Mitglied von Sea Shepherd will er gleich drei Monate auf dem heissen Grund von Taiji Position halten. Scott muss es wissen. Vor seinen Einsätzen für Sea Shepherd war er im US-Bundesstaat Washington im Dienst – als Polizeibeamter. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 13.10.2010, 10:40 Uhr

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