Tokio war über drohende Kernschmelze früh informiert

Japans Regierung hatte erst zwei Monate nach der AKW-Katastrophe eine Kernschmelze gemeldet. Aufzeichnungen zeigen nun, dass der Premier schon sehr früh über das drohende Unglück im Bild war.

Wussten über die Lage Bescheid: Der damalige Premierminister Naoto Kan, sein damaliger Finanzminister Yoshihiko Noda und Kabinettssekretär Yukio Edano (von rechts) am 27. März 2011 im Parlament. Noda ist heute Premier Japans.

Wussten über die Lage Bescheid: Der damalige Premierminister Naoto Kan, sein damaliger Finanzminister Yoshihiko Noda und Kabinettssekretär Yukio Edano (von rechts) am 27. März 2011 im Parlament. Noda ist heute Premier Japans.

(Bild: Keystone)

Die japanische Regierung hat bereits wenige Stunden nach dem Erdbeben vom 11. März 2011 von der drohenden Kernschmelze in Fukushima gewusst. Dies geht aus dem Protokoll einer Krisensitzung gut vier Stunden nach dem verheerenden Erdbeben hervor, das am Freitagabend veröffentlicht wurde. «Wenn die Temperatur des Reaktorkerns acht Stunden lang steigt, besteht die Möglichkeit, dass sich eine Kernschmelze ereignet», sagte den Aufzeichnungen zufolge ein namentlich nicht genannter Teilnehmer des ersten Treffens des Krisenstabs, der vom damaligen Regierungschef Naoto Kan geleitet wurde.

Die japanische Regierung und der Kraftwerksbetreiber Tepco hatten erst Mitte Mai, also zwei Monate nach Beginn der Katastrophe eingeräumt, dass es in drei von sechs Reaktoren zur Kernschmelze gekommen war. Experten hatten dies schon länger vermutet. Der damalige Regierungssprecher Yukio Edano entschuldigte sich nun für das lange Schweigen der Regierung: «Ich nehme die Kritik, dass ich Ihnen nichts über die Möglichkeit einer Kernschmelze sagen konnte, demütig entgegen», sagte der heutige Wirtschaftsminister vor Journalisten.

Ein Jahr danach

Am Sonntag ist der erste Jahrestag des Unglücks, das durch ein Erdbeben und einen darauffolgenden Tsunami ausgelöst wurde. Wegen der Atomkatastrophe mussten zehntausende Menschen ihre Häuser in einer 20-Kilometer-Sperrzone rund um das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi verlassen. Es wird erwartet, dass die vollständige Säuberung der verstrahlten Gebiete Jahrzehnte dauern wird.

Japans Regierungschef Yoshihiko Noda versicherte kurz vor dem Jahrestag, dass der Wiederaufbau der vom Erdbeben verwüsteten Regionen, die Dekontaminierung des zerstörten Kraftwerks und der umliegenden Gebiete sowie die «Wiederbelebung» von Japans Wirtschaft die Hauptaufgaben seiner Regierung seien. Wirtschaftsbereiche wie Energie, Umwelt und Gesundheit hätten als Wachstumsbranchen «erhebliches Potenzial», schrieb Noda in einem Beitrag für die US-Tageszeitung «Washington Post». Um die japanische Wirtschaft anzukurbeln, will sich seine Regierung demnach auch für internationale Investitionen stark machen.

jak/AFP

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