Tokio rüstet sich für den Massenprotest

Keine Alternativen zur Atomenergie, wenig Fortschritte beim Wiederaufbau: In Japan wächst die Wut auf die Regierung. Für heute sind nun erstmals grosse Massenproteste geplant.

Die Regierung verliert in Japan immer mehr an Rückhalt: Anti-Atomkrafts-Demonstration in Tokio am 28. Mai.

Die Regierung verliert in Japan immer mehr an Rückhalt: Anti-Atomkrafts-Demonstration in Tokio am 28. Mai.

(Bild: Keystone)

Drei Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Japan sind für heute Massenproteste gegen die Nutzung von Atomkraft geplant. Die Demonstrationen sollten in der Hauptstadt Tokio und anderen Städten des Landes stattfinden. Die Menschen verlangen Alternativen zur Atomenergie.

Seit dem Tsunami am 11. März und der folgenden Atomkatastrophe in Fukushima leben in Japan noch immer mehr als 90'000 Menschen in Notunterkünften. Am Samstag demonstrierten in mehreren Städten des Landes Menschen für Alternativen zur Atomenergie.

Es fehlen noch Tausende Unterkünfte

Zwar wurden inzwischen rund 28'000 Behelfsunterkünfte für die Opfer gebaut, doch werden noch Tausende weitere benötigt, wie örtliche Medien am Samstag berichteten. Erschwert wird dies durch noch immer herumliegende Trümmerberge.

Fast 120'000 Menschen in den mit am schwersten betroffenen Provinzen Miyagi, Iwate und Fukushima haben infolge der Katastrophe ihren Arbeitsplatz verloren, wie der Fernsehsender NHK berichtete. Es gebe derzeit jedoch nur 49'000 Jobangebote.

Naoto Kan in der Katastrophenregion

Unterdessen reiste der innenpolitisch unter Rücktrittsdruck stehende Ministerpräsident Naoto Kan erneut in die Katastrophenregion. Die Opposition sowie Kritiker im eigenen Lager werfen ihm Missmanagement in der Krise vor und fordern seinen sofortigen Rücktritt vom Amt des Premiers.

Seit Beginn der Dreifach-Katastrophe sind rund 15'400 Tote geborgen worden, rund 8100 Menschen gelten weiter als vermisst. Die Reparaturtrupps in der Atomruine in Fukushima kämpfen weiter gegen Millionen Liter inzwischen verseuchten Wassers, mit dem die Reaktoren gekühlt werden sollen.

Zugleich nimmt die Sorge der Menschen vor den weiter austretenden radioaktiven Strahlen zu. Es dürfte noch mehrere Monate dauern, bis die Situation in dem havarierten Atomkraftwerk unter Kontrolle ist.

mrs/dapd

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