Tepco gibt Verharmlosung der Tsunami-Gefahr zu

«Es gab eine latente Angst vor einer Schliessung»: Tepco veröffentlichte einen Bericht zur AKW-Katastrophe von Fukushima. Der Kraftwerksbetreiber kommt darin äusserst schlecht weg.

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Mehr als anderthalb Jahre nach dem Atomunglück von Fukushima hat die Betreibergesellschaft Tepco heute erstmals die bewusste Verharmlosung von Gefahren eingeräumt. Tepco erklärte, dass die schwere Krise hätte vermieden werden können.

Das Unternehmen erklärte in einem Bericht über eine «fundamentale Reform», das Risiko heruntergespielt zu haben, um eine Schliessung des Atomkraftwerks aus Sicherheitsgründen zu vermeiden. «Es gab eine latente Angst vor einer Schliessung», heisst es in dem Bericht.

Angst vor einer Anti-Atom-Stimmung

Wären vor dem Unglück weitreichende Sicherheitsmassnahmen angeordnet worden, so hätte dies den Eindruck erweckt, Atomkraftwerke seien nicht sicher. Man habe befürchtet, dass eine Erhöhung der Sicherheitsmassnahmen gegen schwere Unfälle eine Anti-Atom-Stimmung in der Bevölkerung bewirkt hätte, berichtete die Sonderkommission unter der Leitung von Konzern-Chef Naomi Hirose.

Der Kraftwerksbetreiber hätte demnach die Folgen des verheerenden Tsunamis mildern können, indem er internationalen Standards und Empfehlungen mehr Beachtung geschenkt und Mitarbeiter in Krisenmanagement geschult hätte.

Tepco-Vertreter hatten seit dem Unglück im März 2011 bislang beteuert, dass der Konzern auf Krisensituationen vorbereitet gewesen sei. In Fukushima war es nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe zu mehreren Kernschmelzen und Explosionen gekommen.

«Von Menschen verursachte Katastrophe»

Ein von der Regierung eingesetzter Untersuchungsausschuss hatte das Unglück Anfang Juli als vermeidbar und deshalb als «von Menschen verursachte Katastrophe» bezeichnet. Das Atomkraftwerk sei damals «verwundbar» gewesen. Die Atomkraftwerksbetreiber und die Regierung hätten die tatsächlichen Gefahren nicht wahrgenommen, weil sie dem «Mythos der atomaren Sicherheit» geglaubt hätten. Das Erdbeben und der nachfolgende Tsunami vom 11. März 2011 führten in Fukushima zur Kernschmelze, grosse Gebiete wurden radioaktiv verseucht.

Tepco hatte den beinahe 15 Meter hohen Tsunami, der nach einem Erdbeben der Stärke 9 über das Kraftwerk hereinbrach, in den vergangenen Monaten immer wieder als «unvorhersehbar» bezeichnet. Inzwischen beschloss die Regierung in Tokio, bis zum Jahr 2040 aus der Atomkraft auszusteigen.

AFP/dapd

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