Naoto Kan gibt auf

Der erst seit gut einem Jahr amtierende japanische Ministerpräsident Naoto Kan erklärte am Freitagmorgen seinen Rücktritt. Seine Umfragewerte waren in den Keller gerutscht.

Tsunami und Fukushima haben sein Ende beschleunigt: Naoto Kan. (Video: Reuters)

Angesichts niederschmetternder Umfragewerte für die Arbeit seiner Regierung hat der japanische Ministerpräsident Naoto Kan das Handtuch geworfen und seinen Rücktritt als Führer der regierenden Demokratischen Partei erklärt. Kan, wegen des Krisenmanagements bei Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe in der Kritik, verteidigte sich am Freitag in einer Fernsehansprache: «Unter den schwierigen Umständen habe ich alles getan, was ich tun musste.»

Sein Rücktritt vom Vorsitz der Demokratischen Partei bedeutet zugleich die Aufgabe des Ministerpräsidentenamtes, weil in Japan der Führer der stärksten Partei in der Regel zugleich Regierungschef ist. Der neue Parteivorsitzende soll am Montag gewählt, die neue Regierung am Dienstag vorgestellt werden. Die Bewerber um das Spitzenamt werden sich am (morgigen) Samstag präsentieren, am Sonntag will die Partei über die Kandidaten diskutieren. Als Favoriten gelten der frühere Aussenminister Seiji Maehara, Finanzminister Yoshiko Noda und Handelsminister Banri Kaieda.

Kan hatte bereits im Juni seinen Rücktritt in Aussicht gestellt, wenn drei wichtige Gesetzesvorhaben vom Parlament verabschiedet sind. Die beiden letzten wurden am Freitag gebilligt.

Sechs Ministerpräsidenten seit 2006

Das seit Jahren mit einer Wirtschaftskrise ringende Japan hat seit 2006 sechs Ministerpräsidenten gehabt. Mit 15 Monaten hielt sich Kan etwas länger als seine Vorgänger im Amt, die es im Schnitt auf eine einjährige Regierungszeit brachten.

Mehr als fünf Monate nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan waren Kans Umfragewerte auf den niedrigsten Stand seit dessen Amtsantritt im vergangenen Jahr gesunken. Insbesondere die Informationspolitik bei der Reaktorkatastrophe in Japan, wegen der 100.000 Menschen ihre Häuser verlassen mussten, brachten Kan und seine Regierung in die Kritik. Auf den Ansehensverlust ging er in seiner Abschiedsrede ein: «Ich möchte jetzt, dass Sie jemand mit Ansehen für das Ministerpräsidentenwahl auswählen», sagte er.

sam/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt