Mit einem Flugzeugträger und Kriegsschiffen ins Manöver

Mit einem gross angelegten Militärmanöver geben die USA und Südkorea eine Antwort zum nordkoreanischen Angriff vom Dienstag. Derweil hat China einen ersten Vorschlag zur Entspannung der Situation unterbreitet.

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Fünf Tage nach dem nordkoreanischen Artillerieangriff auf eine südkoreanische Insel haben sich die Spannungen in der Region weiter verschärft. Ungeachtet aller Warnungen aus Pyongyang begannen Südkorea und die USA am Sonntag ein grossangelegtes Marinemanöver im Gelben Meer. An der viertägigen gemeinsamen Marineübung nehmen unter anderem der atombetriebene US-Flugzeugträger «USS George Washington» sowie zahlreiche weitere modernste Kriegsschiffe und Flugzeuge teil. Die US-Regierung machte deutlich, dass die Übung der Abschreckung dienen solle.

Nordkorea bezeichnete das Manöver als «Provokation» und drohte mit Vergeltung, sollten nordkoreanische Hoheitsgewässer verletzt werden. Pyongyang erkennt die von den Vereinten Nationen nach dem Korea-Krieg (1950-1953) gezogene Seegrenze nicht an. Nach Informationen der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap brachte Nordkorea nahe der umstrittenen Seegrenze Boden-Luft-Raketen gegen Kampfflugzeuge in Stellung.

Wenige Stunden nach Beginn des Manövers waren aus Nordkorea zudem erneut Detonationen zu hören, die wie Artilleriefeuer klangen. Die Bewohner der südkoreanischen Insel Yeonpyeong suchten Schutz in Bunkern, alle Journalisten wurden zum Verlassen der Insel aufgefordert.

China schlägt Treffen vor

Angesichts der drohenden Eskalation regte China ein Treffen der sechs Staaten in Peking an, die bis vergangenes Jahr über Nordkoreas Atomprogramm verhandelten. Bei den Gesprächen solle es jedoch allein um die besorgniserregende aktuelle Lage gehen, nicht um den Atomstreit. Erste Reaktionen auf den Vorschlag fielen verhalten aus. Das Aussenministerium in Seoul teilte mit, der Vorschlag müsse «sehr vorsichtig» geprüft werden. Eine Serie von Provokationen durch Nordkorea habe sich negativ auf die Bemühungen ausgewirkt, die richtigen Bedingungen für Gespräche zu schaffen. Nordkorea müsse konkrete Schritte zum Abbau seines Atomprogramms unternehmen, hiess es in einer Erklärung.

Die Gespräche zwischen den beiden koreanischen Staaten, Russland, China, Japan und den USA waren vor sieben Jahren ins Leben gerufen worden, um Nordkorea zum Verzicht auf sein Atomprogramm zu bewegen. Im April 2009 liess Pyongyang sie jedoch endgültig platzen. Bei einem Treffen mit Südkoreas Präsidenten Lee Myung Bak bot der aussenpolitische Berater der Volksrepublik, Dai Bingguo, zudem die Vermittlung seines Landes an. Als kaum verhüllte Kritik forderte Lee daraufhin eine «fairere und verantwortungsvollere Haltung» Chinas in dem Konflikt.

Der einzige ernstzunehmende Verbündete des stalinistischen Regimes in Pyongyang umging bislang eine klare Verurteilung Nordkoreas, stattdessen warnte er beide Seiten vor Eskalationen. Peking fühlt sich durch das Manöver im Gelben Meer ebenfalls bedroht, trotz aller gegenteiligen Versicherungen Washingtons.

Nordkorea bedauert Tod der Zivilisten

Am Dienstag hatte Nordkorea Yeonpyeong überraschend mit Granaten beschossen, zwei Soldaten und zwei Zivilisten wurden dabei getötet. Südkoreas Marinechef Yoo Nak Joon sagte am Samstag, Nordkorea werde «hundert- und tausendfach» für die Aggression bezahlen.

Pyongyang bedauerte am Samstag den Tod der Zivilisten, beschuldigte aber seinen Nachbarn, diese zu Propagandazwecken als «menschliche Schutzschilde» missbraucht zu haben. Südkorea war auf den Angriff nicht vorbereitet. Die späte Reaktion seines Militärs stürzte die Regierung in eine Krise, der Verteidigungsminister musste zurücktreten.

jak/AFP

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