Kims Küche steckt in der Krise

Kim Jong-uns Restaurantkette im Ausland hat massive Probleme. Kaum ein Gast lässt sich blicken – und die ­Belegschaft läuft den Aufpassern davon. Boykottaufrufe durch Südkoreas Regierung erschweren das Geschäft zusätzlich.

Essen auf Nordkoreanisch: Auch in diesem Restaurant in Peking bleiben viele Plätze leer.

Essen auf Nordkoreanisch: Auch in diesem Restaurant in Peking bleiben viele Plätze leer. Bild: Keystone

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Eine Reise in das abgeschottete Reich von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un ist normalerweise nur mit langwieriger Vorbereitung möglich. In Asiens Metropolen gibt es jedoch eine unkomplizierte Alternative: Die Restaurantkette Pyongyang fungiert als Aussenstelle des kommunistischen Regimes.

In einer Filiale in Thailands Hauptstadt Bangkok empfängt eine blinkende Leuchtschrift die Besucher. «Welcome» steht neben dem ­Eingang der kulinarischen Repräsentanz von Nordkorea – einem Land, das Touristen normalerweise nur unter Aufsicht zum Besuch empfängt.

Fotos sind verboten

Eine junge Frau öffnet die Tür. Aus einem Lautsprecher kommt Synthesizermusik in Dauerschleife. Ein Schild im hell ­erleuchteten Gastraum macht von Beginn an deutlich, dass es sich nicht um ein gewöhnliches Lokal handelt: Fotos und Videos sind verboten. Was hinter der Vorschrift steckt, will die Kellnerin nicht verraten.

Bilder des Restaurants wären für die Welt ein unmissverständliches Indiz dafür, wie sehr Nordkoreas Auslandgeschäfte in der Krise stecken. Rund 45 Plätze finden sich im Erdgeschoss des Restaurants. Aber Kims Köche haben kaum etwas zu tun. Nicht nur in Bangkok scheinen die Geschäfte schlecht zu laufen.

Die Pyong­yang-Kette, die als Devisenbeschaffer für das isolierte Regime in den vergangenen Jahren auf über 100 Filialen in Ländern wie China, Kambodscha, Thailand und Indonesien expandierte, befindet sich offensichtlich an vielen Standorten in Schwierigkeiten. Allein in den vergangenen Wochen mussten nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes 20 von ihnen schliessen.

Die Pyongyang-Kette hat zwei Ableger in Thailand. Einer von ihnen hat seit Monaten nicht mehr geöffnet. Ein Schild am Eingang verweist auf Renovierungsarbeiten. Von Handwerkern ist jedoch nichts zu sehen. Das zweite Restaurant im Stadtteil Ekkamai ist noch geöffnet.

Die abendliche Tanzeinlage, für welche die Restaurantkette in den vergangenen Jahren bekannt war, fällt wegen des Besuchermangels jedoch aus. Wann die Show fortgesetzt werde? Die Kellnerin zuckt mit den Schultern.

In Städten wie Jakarta und Peking ist das Bild gemäss Berichten mehrerer Medien ähnlich: An Nordkoreas Spezialitäten gibt es nur noch verhaltenes Interesse. Ein Grund dafür sind die seit ­Beginn des Jahres verschärften Spannungen zwischen dem Westen und dem Regime in Pyong­yang. Nach den Nukleartests zu Beginn des Jahres forderte Südkoreas Regierung ihre Bürger zum Boykott der Restaurants aus dem Norden auf.

Coca-Cola-Kühlschrank

Auf der Speisekarte in Bangkok stehen Schweinefleisch mit Kimchi, gefüllte Teigtaschen, Tintenfisch, Tatar und koreanischer ­Soju. An den kahlen Wänden hängen vereinzelt nordkoreanische Landschaftsbilder.

In einer Ecke ist ein Gerät angebracht, das wie eine Kamera aussieht, die den Gastraum überwacht. Die Kalt­getränke holt die Kellnerin aus einem Coca-Cola-Kühlschrank – es wirkt beinahe wie eine Versöhnungsgeste gegenüber dem kapitalistischen Westen.

Annäherung ist jedoch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die in diesem Jahr ausgebauten Sanktionen gegen Nordkorea machen sich auch im Restaurantalltag bemerkbar. Sie erschweren die grenzüberschreitenden Transaktionen des Gastronomiebetriebs. Auch die aus Nordkorea entsandte Belegschaft bereitet dem Regime verstärkt Probleme.

In diesem Jahr entkamen mehr als ein Dutzend Angestellte ihren Aufpassern und liefen nach Südkorea über. Die Stimmung ist auch in der Bangkoker Filiale angespannt. Selbst ein Foto von der Hinweistafel des Restaurants von einem öffentlichen Gehweg aus wollen die Mitarbeiter ver­hindern. «No, no», ruft eine Kellnerin. (Berner Zeitung)

Erstellt: 18.06.2016, 22:18 Uhr

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