Japan fährt wieder Atomreaktoren hoch

Die Atomstrom-Gegner jubelten, als vor wenigen Wochen das letzte AKW Japans vom Netz genommen wurde. Die Euphorie ist verflogen: Die Regierung hat beschlossen, wieder Reaktoren einzuschalten.

Enttäuschung für die Atomgegner: Demonstranten protestieren in Tokio gegen den Neustart der Reaktoren in Oi. (16. Juni 2012)

Enttäuschung für die Atomgegner: Demonstranten protestieren in Tokio gegen den Neustart der Reaktoren in Oi. (16. Juni 2012)

(Bild: Keystone)

Nach der Abschaltung aller Atomkraftwerke des Landes fährt Japan erstmals wieder zwei Reaktoren hoch. Die Regierung in Tokio billigte heute Samstag die Inbetriebnahme der beiden Atomreaktoren in der westjapanischen Stadt Ohi.

Wegen der Atomkatastrophe von Fukushima im vergangenen Jahr waren schrittweise alle 50 Reaktoren des Landes vom Netz genommen worden. Die Entscheidung zu einem Neustart der Reaktoren, der in einigen Wochen vollzogen sein soll, könnte auch die Wiederaufnahme des Betriebs in anderen Kernkraftwerken beschleunigen.

Regierung fürchtet Energieengpässe

Die japanische Bevölkerung steht nach Fukushima einer Rückkehr zur Atomkraft zunehmend kritisch gegenüber, wie jüngste Umfragen gezeigt haben. Vor dem Büro von Ministerpräsident Yoshihiko Noda protestierten am Samstag Atomkraftgegner gegen die Entscheidung der Regierung. Diese will möglichst rasch wieder Reaktoren aktivieren, um zu verhindern, dass es in den Sommermonaten zu Energieengpässen kommt. Die Atomkraftwerke waren nach der Fukushima-Katastrophe alle wegen Wartungsarbeiten beziehungsweise Sicherheitsprüfungen vom Netz genommen worden. Die Reaktoren in Ohi haben der Regierung zufolge diese Tests bestanden.

«Die Sicherheit ist unser grösstes Anliegen», sagte Handels- und Industrieminister Yukio Edano am Samstag. «Wir haben dem Beginn einer Wiederinbetriebnahme zugestimmt.» Es werde noch einige Zeit dauern, bis die Reaktoren Elektrizität erzeugten, erklärte Edano. Die Bevölkerung rief er daher auf, Strom zu sparen. Im Falle von Sicherheitsproblemen könne der Prozess verzögert werden.

Ministerpräsident Noda verkündete die Zustimmung der Regierung erst, nachdem sowohl der Bürgermeister von Ohi, als auch der örtliche Gouverneur sich öffentlich dafür ausgesprochen hatten.

In drei Wochen ist der Reaktor am Netz

Die Region um Ohi war vor Fukushima besonders stark auf Atomenergie angewiesen gewesen. Der Kraftwerksbetreiber Kansai Electric Power (Kepco) erklärte, dass die Inbetriebnahme der beiden Reaktoren nötig sei, um eine Energieknappheit in der zweitgrössten japanischen Stadt Osaka und anderen Regionen im Westen Japans zu verhindern. Der Energiebedarf wird nach Angaben von Kepco Ende Juli oder Anfang August seinen Höhepunkt erreichen. Deshalb müsse sofort mit den Arbeiten zum Neustart der Reaktoren begonnen werden. Bis der erste Reaktor wieder am Netz ist, dürfte es demnach drei Wochen dauern.

Bei dem schweren Erdbeben und dem Tsunami am 11. März 2011 war das Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi verwüstet worden. Explosionen, Kernschmelzen und das Austreten von radioaktivem Material waren die Folge. Zehntausende Anwohner mussten ihre Häuser in der Evakuierungszone rund um das Kraftwerk verlassen, der Zutritt ist wegen der Gefahr radioaktiver Strahlung weiterhin verboten.

fko/dapd

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