Irans Ex-Präsident Rafsanjani gestorben

Der ehemalige iranische Präsident Akbar Haschemi Rafsanjani ist am Sonntag im Alter von 82 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben.

Starb im Alter von 82: Akbar Haschemi Rafsanjani, hier in Teheran 1996.

Starb im Alter von 82: Akbar Haschemi Rafsanjani, hier in Teheran 1996. Bild: Archivbild/Keystone

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Der ehemalige iranische Präsident Akbar Haschemi Rafsanjani ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren. Er war am Sonntagvormittag wegen Herzrhythmusstörungen in ein Spital in Teheran eingewiesen worden, wo er Stunden später verstarb.

Der Kleriker war einer der Architekten der islamischen Revolution von 1979. Rafsanjani galt als moderater Politiker und als Mentor des derzeitigen Präsidenten Hassan Rohani.

Bis zuletzt blieb das politische Stehaufmännchen Rafsanjani eine der einflussreichen Persönlichkeiten im Iran. Deshalb traf etwa Johann Schneider-Ammann im Februar 2016 als Bundespräsident während seines Staatsbesuchs im Iran auch mit Rafsanjani zusammen.

Präsident und Präsidentenmacher

Er wurde am 25. August 1934 in eine reiche Familie geboren und studierte Theologie in Choms, bevor er 1963 in die Politik eintrat. Während der Schah-Zeit war er mehrmals inhaftiert gewesen. Rafsanjani war ein enger Vertrauter des religiösen Führers Ayatollah Khomeini, dem Gründer der islamischen Republik 1979.

In Interviews betonte der Schiit immer wieder, dass er versucht habe, Khomeini von einer Normalisierung der Beziehungen zu den USA zu überzeugen. Dieser prägte jedoch im Gegenteil den Begriff vom «grossen Satan», wie er die Vereinigten Staaten zu nennen pflegte.

Rafsanjani arbeitete sich hoch zum Parlamentspräsidenten. Dieses Amt hatte er von 1980 bis 1989 inne. Dann wurde er zum Präsidenten gewählt. Das Amt bekleidete er während zwei Amtsperioden bis 1997.

Rafsandschanis Amtszeit als Präsident war einerseits geprägt von der Öffnung des Landes nach aussen, andererseits von zahlreichen Menschenrechtsverletzungen, steigender Inflation und Verschuldung. Rafsanjani selber war aber einer der reichsten Männer im Land. Er hatte Freunde, aber ebenso viele Feinde.

Rafsanjani trat 2005 erneut an

Nach seiner Präsidentschaft wurde er zum Präsidentenmacher im Iran, machte den Reformer Mohammad Chatami 1997 zu seinem Nachfolger. Mit seiner Unterstützung für Chatami und den Reformkurs im Land brachte er die Hardliner und den erzkonservativen Klerus immer mehr gegen sich auf.

2005 trat er erneut zur Präsidentschaftswahl an, musste sich aber gegen den damals eher unbekannten Mahmoud Ahmadinejad geschlagen geben. Danach grenzte er sich mehr vom erzkonservativen Klerus ab und nahm den Kampf gegen die Hardliner auf. Diese brandmarkten ihn als Dissidenten. Er durfte nicht einmal mehr das Freitagsgebet in Teheran leiten.

Chef-Schlichter

Geschlagen gab sich Rafsanjani nicht: Erneut wurde er 2013 zum Präsidentenmacher für seinen Schützling Rohani, der mit dem Westen ein Atomabkommen aushandelte und auf diese Weise die Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran erreichte, unter denen das Land lange gelitten hatte.

Zuletzt stand Rafsanjani an der Spitze des Schlichtungsrates. Dieses Gremium soll bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Parlament und dem Wächterrat vermitteln. Letzterer überwacht die Konformität aller Gesetze und Regierungsbeschlüsse mit dem Islam. (pat/sda)

Erstellt: 08.01.2017, 17:41 Uhr

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