In Fukushima droht eine neue Kernschmelze

Die Einsatzkräfte haben im japanischen Reaktor Borsäure eingeleitet, um eine Kettenreaktion zu unterbinden. Betreiber Tepco versucht, den jüngsten Vorfall herunterzuspielen.

Beunruhigende Botschaft aus Reaktor 2: In der Anlage wurde radioaktives Xenon entdeckt.

Beunruhigende Botschaft aus Reaktor 2: In der Anlage wurde radioaktives Xenon entdeckt.

(Bild: Keystone)

Neue Hiobsbotschaft aus Fukushima: In Reaktor 2 des japanischen AKW gebe es Anzeichen von erneuter Kernspaltung, teilt Tepco, der Betreiber der Atomruine, mit. Man habe damit begonnen, Borsäure einzuleiten, um eine mögliche Kettenreaktion unter Kontrolle zu haben.

In der Anlage sei radioaktives Xenon entdeckt worden, was auf einen Fehler in einem der Reaktor hindeuten könnte, zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo einen Konzernvertreter. Weder die Temperatur, noch der Druck oder die radioaktive Konzentration im Reaktor hätten sich verändert.

Tepco: Alles unter Kontrolle

Tepco versuchte den Vorfall herunterzuspielen: Es handle sich um keine besonders kritische Situation. Eine mögliche Kernspaltung werde auch nicht die Planung zur Stabilisierung des Reaktors beeinträchtigen.

Auch ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde sagte, man gehe nicht davon, dass es sich um ein grösseres Problem handle. Die Behörde glaubt nicht, dass dabei genug Energie freigesetzt wurde, um die Temperatur und den Druck im Reaktor ansteigen zu lassen.

Borsäure als Gegenmittel

Experten gehen davon aus, dass es im März in dem Reaktor wie auch in den beiden Nachbarreaktoren 1 und 3 zu Kernschmelzen gekommen war, als das Kühlsystem in Folge des schweren Erdbebens und Tsunami ausgefallen war. Dabei wurden die Reaktoren stark beschädigt.

Nach Angaben von Tepco war es in den vergangenen Monaten durch fortwährende Kühlung gelungen, die Temperatur im Reaktor 2 auf unter hundert Grad zu senken - eine der Bedingungen für die angestrebte kalte Abschaltung, bei der die Temperaturen allmählich sinken, ohne dass atomare Reaktionen stattfinden.

Als «Gegenmittel»

Die Sorge über eine mögliche unkontrollierte Kernspaltung war durch das vermutete Auftreten der Gase Xenon 133 und Xenon 135 entstanden, Nebenprodukten einer atomaren Reaktion. Beide Substanzen haben eine kurze Halbwertzeit, so das eine mögliche Kernspaltung kürzlich erfolgt sein müsste.

Kernspaltung erfolgt normalerweise in kontrollierter Form in Atomreaktoren zur Energiegewinnung. Gerät ein Reaktor ausser Kontrolle, ist die Kernspaltung nicht mehr steuerbar. Als «Gegenmittel» kann mit Borsäure versetztes Wasser verwendet werden.

Wieder am Netz

Die Vorgänge in der Atomruine Fukushima Eins erfolgen just zu einem Zeitpunkt, da Japan erstmals seit Beginn der Atomkatastrophe wieder einen heruntergefahrenen Reaktor im Land in Betrieb nimmt.

Der Betreiberkonzern Kyushu Electric auf der südlichen Hauptinsel Kyushu teilte mit, dass der Reaktor Genkai Nummer 4 seit Mittwochnachmittag (Ortszeit) wieder Strom produziert. Der Reaktor war Anfang Oktober nach einer Panne automatisch heruntergefahren worden.

In Fukushima hatte sich am 11. März infolge der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe das schwerste Atomunglück seit Tschernobyl 1986 ereignet. Zehntausende Menschen in der Umgebung mussten evakuiert werden. Immer noch besteht um das Kraftwerk eine 20-Kilometer-Sperrzone.

miw/sda

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