Fukushima wird erst in zehn Jahren stillgelegt

Nach der Atomkatastrophe bereitet Japan das AKW Fukushima auf die Stilllegung vor. Laut der Regierung sollen die geschmolzenen Brennstäbe aber erst im Jahr 2021 aus den Reaktoren entnommen werden können.

Die geschmolzenen Brennstäbe können erst im Jahr 2021 aus den Reaktoren entfernt werden: Das Kernkraftwerk Fukushima in Japan am 29. Juni 2011.

Die geschmolzenen Brennstäbe können erst im Jahr 2021 aus den Reaktoren entfernt werden: Das Kernkraftwerk Fukushima in Japan am 29. Juni 2011.

(Bild: Reuters)

Die Vorbereitungen zur Stilllegung des japanischen Atomkraftwerks Fukushima laufen nach Regierungsangaben wie geplant. Die erste Etappe zur Stabilisierung der beschädigten Reaktoren sei mit der Inbetriebnahme eines provisorischen Kühlsystems fast fristgerecht abgeschlossen worden, sagte Regierungschef Naoto Kan heute. Aus Sorge vor einer nuklearen Verseuchung wurde derweil die Auslieferung allen Rindfleischs aus Fukushima gestoppt.

«Wir sind dabei, die zweite Etappe zu beginnen», sagte Kan vor dem Parlament. Der wegen seines Krisenmanagements umstrittene Regierungschef versicherte den Abgeordneten, sie bewegten sich auf das Ende der Krise zu. Die Betreiberfirma Tepco des bei dem schweren Erdbeben und dem anschliessenden Tsunami am 11. März stark beschädigten Kraftwerks hat in den vergangenen Wochen ein provisorisches Kühlsystem eingerichtet, das es bis Januar erlauben soll, die Temperatur in den drei am stärksten beschädigten Reaktoren auf unter hundert Grad zu senken.

Beginn in zehn Jahren

Tepco ist es insbesondere gelungen, eine Anlage zur Dekontaminierung des nuklear verseuchten Kühlwassers einzurichten. Dies erlaubt es, das Wasser soweit zu reinigen, dass es wieder zur Kühlung eingesetzt werden kann. Medienberichten zufolge gehen Tepco und die Regierung aber davon aus, dass sie erst 2021 mit der Entnahme der in drei Reaktoren geschmolzenen Brennstäbe beginnen können. Wirtschaftsminister Banri Kaieda sagte, der Unfall sei noch nicht zu Ende, aber die Bemühungen zur Stabilisierung gingen voran.

Die Regierung wies unterdessen den Gouverneur der Präfektur Fukushima an, die Lieferung von Rindfleisch an Fleischfabriken zu stoppen, bis die Sicherheit des Fleisches bestätigt werden könne, wie Regierungssprecher Yukio Edano sagte. Rund 650 Rinder sollen landesweit seit dem Atomunfall im März radioaktiv verseuchtes Heu aus Fukushima gefressen haben, mehr als 500 Rinder davon stammen aus der Präfektur selbst. Fleisch dieser Rinder soll an alle 47 Präfekturen des Landes ausgeliefert und teilweise bereits verzehrt worden sein. «Ich fühle die Verantwortung, dies nicht verhindert zu haben, und es tut mir sehr leid», sagte Regierungschef Kan am Dienstag vor dem Parlament.

Schwerster Reaktorunfall seit Tschernobyl

Am 11. März hatten ein Erdbeben der Stärke 9,0 und eine nachfolgende Flutwelle im Nordosten Japans verheerende Schäden angerichtet. Die Naturkatastrophe beschädigte wichtige Teile des Kraftwerks, in mehreren Reaktoren kam es daraufhin zur Kernschmelze. Das Unglück gilt als der schwerste Reaktorunfall seit der Katastrophe von Tschernobyl vor 25 Jahren. Zehntausende Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden, weite Teile der Gegend um das Kraftwerk wurden radioaktiv verseucht. Auch in einer Reihe von Nahrungsmitteln wurden seitdem erhöhte Radioaktivitätswerte gemessen.

wid/AFP

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt