Eine Schweigeminute für die Opfer des Tsunamis

Genau ein halbes Jahr nach dem verheerenden Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami haben die Japaner der über 20'000 Opfer gedacht. Die Katastrophe ist noch lange nicht überwunden.

Spuren der Katastrophe: Ein Mann betet in Kesennuma, Präfektur Miyagi, für die Opfer.

Spuren der Katastrophe: Ein Mann betet in Kesennuma, Präfektur Miyagi, für die Opfer.

Genau sechs Monate nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami in Japan haben die Menschen dort in zahlreichen Zeremonien der Opfer gedacht. An der besonders betroffenen Nordostküste des Landes kamen am Sonntag Familienangehörige und Gemeindemitglieder zu Gebeten zusammen und erinnerten an die Toten und Vermissten. Um Punkt 14.46 Uhr (Ortszeit) legten die Menschen eine Schweigeminute ein. Mütter hingen in Gedenken an ihre toten Kinder farbenprächtige Papierkraniche auf, Mönche sangen.

Ein Erdbeben der Stärke 9,0 hatte am 11. März die Nordostküste Japans erschüttert. Der durch den Erdstoss verursachte Tsunami löschte ganze Städte aus und löste am Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi das schlimmste Atomunglück seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 aus. Rund 20'000 Menschen kamen durch die Naturkatastrophe ums Leben oder gelten als vermisst. Mehr als 800.000 Häuser wurden vollständig oder teilweise zerstört. Nach Schätzungen des japanischen Roten Kreuzes verloren 400.000 Menschen ihr Zuhause.

Kritik an der Regierung wächst

Ein halbes Jahr nach der Naturkatastrophe sind die Trümmer weitgehend geräumt oder zumindest sortiert. Die meisten Obdachlosen und Evakuierten konnten aus Notunterkünften wie Sporthallen in Übergangswohnungen umziehen. Bei vielen Betroffenen wächst aber die Kritik an der Regierung, deren Vorgehen sie als zu langsam und ziellos bezeichnen. Der ehemalige Ministerpräsident Naoto Kan musste seinen Posten räumen. Sein Nachfolger Yoshihiko Noda, der sein Amt Anfang September antrat, ist bereits der sechste japanische Ministerpräsident in fünf Jahren.

Noda besuchte am Samstag die im Nordosten des Landes gelegenen Präfekturen Miyage und Iwate. Er versprach, die Wiederaufbauarbeiten zu beschleunigen. Mit seinem Besuch versuchte der Ministerpräsident auch, das Vertrauen seiner Landsleute in die neue Regierung zu stärken. Sein Besuch wurde jedoch von dem Rücktritt seines Handels- und Wirtschaftsministers Yoshio Hachiro nach nur acht Tagen im Amt überschattet. Der Minister war in die Kritik geraten, nachdem er die Gegend um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi als eine «Stadt der Toten» bezeichnet hatte.

sda

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