Die rosa Welt der Arbeiter von Fukushima

Neue Bilder zeigen, wo sich die Tepco-Angestellten ausruhen. Derweil musste ein Arbeiter in bewusstlosem Zustand aus der Atomruine geflogen werden. Und nun bereitet auch der Grüntee Sorgen.

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Der AKW-Betreiber Tepco veröffentlichte Bilder, welche die Ruheräume und Unterkünfte der Arbeiter der havarierten Anlage von Fukushima zeigen. Demnach stehen den Mitarbeitern provisorisch abgedichtete Räume im Verwaltungsgebäude zur Verfügung, in welche sie sich auf Matten ausruhen können.

Aus der Atomruine musste einer der Arbeiter in bewusstlosem Zustand mit einem Helikopter in ein Spital geflogen werden. Der zwischen 40 und 50 Jahre alte Mann hatte am Vortag chemische Bindemittel versprüht, die eine Ausbreitung der radioaktiven Partikel verhindern sollen. Er sei bewusstlos in einer Unterkunft gefunden worden, berichtete die Agentur Jiji Press unter Berufung auf die Betreibergesellschaft Tepco. Er habe auch Fieber gehabt.

Dekontamination des Wassers

Tepco begann im AKW Fukushima damit, eine neue Anlage zur Dekontaminierung der gewaltigen Wassermassen zur Kühlung der Reaktoren eine Woche lang zu testen.

Sollte der Test erfolgreich sein, möchte Tepco damit bis März nächsten Jahres täglich 1200 Tonnen Wasser von radioaktiven Materialien zu befreien. Die Reparaturtrupps des AKW setzen seit Monaten Millionen Liter Wasser ein, um die beschädigten Reaktoren zu kühlen.

Überschreitung der Strahlenbelastung

Die japanische Atomaufsicht hat den Kernkraftwerksbetreiber wegen einer massiven Überschreitung der zulässigen Strahlenbelastung von zwei Mitarbeitern in der havarierten Anlage Fukushima gerügt. Tepco habe nun zu ermitteln, warum die beiden im Kontrollraum eingesetzten Mitarbeiter mehr als doppelt so viel Strahlung ausgesetzt waren, wie von der Regierung zugelassen.

Dass die Mitarbeiter mehr Strahlung als erlaubt aufgenommen haben, war bereits vergangene Woche festgestellt worden. Heute wurde das Untersuchungsergebnis mitgeteilt, wonach der Grenzwert um mehr als das Doppelte überschritten wurde. Die Regierung hatte angesichts der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima die zulässige Strahlungshöchstgrenze von 100 Millisievert auf 250 Millisievert angehoben, damit die Arbeiter die Lage in dem Kraftwerk unter Kontrolle bringen konnten.

Ein dritter Mitarbeiter wird wegen erster Anzeichen für eine hohe Strahlenbelastung untersucht, hiess es weiter. Unterdessen sei in der Evakuierungszone um das Atomkraftwerk in mehreren Regionen ein Anstieg der Strahlenbelastung registriert worden, der über den Erwartungen liege.

Grüntee verstrahlt

Drei Monate nach Beginn der Atomkatastrophe nimmt die radioaktive Verstrahlung in Japan immer grössere Ausmasse an. Nun wurde auch in grünem Tee in Japans grösster Teeanbau-Provinz Shizuoka erhöhte radioaktive Strahlung gemessen.

Wie die Behörden in Shizuoka bekannt gaben, wurden in getrockneten Teeblättern aus dem Anbaugebiet Warashina in der Provinz Shizuoka 679 Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Kilogramm festgestellt. Das Gebiet liegt 370 Kilometer südwestlich von der Atomruine Fukushima. Der offiziell erlaubte Grenzwert liegt bei 500 Becquerel.

Die Regierung hatte kürzlich entschieden, Auslieferungen von grünem Tee aus einigen Anbaugebieten in den näher an Fukushima gelegenen Provinzen Ibaraki und Chiba sowie Kanagawa und Tochigi zu stoppen. Anlass waren Messwerte in Proben von über 500 Becquerel. Japan hat im vergangenen Jahr 83'000 Tonnen an getrockneten Teeblättern produziert, 40 Prozent davon in Shizuoka.

Seit dem schweren Erdbeben und dem Tsunami vom 11. März im Nordosten Japans tritt aus dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima 1 Radioaktivität aus. Es wird noch Monate dauern, bis die Reaktoren unter Kontrolle sind.

Auch Bewohner in der 250 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio sorgen sich zunehmend vor Verstrahlung. Die Stadtverwaltung beschloss, ab Mitte dieses Monats an 100 Stellen der Stadt zu messen. Einzelne Stadtteile haben bereits mit eigenen Strahlenmessungen begonnen.

Konferenz in Wien

Wegen der Reaktorkatastrophe in Japan ist vom 20. bis zum 24. Juni in Wien eine Ministerkonferenz bei der Atomenergiebehörde der UNO (IAEA) anberaumt. An der Konferenz wird auch eine Schweizer Delegation teilnehmen, wie das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) am Freitag mitteilte.

Ziel der Konferenz sei, erste Lehren aus dem Reaktorunfall zu ziehen, schrieb das Uvek. Die Delegation steht unter der Leitung von Walter Steinmann, Direktor des Bundesamts für Energie (BFE).

kpn/sda

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