Der Katastrophenminister

Eine Woche nach seinem Amtsantritt ist der japanische Wiederaufbauminister Ryu Matsumoto zurückgetreten. Zuvor fiel er durch sein arrogantes Auftreten im Krisengebiet auf.

Politiker in der Kritik: Ryu Matsumoto nach seinem Rücktritt.

Politiker in der Kritik: Ryu Matsumoto nach seinem Rücktritt.

(Bild: Keystone)

Nach einer Unterredung mit Regierungschef Naoto Kan sagte Matsumoto, er habe beschlossen sein Amt niederzulegen. Für Kan, dessen Rückhalt in der Bevölkerung wegen der Atomkrise weiter schwindet, ist der Rücktritt ein neuer Schlag.

Der 60-jährige Wiederaufbauminister stand massiv in der Kritik, nachdem er sich am Wochenende gegenüber den Gouverneuren zweier verwüsteter Regionen im Nordosten in einer als arrogant und verletzend empfundenen Art verhalten hatte. Den Gouverneur der Präfektur Miyagi, Yoshihiro Murai, hatte Matsumoto für dessen Zuspätkommen zu einem Treffen abgekanzelt. Für Ärger sorgte zudem seine Äusserung gegenüber dem Gouverneur der Provinz Iwate, Takuya Tasso, wonach die Regierung ausschliesslich den Erdbebenregionen helfen wolle, die «Ideen» hätten - den anderen nicht.

«Meine Worte waren brutal und haben die Gefühle der von der Katastrophe betroffenen Menschen verletzt», sagte Matsumoto mit tränenerstickter Stimme auf einer Pressekonferenz. Kan hatte Matsumoto erst am Montag vergangener Woche zum Chef des neu geschaffenen Wiederaufbauministeriums berufen. Als bisheriger Umwelt- und Katastrophenschutzminister war er bis dahin bereits mit den Aufräumarbeiten im schwer zerstörten Nordosten des Landes befasst.

Naoto Kan in der Kritik

Seit Kans Amtsantritt im Juni 2010 ist Matsumoto bereits der vierte Minister, der im Zusammenhang mit Affären oder Entgleisungen zurücktritt. Kans Krisenmanagement ist mittlerweile dermassen umstritten, dass der Ruf nach seinem sofortigen Rücktritt immer lauter wird.

Der Regierungschef nennt als Bedingung für den von ihm in Aussicht gestellten Rücktritt, dass das Parlament zuvor Gesetze zur Finanzierung des Wiederaufbaus und zu erneuerbaren Energien verabschieden müsse. Die derzeitige Parlamentsperiode wurde ausnahmsweise bis Ende August verlängert, und Beobachter rechnen mit einem Rücktritt Kans zu diesem Zeitpunkt.

Am 11. März hatten ein Beben der Stärke 9,0 und eine nachfolgende Tsunamiwelle im Nordosten Japans verheerende Schäden angerichtet. Mehr als 23.000 Menschen starben oder gelten als vermisst. Im Atomkraftwerk Fukushima wurde zudem die grösste Atomkatastrophe seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl vor 25 Jahren ausgelöst.

jak/dapd

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt