«Das Militär sprengt die Rothemden mit Rauchbomben auseinander»

Interview

Die bevorstehende Parlamentswahl sorgt in Thailand für grosse Unruhen. Südostasien-Korrespondent Arne Perras sagt gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz, wie explosiv die Lage derzeit ist.

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Lynn Scheurer@Ciao_Lynn

Was passiert zurzeit in Bangkok?
Die Situation ist aufgeheizt. Wir waren gerade im Nordosten der Stadt, wo die Regierungsgegner ein Gebäude blockieren. Die regierungstreuen Rothemden haben versucht, das Gebäude zu übernehmen - dazwischen Militär und Polizei. Es wurde geschossen, die Lage ist sehr angespannt.

Warum kam es zu dieser Eskalation?
In diesem Aussenbezirk sind die Rothemden sehr stark vertreten und die Protestbewegung eher in der Minderheit. Dennoch wollte die Opposition verhindern, dass die Wahlunterlagen noch rechtzeitig in die betreffenden Wahllokale geliefert werden.

Wie verhält sich das Militär?
Bei dieser Konfrontation im Nordosten versuchte das Militär, die Rothemden mit Rauchbomben auseinander zu sprengen. Generell hält sich das Militär aber sehr stark zurück. Die Polizei hat mit den Demonstranten verhandelt. Dass die Situation trotzdem mit Schüssen eskaliert ist, zeigt wie explosiv die Lage zurzeit ist.

Wie sind die Prognosen für die Wahlen am Sonntag?
Das ist schwer vorherzusehen, beide Seiten bereiten sich auf alles vor. Es ist damit zu rechnen, dass Gruppen der Gegner und Befürworter wieder aufeinander stossen. Bei der jetzigen aufgeheizten Lage ist das nicht ohne Gefahren.

Warum boykottiert die Opposition die Wahl?
Der Protestbewegung ist klar, dass sie an der Wahlurne nicht gewinnen kann. Die Regierung hat den armen Norden und Nordosten des Landes hinter sich und kann mit einem sicheren Wahlsieg rechnen. In bestimmten Wahlkreisen kann nicht gewählt werden. Schon jetzt ist deshalb klar, dass diese Wahl juristisch anfechtbar ist.

Wie würde es dann weitergehen?
Eine Möglichkeit, über die spekuliert wird, ist ein «Justizputsch». Dabei würde entweder die Wahlkommission die Wahl annullieren oder der Verfassungsgerichtshof die Wahl wegen juristischen Mängeln nicht anerkennen.

Regierungschefin Yingluck Shinawatra wird die Wahlen höchstwahrscheinlich gewinnen. Wird das die Opposition weiter anstacheln?
Die Demonstranten haben sich darauf eingerichtet, dass die Wahl am Sonntag stattfindet. Wie sie sich nach einem Wahlsieg Yinglucks verhalten werden, ist schwer zu sagen. Sicher aber werden sie morgen versuchen, die Wahlbeteiligung so gering wie möglich zu halten, um die Glaubwürdigkeit des Resultats weiter zu untergraben. So wäre der Weg frei für genannte juristische Mittel.

Yingluck betonte erneut, dass sie nach ihrer Wahl Reformprozesse einleiten werde.
Das hat Yingluck immer wieder angeboten aber die Fronten sind verhärtet. Bei den Regierungsgegner gibt es nach wie vor keinerlei Gesprächsbereitschaft. Sie fordern, dass Yingluck zuerst zurücktreten muss, bevor solche Gespräche stattfinden können.

Besteht die Möglichkeit, dass sie tatsächlich zurücktritt?
Die Situation wird am Sonntag sicher nicht leichter für sie, aber sie hat die Krise über Wochen sehr geschickt aus der Defensive gehandelt. Vielleicht wird sie nicht auf Dauer an der Macht bleiben können aber im Moment ist nicht zu sehen, dass sie zurücktritt.

Wie ist der Alltag für die Bewohner Bangkok?
Man spürt, dass es Ärger in der Luft ist. Je länger diese Unruhen andauern, desto schwerer wird es, die dauernden Staus und Umwege zu bewältigen. Bei den Menschen auf der Strasse ist eine Ermüdung spürbar. In den letzten Tagen hatte die Protestbewegung auch nicht mehr dieselbe Wucht wie am Anfang. wie viel Kraft sie noch entwickeln kann, wird man in den nächsten Tagen sehen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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