Atombehörde begnügte sich mit einseitigem Sicherheitsbericht

Die japanische Atombehörde hat das Risiko eines Tsunamis zu tief eingeschätzt. Vor zehn Jahren akzeptierte die Behörde einen äusserst kurzen Rapport von Tepco anstandslos und ohne Überprüfung.

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Mehr als zwei Monate nach der Katastrophe im japanischen Fukushima gerät die Atomsicherheitsbehörde des Landes in die Kritik. Vor zehn Jahren hatte der AKW-Betreiber Tepco einen eine Seite langen Bericht verfasst, in dem er versicherte, dass das AKW Fukushima 1 einem Tsunami standhalten werde.

Dieser Bericht ist nach Angaben der Nachrichtenagentur AP in öffentlich zugänglichen Behördendaten zu finden. Diese eine Seite überzeugte die Atombehörde damals offenbar bereits von der Sicherheit des Atomkraftwerks. Die Behörde hatte Tepco um eine Einschätzung der möglichen Auswirkungen des grösstmöglichen Tsunamis auf die Anlage gebeten.

In der Antwort versicherte Tepco, dass die Reaktoren in Fukushima einer solchen Welle standhalten könne. Für den Nordosten Japans war Tepco von Beben der Stärke 8,0 bis 8,6 ausgegangen und entlang des Pazifiks von 9,6.

Bericht nie überprüft

Laut dem Chef der Abteilung für Erdbebensicherheit in der Atomsicherheitsbehörde, Masaru Kobayashi, war das alles, was man dazu von Tepco bekommen habe. Die Einschätzungen des Betreibers seien seitens der Atomsicherheitsbehörden auch nie überprüft worden.

«Es gab eine Haltung, die Natur nicht zu respektieren», sagt der emeritierte Professor der Universität von Kobe, Katsuhiko Ishibashi, der einst im beratenden Ausschuss der Regierung zur Atomsicherheit sass.

Tepco und Aufsichtsbehörde zu wenig sorgfältig

Die turmhohen Wellen des von einem Erdbeben am 11. März ausgelösten Tsunamis hatten die Notfallgeneratoren für die Kühlsysteme mehrerer Reaktoren zerstört. Dies führte zu einer Kernschmelze in drei Reaktoren und damit zur schlimmsten Atomkatastrophe seit Tschernobyl. Seit nun mehr als zwei Monaten versuchen Arbeiter die Anlage wieder unter Kontrolle zu bringen.

Das Problem bei der Tsunami-Sicherheit der Anlage habe nicht am Mangel wissenschaftlicher Erkenntnisse im Jahr 2001 gelegen, sagte ein emeritierter Professor der Universität Kobe, Katsihiko Ishibashi. Das Problem sei gewesen, dass Tepco und die Aufsichtsbehörde nicht sorgfältiger auf die Risikofaktoren geschaut hätten. Ishibashi war Mitglied des Beratergremiums der Regierung zur Atomsicherheit.

Sicherheitschecks für Bewohner von Fukushima

Am Freitag hat die Regierung der Provinz Fukushima entschieden, dass die zwei Millionen Bewohner von Fukushima langfristigen Gesundheitschecks unterzogen werden sollen. Damit wollen die Behörden den Menschen die wachsenden Sorgen vor der andauernden radioaktiven Verstrahlung nehmen.

Unter anderem wollen die Behörden mittels Fragebögen den Gesundheitszustand der Menschen erfassen und Blut- und Urintests durchführen. Am Freitag teilte die Provinzregierung zudem tragbare Dosimeter in den Kindergärten und Schulen der Provinz aus.

wid/dapd

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