700 Millionen Dollar, aber kein Geständnis

Jho Low, der flüchtige angebliche Milliardenbetrüger aus Malaysia, hat mit US-Ermittlern einen Deal gemacht.

Ist in den Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB verwickelt und entzieht sich der Strafverfolgung: Jho Low. Foto: Getty Images

Ist in den Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB verwickelt und entzieht sich der Strafverfolgung: Jho Low. Foto: Getty Images

Arne Perras@tagesanzeiger

Wo der Malaysier Unterschlupf gefunden hat, bleibt ein Rätsel. Manche glauben, er halte sich in China auf. Zuletzt gab es Gerüchte, er habe sich in die Vereinigten Arabischen Emirate abgesetzt. Viele Gerüchte, keine Beweise. Der mutmassliche Milliardenbetrüger Jho Low gleicht einem Phantom. In jedem Fall dürfte der 38-Jährige, der als Schlüsselfigur im Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB gilt, mächtige Freunde haben. Schwer vorstellbar, dass er sich ohne Schutz immer noch der Strafverfolgung entziehen könnte, wo ihm Staatsanwälte auf drei Kontinenten hinterherjagen.

Bekannt wurde Jho Low einst mit schicken Party-Fotos, auf denen er die Champagner-Korken knallen liess, stets in illustrer Begleitung. Er liebte es, als Grossfinancier der Glamour-Welt aufzutreten. Man sah ihn an der Seite von Hollywood-Star Leonardo DiCaprio, dessen Film «The Wolf of Wall Street» er finanzieren half. Low genoss das Feiern mit Kim Kardashian und Paris Hilton, legendär seine Party in Las Vegas, bei der Britney Spears aus einer riesigen Geburtstagstorte heraushüpfte.

Besitz im Wert von 700 Millionen US-Dollar

Nun ist die Glitzer-Show längst Geschichte, Low abgetaucht. Was nicht verwundert angesichts der Summen, die versickert sein sollen. US-Ermittler jagen 4 Milliarden US-Dollar nach, die bei Finanztransfers rund um 1MDB abgezweigt oder gewaschen worden sein sollen, zulasten des malaysischen Staates. Wie stark Jho Low darin verwickelt ist, hat er nun selbst aus seinem Versteck heraus belegt, indem er einen spektakulären Deal mit der US-Justiz aushandelte.

Lows Berater werden offenbar aus dem beschlagnahmten Vermögen bezahlt, das dem malaysischen Staat zusteht. 

Demnach gibt Low Besitz im Wert von mehr als 700 Millionen US-Dollar auf. Malaysia darf sich darüber freuen. Wie Low von diesem Deal profitiert, das weiss man noch nicht.

Immerhin hat der flüchtige Financier schon einmal erreicht, dass er kein Schuldgeständnis ablegen musste. Ausserdem werden seine Berater, die den Deal anbahnten, offenbar aus dem beschlagnahmten Vermögen bezahlt, das dem malaysischen Staat zusteht. Wie Bloomberg berichtete, verdient an diesem Arrangement auch die Kanzlei des früheren US-Gouverneurs von New Jersey, Chris Christie.

Er bleibt ein Gejagter

Das alles sind Merkwürdigkeiten, die in Südostasien genau beobachtet werden. Ein Kommentator hat Low schon mit dem legendären Entfesselungskünstler Houdini verglichen. Während Malaysias Ex-Premier Najib Razak der Prozess gemacht wird, gelingt es seinem Helfer Jho Low, sich den Gerichten zu entziehen.

Schon 2015, als sich Vorwürfe verdichteten, gab Low das Opfer und beteuerte, er sei lediglich ins Kreuzfeuer der Politik geraten und habe nie Illegales getan. Gleichwohl bleibt er ein Gejagter. Malaysia wartet darauf, ihm den Prozess zu machen. Doch die Lage ist kompliziert, weil Low sehr wichtig ist, um weiteres verlorenes Vermögen zurück nach Kuala Lumpur zu schleusen.

Es scheint, als sehe Low noch einen Ausweg für sich. Angeblich hat er ein Land gefunden, das ihm Asyl gewährt. So steht es in einer Erklärung, die Anwälte der Nachrichtenagentur AFP zuspielten. Ein Bluff? Möglich, dass die verdeckten Verhandlungen mit Low bald in die nächste Runde gehen.

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