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53'000 Nordkoreaner verlassen Kaesong

Nordkorea hat damit begonnen, seine Arbeiter aus der gemeinsam mit Südkorea betriebenen Wirtschaftszone Kaesong abzuziehen. Zuvor gab es Verwirrung um einen angeblich kurz bevorstehenden neuen Atomtest.

Der Industriepark aus der Ferne. (23. April 2013)
Der Industriepark aus der Ferne. (23. April 2013)
AFP
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Nordkorea hat den Abzug seiner 53'000 Arbeiter in der gemeinsam mit Südkorea betriebenen Sonderwirtschaftszone Kaesong angekündigt. «Wir werden alle unsere Arbeiter aus dem Kaesong-Industriekomplex abziehen», erklärte ein ranghoher Beamter der Regierungspartei, Kim Yang-gon, laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA. Der Industriekomplex werde anschliessend vorübergehend geschlossen. Kim machte «militärische Kriegstreiber» für die Entscheidung verantwortlich. Es hänge allein von der südkoreanischen Regierung ab, wie sich die Lage weiter entwickeln werde. Im Zuge der aktuell angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel hatte Nordkorea südkoreanischen Arbeitern vergangene Woche die Einreise in die gemeinsam von beiden Staaten betriebene Sonderwirtschaftszone untersagt, die Ausreise hingegen erlaubt. Hunderte Südkoreaner blieben zunächst freiwillig in Kaesong.

Mit dem Einreiseverbot stellte sich Pyongyang gegen ein Projekt, das bislang Krisen zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten überstand. Der Industriekomplex liegt in Nordkorea, zehn Kilometer von der Grenze zum Süden entfernt. Kaesong ist eine wichtige Quelle für ausländische Devisen für Pyongyang.

Verwirrung um Atomtest

Zuvor gab es Verwirrung um einen angeblich kurz bevorstehenden vierten Atomtest in Nordkorea. Der südkoreanische Vereinigungsminister Ryoo Kihl-jae hat nun aber seine eigene Aussage zurückgenommen, es gebe aktuell Anzeichen für einen vierten Atomtest Nordkoreas. Er habe dies so nicht sagen wollen, sagte Ryoo. Zuvor hatte der Minister seine Einschätzung vor einem Parlamentsausschuss geäussert, als er auf vermehrte Fahrzeugbewegungen am nordkoreanischen Atomtestgelände angesprochen wurde.

Schon in der vergangenen Woche hatte Seoul jedoch erklärt, Nordkorea habe die Vorbereitungen für einen Atomtest an zwei unterirdischen Tunneln abgeschlossen. Einer der Tunnel wurde beim dritten Atomtest am 12. Februar benutzt.

Raketentest am Mittwoch?

Ryoos erste Bemerkung wurde auf Video festgehalten. Er sagte aber später, er wolle dies so nicht gesagt haben und sei erstaunt über die breite Medienberichterstattung. Doch auch der südkoreanische Nationale Sicherheitsdirektor Kim Jang-soo rechnet nach eigenen Worten in dieser Woche mit einem weiteren nordkoreanischen Atomtest oder einem anderen provokativen Akt. Kim begründete seine Einschätzung mit der Aufforderung Pyongyangs an ausländische Botschafter, das Land zu verlassen.

Bereits am Donnerstag hatte das Seouler Verteidigungsministerium mitgeteilt, Nordkorea habe eine Rakete mit grösserer Reichweite an seine Ostküste gebracht – vermutlich für einen Test. Es könnte sich um eine Musudan-Rakete handeln, die mit ihrer geschätzten Reichweite von 4000 Kilometern US-Stützpunkte auf Guam treffen könnte. Präsidentensprecher Kim Haing sagte, der Sicherheitsdirektor erwarte einen Test oder eine andere nordkoreanische Aktion um den Mittwoch herum.

Obama bleibt gelassen

Die USA reagierten gelassen auf die anhaltenden nordkoreanischen Drohungen. Präsident Barack Obama sagte, er wäre nicht überrascht, sollte Nordkorea einen weiteren Atomtest unternehmen. «Sie haben das ja schon in der Vergangenheit getan», sagte er. Generalstabschef Martin Dempsey sagte der Nachrichtenagentur AP, die USA hätten ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Zwar sei keine Militäraktion Nordkoreas absehbar. «Aber ich kann es nicht darauf ankommen lassen», sagte Dempsey. Die USA hätten sich auf weitere Provokationen aus Pyongyang vorbereitet, die er am 15. April, dem Geburtstag des verstorbenen nordkoreanischen Staatsgründers Kim Il-sung, und dem 25. April, dem Gründungstag der nordkoreanischen Streitkräfte, erwarte.

Zuvor war bekannt geworden, dass hohe amerikanische und südkoreanische Militärs eine Reise nach Washington abgesagt hatten, um in Südkorea auf dem Posten zu bleiben. Die US-Regierung verschob einen schon länger geplanten Test einer Interkontinentalrakete, damit Nordkorea sich nicht provoziert fühlt.

Der südkoreanische Sicherheitsdirektor vertrat aber auch die Einschätzung, dass Nordkorea nicht wirklich auf eine militärische Konfrontation mit Südkorea und den USA aus sei. Ziel Pyongyangs sei es, Washington und Seoul zu Zugeständnissen zu bringen.

AP/AFP/chk/bru

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