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Prominente Karikaturisten unter Toten in Paris

Die Künstlernamen Charb, Cabu, Wolinski und Tignous sind in Frankreich ganz gross. Nun sind die Zeichner tot – trotz Polizeischutz.

Auch unter den Opfern: Der Journalist, Wirtschaftswissenschaftler und Mitinhaber Bernard Maris. (Archiv, 22. Mai 2002)
Auch unter den Opfern: Der Journalist, Wirtschaftswissenschaftler und Mitinhaber Bernard Maris. (Archiv, 22. Mai 2002)
Joel Saget, AFP
Ermittler bestätigten den Tod von vier Zeichnern: Jean Cabut, Tignous, Charb und Georges Wolinski.
Ermittler bestätigten den Tod von vier Zeichnern: Jean Cabut, Tignous, Charb und Georges Wolinski.
AFP
Georges Wolinski war 80 Jahre alt und von 1970 bis 1981 Chefredaktor von «Charlie Hebdo», hier am Büchersalon in Paris 2011.
Georges Wolinski war 80 Jahre alt und von 1970 bis 1981 Chefredaktor von «Charlie Hebdo», hier am Büchersalon in Paris 2011.
Thesupermat CC BY-SA 3.0
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Drei maskierte Attentäter haben am Mittwoch in Paris die Redaktion der islamkritischen Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» gestürmt und ein Massaker verübt. Unter den zwölf Toten sind die bekannten Karikaturisten Stéphane Charbonnier, bekannt unter dem Kürzel Charb, Jean Cabut, bekannt unter dem Namen Cabu, Georges Wolinski und Bernard Verlhac, bekannt als Tignous.

Die vier Namen sind in der frankophonen Welt sehr bekannt. Cabu, der am 13. Januar 78 Jahre alt geworden wäre, und der 80-jährige Wolinski, der von 1970 bis 1980 Chefredaktor von Charlie Hebdo war, prägten die französische Karikaturistenszene während Jahrzehnten. Charb war seit 2009 der Direktor von Charlie Hebdo. Er veröffentlichte 2012 auch einen Comic über das Leben des Propheten Mohammed. Charb hatte bereits 2011 Morddrohungen erhalten, nachdem seine Zeitung zum wiederholten Mal Mohammed-Karikaturen veröffentlicht hatte. Er stand seitdem unter Polizeischutz.

Erst im September war Charb nach Morges VD gekommen, um an einer Debatte über die Pressefreiheit teilzunehmen. Auch damals sei er von einem Polizisten bewacht worden, weil er Drohungen erhalten habe, sagt der Chefredaktor der Westschweizer Satire-Zeitschrift «Vigousse», Thierry Barrigue der Nachrichtenagentur sda. Charb habe ihm gesagt, dass er den Drohungen niemals klein beigeben werde, dass er seine Arbeit für die Redefreiheit fortführen werde, erinnert sich Barrigue.

Die vier bekanntesten unter den bisher 12 Toten des Angriffs auf die Redaktion von Charlie Hebdo hatten auch für andere Publikationen gearbeitet oder trugen bis zu ihrem Tod noch zu diesen bei. So insbesondere auch zum französischen Kult-Comic «Fluide glacial».

Karikaturistin von Westschweizer Zeitschrift überlebt

Eine Karikaturistin von «Vigousse» hat den Anschlag überlebt. Die unter dem Namen «Coco» bekannte Künstlerin versteckte sich unter einem Möbel, wie Chefredaktor Barrigue sagte. Die Zeichnerin ist für beide Satire-Zeitschriften tätig – «Charlie Hebdo» und «Vigousse». Nicht nur die Satire-Zeitschriften seien in Gefahr. «Unsere Grundrechte sind bedroht», sagte Barrigue. Wenn man schweige, habe man verloren. Diese Menschen hätten für die Redefreiheit mit dem Tod bezahlt. Die Bluttat ändere für die Westschweizer Satire-Zeitschrift nichts. Man fahre im gleichen Stil fort. «Wir haben nie Drohungen erhalten oder um Polizeischutz bitten müssen», sagte Barrigue. Die Täter wollten, dass man aufhöre, aber genau das könne man nicht tun. Das wäre Verrat an den Opfern, sagte der Chefredaktor.

Ermordet trotz Personenschutz

Unter den Toten in Paris waren den Angaben zufolge auch zwei Polizisten. Einer von ihnen war nach Angaben der Ermittler zum Schutz des Zeichners Charb abgestellt. Laut dem Frankreich-Korrespondenten Peter Allen, der sich auf Polizeiquellen stützt, seien die Attentäter «mit militärischer Präzision» vorgegangen und hätten einzelne Journalisten gezielt gesucht.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden rund 20 weitere Personen verletzt, vier oder fünf davon lebensgefährlich. Die Attentäter konnten unerkannt flüchten. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie zwei vermummte Männer mit Kalaschnikow-Gewehren die Redaktion im Zentrum der französischen Hauptstadt stürmen. Ein Mann schrie «Allahu akbar» («Gott ist gross»), danach sind erste Schüsse zu hören gewesen. Einer der Täter rief: «Wir haben den Propheten gerächt».

Brandanschlag wegen Mohammed-Karikatur

Bereits 2011 war die Wochenzeitung Ziel eines Brandanschlags, nachdem sie eine Abbildung des islamischen Propheten Mohammed auf ihrer Titelseite veröffentlicht hatte. Bildliche Darstellungen Mohammeds sind im Islam verboten.

In Frankreich kam am Mittwoch das neue Buch von Michel Houellebecq mit dem Titel «Unterwerfung» auf den Markt. Es spielt in einem vom Islam dominierten Frankreich. Dagegen hatte es heftige Proteste von Muslimen gegeben. Die jüngste Ausgabe von «Charlie Hebdo» widmete sich am Mittwoch Houellebecqs Buch.

(SDA)

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