«Minarettverbot macht die Schweiz zum potenziellen Ziel»

Terrorismusexperte Lorenzo Vidino glaubt, dass auch die Schweiz Gründe für islamistische Angriffe liefert. Er warnt vor reflexartiger Kritik an Flüchtlingen oder am Islam.

Warnt vor reflexartiger Islamkritik: Der italienische Terrorismusexperte Lorenzo Vidino spricht an einer Konferenz zum Thema Extremismus in London am 10. November 2015.

Warnt vor reflexartiger Islamkritik: Der italienische Terrorismusexperte Lorenzo Vidino spricht an einer Konferenz zum Thema Extremismus in London am 10. November 2015.

(Bild: Keystone Steven Senne)

Die Schweiz ist vor Terror-Anschlägen wie in Paris nicht sicher. Das sagt Jihad-Experte Lorenzo Vidino im Interview mit der «Schweiz am Sonntag». «Die Schweiz ist kein Hauptziel der Terroristen. Aber es wäre naiv zu glauben, dass sie absolut sicher ist.» Auch die zurückhaltende Aussenpolitik der Schweiz schütze nicht vor Anschlägen. «Die Schweizer Aussenpolitik ist weniger aggressiv als die britische, amerikanische oder französische.

Die Mehrheit der Flüchtlinge sind keine Gefahr

Aber die Schweiz gibt den Islamisten andere Gründe, sie nicht zu mögen. Etwa das Minarettverbot oder islamophobe Äusserungen von Politikern.» Reflexartige Kritik an Flüchtlingen oder am Islam kritisiert Vidino. «Das ist destruktiv und genau das, was die Terroristen wollen». Die grosse Mehrheit der Flüchtlinge stelle keine Gefahr dar. Gleichzeitig könne nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Flüchtlinge Verbindungen zum Terrorismus hätten. «Alles andere wäre naiv. Was wir aber am wenigsten brauchen können sind Politiker, welche die Anschläge für ihre politische Agenda missbrauchen», sagt Vidino.

chi

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