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«Wir werden nicht in Eigenlob verfallen»

In einer TV-Ansprache erklärte Barack Obama die Kampfeinsätze im Irak offiziell für beendet. Er betonte den hohen Preis, den die USA in diesem Krieg bezahlt hätten.

Der Irak hat nun die Chance, sich einer neuen Zukunft zuzuwenden»: Barack Obama.
Der Irak hat nun die Chance, sich einer neuen Zukunft zuzuwenden»: Barack Obama.
Keystone

«Die ‹Operation Iraqi Freedom› ist vorbei», sagte US-Präsident Obama in einer live im Fernsehen übertragenen Ansprache aus seinem Büro im Weissen Haus.

«Der Irak hat nun die Chance, sich einer neuen Zukunft zuzuwenden», erklärte der US-Präsident. Der Präsident rief die irakischen Politiker auf, das Schicksal des Landes verantwortungsvoll in die Hände zu nehmen und bald eine Regierung zu bilden.

Dies sei «dringlich», sagte Obama mit Blick auf die anhaltenden Spannungen zwischen den Parteien in Bagdad, die bislang die Bildung einer regierungsfähigen Koalition verhindert haben. Die neue Regierung müsse «gerecht, repräsentativ und dem irakischen Volk gegenüber verantwortlich» sein, forderte er.

Hohen Preis bezahlt

Obama betonte in seiner etwa 18 Minuten dauernden Ansprache, dass die USA einen hohen Preis für den siebenjährigen Krieg bezahlt hätten: «Diesen Krieg zu beenden, ist nicht nur im Interesse des Iraks - das ist auch in unserem Interesse.»

Mehrmals erinnerte er an die Opfer der Soldaten. In dem Krieg waren über 4000 US-Soldaten ums Leben gekommen. Rund 50'000 US- Soldaten bleiben weiter in dem Land, um irakische Sicherheitskräfte auszubilden und bei Anti-Terror-Einsätzen zu unterstützen. Sie sollen bis Ende 2011 abziehen.

«Grosse Schufterei»

Bereits zuvor hatte Obama deutlich gemacht, dass es keine Siegesfeiern geben wird. «Wir werden nicht in Eigenlob verfallen», sagte er kurz vor seiner Rede bei einem Truppenbesuch.

Unter allen Umständen wollte das Weisse Haus den Eindruck vermeiden, den sein Vorgänger George W. Bush 2003 hinterlassen hatte: Damals war Bush an Bord des Flugzeugträgers «Abraham Lincoln» vor einem Banner mit den Worten «Mission accomplished» (Mission erfüllt) aufgetreten.

Wenig später fiel das Land in Chaos und Terror. Obama räumte ein, dass es noch immer Gewalt im Irak gebe. Daher sei die Arbeit der US-Soldaten in dem Land noch nicht beendet, sagte der Präsident bei einem Truppenbesuch in Fort Bliss im US-Bundesstaat Texas.

Mit dem Ende des Kampfeinsatzes würden die USA ihr Augenmerk nun stärker auf Afghanistan und Pakistan legen: «Es wird eine grosse Schufterei», sagte er vor den Soldaten. In seiner Rede an die Nation nannte der Präsident ausserdem den Wiederaufbau der US-Wirtschaft als wichtigste Aufgabe der Regierung.

Krieg ohne UNO-Mandat

Die USA hatten den Irak-Krieg im März 2003 ohne UNO-Mandat begonnen. Mehrere Verbündete - darunter Deutschland und Frankreich - waren strikt dagegen. In der ganzen Welt gab es damals Proteste.

Offizielle Begründung für die Invasion der Verbündeten - neben den USA vor allem Grossbritannien - war die Behauptung Washingtons, dass der Irak im Besitz von Massenvernichtungswaffen sei. Diese Waffen wurden allerdings nie gefunden.

Zugleich machten die USA klar, das ihr Ziel ein «Regimewechsel» in Bagdad sei - sie wollten die Herrschaft von Machthaber Saddam Hussein beenden. Nach Angaben des Pentagons wurden in dem Krieg 4418 US-Soldaten getötet, etwa 32'000 seien verwundet worden.

Mindestens 9500 irakische Soldaten und Polizisten kamen ums Leben. Die Zahl der getöteten irakischen Zivilisten wird mit über 112'600 angegeben. Derzeit nimmt die Gewalt im Irak wieder zu. Vergangene Woche kamen bei einer Terrorwelle über 70 Menschen ums Leben.

SDA/mrs

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