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«Wir empfangen die Fans wie die Christusstatue»

«Wir sind bereit», sagte Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff am TV. Tatsächlich scheint sich die Lage zu beruhigen, nachdem nun die obdachlosen Arbeiter auf weitere Demonstrationen verzichten wollen.

Wird bestreikt: Der internationale Flughafen Galeao in Rio de Janeiro. (Archivbild)
Wird bestreikt: Der internationale Flughafen Galeao in Rio de Janeiro. (Archivbild)
Reuters
Müssen sich auf lange Wartezeiten einstellen: Fans am Flughafen Galeao in Rio de Janeiro.
Müssen sich auf lange Wartezeiten einstellen: Fans am Flughafen Galeao in Rio de Janeiro.
Twitter/@DailyMailNews
Ruhe vor dem Sturm?Tränengas vor dem Mane-Garrincha-Stadion, beobachtet von einem indigenen Brasilianer mit Pfeil und Bogen. (27. Mai 2014)
Ruhe vor dem Sturm?Tränengas vor dem Mane-Garrincha-Stadion, beobachtet von einem indigenen Brasilianer mit Pfeil und Bogen. (27. Mai 2014)
Lunae Parracho, Reuters
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Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff hat die hohen Kosten für die Fussball-WM kurz vor Beginn des Grossereignisses erneut verteidigt. Aus ihrer Sicht profitiert das Land langfristig von den Investitionen in Stadien, Flughäfen und andere Einrichtungen.

«Wir haben das vor allem für die Brasilianer getan», sagte die Politikerin in einer Fernsehansprache am Dienstag. Zugleich versprach sie, mutmassliche Korruptionsfälle aufklären zu lassen. Wenn Unregelmässigkeiten nachgewiesen seien, würden die Verantwortlichen bestraft.

Die Weltmeisterschaft in Brasilien, die am Donnerstag mit einer Begegnung zwischen dem Gastgeber und Kroatien eröffnet wird, ist die teuerste in der Geschichte des Wettkampfes. Das Schwellenland lässt sich das Ereignis umgerechnet mehr als fast zehn Milliarden Franken kosten. Viele Bürger sind der Ansicht, dass die Regierung das Geld besser für Gesundheit und Bildung hätte ausgeben sollen.

Rousseff sagte, es handle sich nur um ein scheinbares Dilemma. Die beiden Bereiche gehörten zu jenen Posten, für die die öffentlichen Ausgaben in ihrer Amtszeit am stärksten gestiegen seien. Die Politikerin möchte im Oktober wiedergewählt werden.

(Video: Yourtube/MrDbkvideos)

Wir sind bereit

Brasilien ist nach Ansicht von Präsidentin Dilma Rousseff gut auf den Beginn der Fussballweltmeisterschaft am Donnerstag vorbereitet. «Brasilien hat die grössten Hindernisse überwunden und ist auf und abseits des Fussballplatzes bereit für die WM», sagte Rousseff weiter.

Sie versicherte unter anderem, dass die zwölf Stadien pünktlich zum Auftaktspiel fertig seien. Ihr Land werde die ausländischen Fans mit «offenen Armen» empfangen – so wie die berühmte Christusstatue in Rio de Janeiro, sagte Rousseff, die auch Probleme bei der Vorbereitung der WM einräumte. Das brasilianische Volk, das niemals aufgebe, habe die Pessimisten aber durch «harte Arbeit und Entschlossenheit besiegt».

Auch Fifa verteidigt sich

Kurz zuvor hatte der Weltfussballverband Fifa Kritik aus Brasilien zurückgewiesen, wonach vor allem die Bürger des Landes die WM-Kosten trügen. Die reinen Veranstaltungskosten von zwei Milliarden Dollar bezahle die Fifa selbst und finanziere sie mit dem Verkauf von Fernsehübertragungs- und Marketingrechten, erklärte die Organisation.

Die brasilianischen Steuerzahler würden dafür mit keinem einzigen Cent belastet. Aus Sicht der Fifa hängen viele Investitionen in die Infrastruktur nicht direkt mit dem Grossereignis zusammen. Brasilien werde noch viele Jahre von moderneren Strassen, Flughäfen oder Telekommunikationsnetzen profitieren.

Aktivisten sagen Proteste während WM ab

Kurz vor Beginn der Fussballweltmeisterschaft in Brasilien hat sich die Bewegung Obdachloser Arbeiter (MTST) mit den Behörden darauf geeinigt, während des Turniers auf Proteste zu verzichten. Die Bewegung erhielt nach eigenen Angaben wichtige Zusagen.

Die Aktivisten erklärten am Dienstag, sie dürften Häuser auf dem Gelände errichten, das sie im Mai nahe dem Stadion in São Paulo besetzt hatten. In der Arena findet am Donnerstag das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Brasilien und Kroatien statt. Die Bewegung MTST spielte in den vergangenen Monaten eine Schlüsselrolle bei den Protesten gegen das Sportereignis.

Zugang zu Wohnungsprogramm

«Die Bewegung ist nicht gegen das Turnier. Wir haben nicht die geringste Absicht, uns einzumischen. Wir werden weder gegen noch während des Turniers protestieren», sagte die Sprecherin Jussara Basso der Nachrichtenagentur AFP.

Die Behörden teilten zudem mit, die Mitglieder der Bewegung würden bevorzugten Zugang zu einem staatlichen Wohnungsprogramm erhalten. Tausende Familien der Obdachlosenbewegung haben wenige Kilometer vom Stadion Arena Corinthians entfernt eine Zeltstadt errichtet.

Milliarden besser für Wohnungen investiert

Ähnlich wie andere soziale Gruppen kritisiert die Obdachlosenbewegung die öffentlichen Ausgaben von mehr als elf Milliarden Dollar für das Sportereignis. Ihrer Ansicht nach hätten diese Mittel besser für Wohnungen, Bildung, Gesundheit oder Nahverkehr ausgegeben werden sollen.

MTST ist der städtische Ableger der Bewegung landloser Bauern und nutzt wie andere Gruppen die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit anlässlich der Weltmeisterschaft, um sich bei der Regierung Gehör zu verschaffen.

Die Organisation der WM in Brasilien war teilweise chaotisch verlaufen. In den vergangenen Wochen und Monaten gab es zudem teils gewalttätige soziale Proteste, bei denen die hohen Kosten für die WM und die im Jahr 2016 anstehenden Olympischen Spiele kritisiert wurden. Zudem gibt es immer wieder Streiks im Nahverkehr und im Bildungswesen.

sda/AFP/chk

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