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Schütze malte Blutbuchstaben an die Wand

US-Behörden sorgen sich landesweit vor Nachahmern der Attacke in Dallas. Derweilen kommen neue Details zum Täter ans Licht.

In San Antonio hat ein Unbekannter auf das Polizeihauptquartier geschossen.
In San Antonio hat ein Unbekannter auf das Polizeihauptquartier geschossen.
Twitter / CNN
Ein Fotograf ging während der Schiesserei in Dallas hinter einem Auto in Deckung und musste mit einem Polizisten zwei Stunden lang ausharren.
Ein Fotograf ging während der Schiesserei in Dallas hinter einem Auto in Deckung und musste mit einem Polizisten zwei Stunden lang ausharren.
Robert Moore / Facebook
Nach den Schüssen auf die Polizisten sollen chaotische Zustände geherrscht haben: «Jeder fing einfach nur an zu rennen». (7. Juli 2016)
Nach den Schüssen auf die Polizisten sollen chaotische Zustände geherrscht haben: «Jeder fing einfach nur an zu rennen». (7. Juli 2016)
LM Otero, Keystone
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Der Attentäter von Dallas verfolgte nach Erkenntnissen der Polizei noch andere «zerstörerische» Projekte. Der 25-jährige Ex-Soldat Micah Xavier Johnson habe mit Sprengstoff experimentiert, das vorgefundene Material hätte «zerstörerische Auswirkungen» auf die Stadt Dallas und auf «den Norden von Texas» haben können, sagte Polizeichef David Brown am Sonntag.

Darauf deuteten unter anderem Eintragungen in seinem Tagebuch und die Sprengstofffunde in seiner Wohnung hin, sagte der Polizeichef der Stadt, David Brown, am Sonntag in einem Interview des Senders CNN.

Blutbuchstaben an die Wand gemalt

Bei den Verhandlungen, die er mit der Polizei während der Phase seiner Umzingelung geführt habe, habe Johnson sich über die Polizei lustig gemacht, er habe gesungen und gefragt, wie viele Polizisten er getötet habe, sagte Brown weiter. Offenbar schon verletzt, habe er mit seinem Blut die Buchstaben «rb» an die Wand gemalt. Es sei nicht klar, was der Attentäter damit meinte.

Johnson hatte mit einem Gewehr fünf weisse Polizisten getötet und sieben weitere verletzt. Er plante nach den Erkenntnissen der Polizei einen Anschlag, lange bevor in der vergangenen Woche in Louisiana und Minnesota zwei Schwarze durch Polizeikugeln starben. Diese Vorfälle hätten aber wohl wie ein Auslöser für die Tat von Dallas gewirkt, sagte Brown.

Proteste und Drohungen gegen die Polizei

Bei Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus kam es am Wochenende erneut zu Zwischenfällen. In St. Paul, wo ein Polizist vor wenigen Tagen den Schwarzen Philando Castile in dessen Auto erschossen hatte, blockierten hunderte Demonstranten am Samstagabend stundenlang eine Autobahn und warfen Steine und Flaschen auf Polizisten. Die Polizei setzte Tränengas und Pfefferspray ein, es gab mehrere Festnahmen.

In Baton Rouge, wo ein Polizist am Dienstag den schwarzen CD-Verkäufer Alton Sterling erschossen hatte, gab es nach Medienberichten ebenfalls dutzende Festnahmen bei Demonstrationen. Unter den Festgenommenen war ein prominenter Aktivist der Schwarzen-Bewegung Black Lives Matter.

Angst vor Nachahmern

In San Francisco hielt ein grosses Polizeiaufgebot Demonstranten davon ab, eine grosse Strassenkreuzung zu besetzen. Auch in Phoenix im Bundesstaat Arizona hatte die Polizei am Freitagabend Tränengas gegen Steine werfende Demonstranten eingesetzt. In Rochester im Bundesstaat New York wurden 74 Demonstranten nach einem Sitzstreik festgenommen.

In mehreren weiteren US-Städten verliefen Proteste nach der Tötung zweier Schwarzer durch Polizisten friedlich.

Eine anonyme Drohung gegen die Polizei sowie Berichte über einen maskierten Mann lösten in Dallas kurzzeitig Angst vor weiterer Gewalt aus. Das Polizeipräsidium wurde teilweise abgeriegelt, Eliteeinheiten der Polizei positionierten sich rund um das Gebäude, nachdem es geheissen hatte, in der Parkgarage sei ein maskierter Mann gesehen worden. Nach intensiver Suche gaben die Behörden aber zwei Stunden später Entwarnung.

Appelle zur Einheit

Parteiübergreifend mahnten weitere Politiker ebenso wie Obama, die Spaltung des Landes nicht weiter zu vertiefen. Bei einer ökumenischen Andacht mit tausenden Teilnehmern in Dallas sagte Bürgermeister Mike Rawlings, «die Rassendiskriminierung und Amerikas grösste Sünde, die Sklaverei,» hätten im Laufe der Geschichte tiefe Wunden hinterlassen.

Vizepräsident Joe Biden verurteilte die Polizistenmorde, aber auch die tödlichen Polizeieinsätze gegen Schwarze in den vergangenen Tagen. «Als Amerikaner haben uns alle diese Tode verwundet», sagte er in einer Rede. Alle US-Bürger müssten sich gegen die «Ungleichheiten in unserem Strafverfolgungsystem» ebenso einsetzen wie für die Polizisten, «die uns jeden Tag in unseren Gemeinden beschützen».

«Wer kein Afroamerikaner ist, wird niemals ganz begreifen können, was es bedeutet, schwarz zu sein», sagte der ehemalige republikanische Präsidentschaftsbewerber Marco Rubio. Ähnlich äusserte sich der frühere Sprecher der Republikaner im US-Repräsentantenhaus, Newt Gingrich.

Diskussion über Robo-Technik

Unterdessen entbrannte über die USA hinaus eine Diskussion darüber, dass die Polizei Johnson gezielt aus der Ferne in einer Parkgarage durch Sprengstoff getötet hat.

Die Bombe wurde nach einem stundenlangen Feuergefecht und erfolglosen Verhandlungen von einem Roboter deponiert. Die Technik, mit einem funkgesteuerten Gerät Sprengstoff heranzurollen, um einen Verbrecher zu töten, statt ihn zu überwältigen, ist moralisch umstritten.

SDA/mch

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