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Wem Buttigiegs Rückzug nützt

Pete Buttigieg will nicht mehr US-Präsident werden. Auch Amy Klobuchar beendet ihre Kampagne. Davon könnte vor allem ein Kandidat profitieren.

Er steigt aus dem Rennen um die Präsidentschaft aus und hat doch viel gewonnen: Pete Buttigieg bei einem öffentlichen Auftritt im Januar. Foto: Mary Schwalm (Keystone)
Er steigt aus dem Rennen um die Präsidentschaft aus und hat doch viel gewonnen: Pete Buttigieg bei einem öffentlichen Auftritt im Januar. Foto: Mary Schwalm (Keystone)

Joe Biden ist 77 Jahre alt. Das macht ihn – auch wenn es seltsam klingt – zum jüngsten männlichen Bewerber, der im Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur noch übrig ist. Mike Bloomberg ist 78 Jahre alt, Bernie Sanders wird im September 79, und der Mann, den sie im November alle aus dem Weissen Haus verjagen wollen, ist nicht viel jünger: Donald Trump wird in wenigen Monaten 74. Die Vereinigten Staaten sind eine alte Demokratie, und was den nächsten US-Präsidenten angeht, müssen sich die amerikanischen Wählerinnen und Wähler im Herbst höchstwahrscheinlich zwischen zwei alten Männern entscheiden.

Das ist die erste Folge der Entscheidung von Pete Buttigieg, seine Präsidentschaftskandidatur aufzugeben. Am Sonntagmorgen hatte der 38-jährige Demokrat noch mit dem früheren Präsidenten Jimmy Carter gefrühstückt. Wenige Stunden später sass er bereits im Flugzeug in seine Heimatstadt South Bend in Indiana, wo er das Ende seiner Bewerbung verkündete. Er sehe für sich keinen Weg mehr, wie er die demokratische Nominierung gewinnen könnte, sagte er. Er werde in den kommenden Monaten alles dafür tun, dass ein Demokrat ins Weisse Haus einziehen werde, und er werde sich darum bemühen, die Partei zu einen.

Pete Buttigieg gibt bekannt, dass er aus dem Wahlkampf aussteigt. (Video: Tamedia)

Das Ende einer Präsidentschaftskandidatur ist normalerweise der Moment, an dem die Kommentatoren rasch mit kritischen bis vernichtenden Bilanzen zur Stelle sind. Nicht so bei Buttigieg: Er erntete für seinen Schritt und für seine Kampagne viel Lob. Und er hat ja auch tatsächlich einiges erreicht: Noch vor einem Jahr hatten nicht einmal viele Insider in Washington seinen Namen gekannt, geschweige denn aussprechen können. Trotzdem gelang es dem früheren Bürgermeister aus der Provinz, die erste Vorwahl in Iowa zu gewinnen, er holte sich den zweiten Platz in New Hampshire, und er tat all dies als erster schwuler Präsidentschaftsbewerber, der einen Generationenwandel versprach.

Buttigiegs Problem war jedoch, dass er zwar bei gut ausgebildeten weissen Demokraten Stimmen holte, nicht aber bei den Minderheiten, die in der Partei eine wichtige Rolle spielen. Die Vorwahl in South Carolina am Wochenende zeigte in aller Deutlichkeit, dass seine Unterstützung bei den Afroamerikanern minimal blieb. Buttigieg kam offenbar zum Schluss, dass sich daran auch bei den heutigen Super-Tuesday-Vorwahlen in 14 Bundesstaaten nichts ändern würde.

Die zweite Folge von Buttigiegs Entscheidung ist, dass sie ein bisschen mehr Klarheit in den demokratischen Vorwahlkampf bringt – aber nur ein bisschen. Der linke Senator Bernie Sanders dürfte auch nach dem Super Tuesday mit den meisten Delegierten dastehen. Doch von Buttigiegs Rückzug könnte der frühere Vizepräsident Joe Biden profitieren, der nach seinem Sieg in South Carolina neuen Schwung erhalten hat. Das ist zumindest die Hoffnung vieler moderater Demokraten, die einen Sieg von Sanders verhindern wollen. Sie rechnen damit, dass zumindest ein Teil von Buttigiegs Wählern zu Biden wechselt. In den nationalen Umfragen gaben zuletzt 11 Prozent der Demokraten an, Buttigieg wählen zu wollen.

Auch Amy Klobuchar, die moderate Senatorin mit Schweizer Wurzeln, beendet ihre Kampagne.

Fraglich ist jedoch, wie stark der Effekt solcher Wechselwähler ist. Zum einen haben viele Buttigieg-Anhänger in den Super-Tuesday-Staaten ihre Stimme schon frühzeitig abgegeben. Zum anderen zeigt eine Umfrage, dass Buttigiegs Unterstützer als zweite Wahl mindestens so häufig Sanders angeben wie Biden, Bloomberg oder die Senatorin Elizabeth Warren. Vielleicht ändert sich das, wenn Buttigieg selbst eine direkte Wahlempfehlung für Biden abgibt.

Genau dies hat eine andere moderate Kandidatin vor: Auch Amy Klobuchar beendete am Montag ihre Kampagne. Die Senatorin aus Minnesota mit Schweizer Wurzeln hatte in New Hampshire überraschend den dritten Platz belegt, in den folgenden Vorwahlen aber kaum mehr Wähler erreicht. Sie will nun stattdessen Bidens Wahlkampf unterstützen.

Bei den demokratischen Vorwahlen erhalten jene Kandidaten Delegierte für den Nominierungsparteitag, die in einem Bundesstaat oder in einzelnen Wahlkreisen mindestens 15 Prozent der Stimmen erzielen. Der Rückzug von Buttigieg und Klobuchar bedeutet, dass nun am Super Tuesday mehr Kandidaten diese Schwelle überschreiten könnten, weil sie von den Stimmen der Leute profitieren, die für einen der beiden ausgeschiedenen Bewerber einlegen wollten.

Der komplizierte Mechanismus, nach dem die Demokraten ihre Delegierten ermitteln, bringt dabei mit sich, dass selbst einige Biden-Anhänger hoffen, dass die Kandidaten Mike Bloomberg, Elizabeth Warren und Amy Klobuchar noch eine Weile im Rennen verbleiben. Ihr Kalkül lautet: Indem diese Bewerber am Super Tuesday viele Stimmen holen, hindern sie Sanders immerhin daran, bei den Delegierten davonzuziehen.

Buttigieg braucht sich um solche taktischen Spiele nicht mehr zu kümmern. Mit seinem frühen Verzicht hat er für sich bei vielen Demokraten Wohlwollen erworben. Sein eigener Wahlkampf mag zu Ende sein – seine politische Karriere ist es wohl noch lange nicht.

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