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Verletzte durch Schüsse bei Protesten in Ferguson

Die Proteste und die Gewalt gegen die Polizei haben von Baltimore auf weitere US-Städte übergegriffen – und sind wieder in Ferguson angekommen, wo es bereits letztes Jahr zu schweren Krawallen kam.

Jubel in Baltimore: Sechs Polizisten wurden angeklagt – nahezu zwei Wochen nach dem Tod des 25-jährigen Afroamerikaners Freddie Gray. (1. Mai 2015)
Jubel in Baltimore: Sechs Polizisten wurden angeklagt – nahezu zwei Wochen nach dem Tod des 25-jährigen Afroamerikaners Freddie Gray. (1. Mai 2015)
AP Photo/David Goldman
Die Polizei hat in Baltimore alle Hände voll zu tun, um Ruhe und Ordnung zu bewahren. (29. April 2015)
Die Polizei hat in Baltimore alle Hände voll zu tun, um Ruhe und Ordnung zu bewahren. (29. April 2015)
Keystone
Nun greift Baltimore mit Ausgangssperre und Nationalgarde durch. (27. April 2015)
Nun greift Baltimore mit Ausgangssperre und Nationalgarde durch. (27. April 2015)
Reuters
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Proteste wegen übermässiger Polizeigewalt gegen Schwarze sind in die US-Kleinstadt Ferguson zurückgekehrt. Bereits in der Nacht zum Mittwoch kam es zu Plünderungen, Bränden und Schüssen. Am darauffolgenden Abend (Ortszeit) marschierten Dutzende Menschen die West Florissant Avenue in dem Vorort von St. Louis entlang, um gegen den fragwürdigen Tod des 25-jährigen Afroamerikaners Freddie Gray in Baltimore zu demonstrieren, wie die Zeitung «The St. Louis Post-Dispatch» berichtete.

Wie ein Sprecher der Polizeibehörde der Kleinstadt berichtete, zogen sich drei Menschen in der Nacht zum Mittwoch Schussverletzungen zu. Vier Polizeiautos wurden beschädigt, als Demonstranten Steine und Teile des Strassenasphalts auf die Fahrzeuge warfen. In demselben Gebiet Fergusons hatten im vergangenen Jahr teils überaus gewalttätige Proteste gewütet. Diese richteten sich zunächst gegen die tödlichen Polizeischüsse auf den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown.

In Baltimore kehrt langsam Ruhe ein

Die nächtliche Ausgangssperre in der US-Grossstadt Baltimore zeigt offensichtlich Wirkung. Wie der Nachrichtensender CNN nach Beginn der Ausgangsperre berichtete, waren nur noch wenige Menschen unterwegs. Die meisten hätten die Strassen verlassen.

Wenige Stunden vor Beginn der Ausgangssperre um 22 Uhr Ortszeit hatten Tausende Menschen in Baltimore und etlichen weiteren US-Städten ihre Wut über den ungeklärten Tod des Afroamerikaners Freddie Gray mit Protestzügen zum Ausdruck gebracht. In Metropolen wie New York City, Boston, Indianapolis und Washington gab es Demonstrationen. Die meisten Proteste blieben am Mittwoch friedlich.

In Baltimore wurden 16 Personen festgenommen, in New York über 60. Am Mittwochabend räumte die Polizei angesichts der erlassenen Ausgangssperre die Strassen.

Die Kundgebungen richten sich gegen die vermutete Beteiligung der Polizei an dem Tod des 25-jährigen Gray, der nach einem Transport durch die Polizeit an einer Wirbelsäulenverletzung starb. In den vergangenen Monaten kam es in verschiedenen Städten in den USA zu Fällen mutmasslich übermässiger Polizeigewalt gegen Dunkelhäutige und Minderheiten, darunter die tödlichen Polizeischüsse auf den unbewaffneten 18-Jährigen Michael Brown in der Kleinstadt Ferguson und der Erstickungstod des New Yorkers Eric Garner.

Protestzug in Baltimore. (Video: Instagram/chiefofhunger)

Bürgermeisterin verspricht Transparenz

Aktivisten betonten, sie wollten weiter Druck ausüben, damit der Tod von Gray aufgeklärt werde. Nach einem Treffen mit Glaubensführern und einem Anwalt der Gray-Familie sagte Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake, die Behörden arbeiteten hart daran, die Ermittlungen zum Tod des 25-Jährigen transparent zu halten und die Öffentlichkeit stets zu informieren. Die Polizei wollte Erkenntnisse zu dem mysteriösen Tod am Freitag dem Staatsanwalt von Maryland übergeben.

Trotzdem hing am Mittwoch Wut und Angst über Baltimore. Hunderte Demonstranten – viele von ihnen Schüler mitRucksäcken – marschierten durch das Stadtzentrum und forderten sofortige Gerechtigkeit im Fall Gray.

Die Szenerie wird von den Behörden und der Nationalgarde angespannt beobachtet, seit die Proteste am Montag in Gewalt umschlugen. Fast 150 Autos brannten, Geschäfte wurden geplündert, 20 Polizisten verletzt und 234 Personen festgenommen. Rund 3000 Polizisten und Gardisten sind in der Stadt, um ähnliche Szenen zu verhindern. Trotz der Ausgangssperre, die in der Nacht zum Mittwoch erstmals zwischen 22 Uhr und 5 Uhr galt, war es die zweite Nacht in Folge ebenfalls zu Unruhen gekommen. 35 Personen wurden festgenommen. Am Mittwoch konnten Schulen jedoch wieder öffnen, nachdem sie am Dienstag geschlossen blieben. Es herrschte angespannte Ruhe.

Proteste dehnen sich aus

Mehrere hundert Menschen in New York City schlossen sich den Baltimore-Protesten an. Die Menge versammelte sich am Mittwochabend am Union Square in Manhattan. Später wurden rund 100 Personen festgenommen. Die Protestierenden riefen «Keine Gerechtigkeit, kein Frieden» und auch den Slogan «Hände hoch, nicht schiessen», der an die tödlichen Polizeischüsse auf das Ferguson-Opfer Brown erinnert. Dieser hatte vor seinem Tod laut Augenzeugen die Hände gehoben.

In Boston versammelten sich am Mittwochabend Hunderte in einem Park hinter der Polizeizentrale und marschierten friedlich durch den Stadtteil Roxbury. Dabei riefen sie «Keine Gerechtigkeit, kein Frieden, keine rassistische Polizei», auf einigen Schildern war «Boston hält zu Baltimore».

Im Stadtkern von Indianapolis marschierten mehr als zwei Dutzend Menschen um den Mittelpunkt der Metropole, den Monument Circle. Angesichts der kritisierenden Gewalt der US-Polizisten riefen manche Slogans wie. «Ich habe keine Angst vor der Apokalypse. Ich habe Angst vor einer Cop-alypse.» Auch in der Hauptstadt Washington sowie in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota kam es zu Demonstrationen.

AP/chk

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