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Verkümmert im Schatten von Fidel Castro

Der Erstgeborene des Revolutionärs hat sich mit 68 Jahren das Leben genommen. Sein Vater hatte «Fidelito» einst als «unfähig» bezeichnet. Ein Nachruf.

Wegen der Ähnlichkeit mit seinem Vater wurde er stets Fidelito genannt: Fidel Castro Diaz-Balart ist tot. Video: Reuters

Er sah seinem Vater Fidel Castro so ähnlich, dass er auf Kuba den Spitznamen «Fidelito» trug. In einer kurzen, spröden Mitteilung gab das kubanische Fernsehen am Donnerstag bekannt, dass sich Fidel Castro Díaz-Balart in Havanna das Leben genommen hatte. Der 68-Jährige sei wegen einer schweren chronischen Depression behandelt worden, zunächst stationär, dann ambulant.

Der Castro-Clan mit all seinen Haupt- und Nebenzweigen hat immer versucht, Privates von der Öffentlichkeit fernzuhalten. Über Fidel Castros erstgeborenen Sohn weiss man nicht sehr viel. Aber was man weiss, was an Gerüchten kursiert, und was man sich aufgrund offizieller Verlautbarungen zusammenreimen kann, lässt vermuten, dass Castro Díaz-Balart mit all den Widrigkeiten zu kämpfen hatte, die Söhne berühmter Väter fast immer bedrängen.

Bloss war Fidel Castro auf Kuba mehr als ein berühmter Vater. Viel mehr. Er war der Riesenmammutbaum, der über alle seine Sprösslinge einen gigantischen Schatten warf und sie lebenslang mit der Herausforderung konfrontierte, sich trotzdem irgendwie zu entwickeln.

Selfie mit Celebrity: Paris Hilton fotografiert sich mit Fidel Castro Díaz-Balart am Zigarrenfestival in Havanna, Februar 2015.
Selfie mit Celebrity: Paris Hilton fotografiert sich mit Fidel Castro Díaz-Balart am Zigarrenfestival in Havanna, Februar 2015.
Ramon Espinosa, Keystone
«Fidelito» an Buchpräsentationen seines Vaters, hier im März 2012 ...
«Fidelito» an Buchpräsentationen seines Vaters, hier im März 2012 ...
Franklin Reyes, Keystone
Die Mutter des Nuklearphysikers: Mirta Díaz-Balart begleitet ihren Sohn an die Eröffnung eines wissenschaftlichen Seminars in Havanna, November 2008.
Die Mutter des Nuklearphysikers: Mirta Díaz-Balart begleitet ihren Sohn an die Eröffnung eines wissenschaftlichen Seminars in Havanna, November 2008.
Ismael Francisco, Keystone
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Nuklearphysiker mit Bestnote

Zunächst schien es, als würde dies Fidelito ganz gut gelingen. 1949 geboren, war er das einzige Kind, das Fidel Castro mit seiner ersten Frau zeugte, Mirta Díaz-Balart. Als er sechs Jahre alt war, liessen sich seine Eltern scheiden, und es heisst, Fidels spätere Gattin Dalia Soto del Valle habe Fidelito möglichst vom neuen Familienkreis seines Vaters ferngehalten.

1974 schloss Castro Díaz-Balart in Moskau das Studium als Nuklearphysiker ab, mit Bestnote. Studiert hatte er unter falschem Namen. Er war der erste kubanische Nuklearphysiker überhaupt, doch genau damit ist auch die grösste Niederlage, die schwerste Schmach seines Lebens verbunden.

Als Chef der kubanischen Atomenergiekommission war er, der nie eine politische Karriere angestrebt hatte, zuständig für den Bau des Atomkraftwerks Juraguá in der Nähe der Küstenstadt Cienfuegos. Es war das grösste, teuerste, ambitionierteste Projekt in der Geschichte der kubanischen Revolution. Der Zusammenbruch der Sowjetunion zu Beginn der Neunzigerjahre verhinderte seine Vollendung, heute ist die Nuklearanlage eine vor sich hinrostende Ruine. Castro Díaz-Balart wurde seines Amtes enthoben, und schlimmer noch: Sein Vater sagte öffentlich, er habe sich als unfähig erwiesen.

Die grösste anzunehmende Demütigung

Von dieser grössten aller anzunehmenden Demütigungen hat sich Díaz-Balart nie mehr erholt. Für sieben Jahre verschwand er vollständig von der Bildfläche, danach übte er verschiedene Funktionen als wissenschaftlicher Berater aus. Er ging an Kongresse, erhielt die Ehrendoktorwürde einer russischen Universität, schrieb Bücher über Nuklearenergie.

Sein letzter öffentlicher Auftritt war bei der Beerdigung seines Vaters. 2013 sagte er in einem Interview mit dem Sender Russia Today über seine Kindheit und Jugend: «Mein Vater hatte nie die Möglichkeit, wie ein normales menschliches Wesen ruhig nach Hause zu kommen.»

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