US-Marine geht UFO-Beobachtungen auf den Grund

Kampfpiloten wurden wiederholt von unbekannten Flugkörpern ausmanövriert. Nun reagiert das Marine Corps.

Die US-Marine will herausfinden, was es mit den Berichten von UFO-Begegnungen auf sich hat: Ein Kampfjet landet auf der USS Wasp. (Keystone/Archiv)

Die US-Marine will herausfinden, was es mit den Berichten von UFO-Begegnungen auf sich hat: Ein Kampfjet landet auf der USS Wasp. (Keystone/Archiv)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Die US-Marine entwickelt derzeit neue Richtlinien zur Bearbeitung von Berichten über nicht identifizierbare Flugkörper (UFOs). Das amerikanische Webportal Politico meldete kürzlich, die Marine habe sich damit Beschwerden von Kampfpiloten gebeugt, die eine Anlaufstelle für Beschreibungen von unbekannten fliegenden Objekten verlangt hatten. Neben Pilotenberichten sollen künftig auch Radar- und Satellitendaten ausgewertet werden.

Die US-Marine bezog sich bei ihrer Entscheidung auf eine «Serie von Berichten über nicht autorisierte und/oder nicht identifizierte Flugkörper, die in militärische Sperrzonen und vom Militär kontrollierte Lufträume eingedrungen sind». Sowohl die Marine wie auch die Luftwaffe nähmen diese Berichte «aus Sicherheitsgründen sehr ernst», heisst es in einer Erklärung der Marine. Es würden deshalb Schritte zu einer «Formalisierung» der Bearbeitung entsprechender Berichte unternommen.

Schaden für Karriere

Marinepiloten von Flugzeugträgern wie zu Land hatten in der Vergangenheit gezögert, Begegnungen mit UFOs an Dienststellen des Pentagons weiterzugeben, weil sie befürchteten, damit ihrer Karriere zu schaden. Joseph Gradisher, ein Sprecher des stellvertretenden Leiters für Marineoperationen, sagte der Washington Post, man müsse jetzt herausfinden, «was es mit diesen Berichten auf sich hat». Offizielle der US-Marine hätten Mitglieder des Kongresses in einer «Serie von Briefings» über die neuen Massnahmen informiert, sagte Gradisher weiter.

Marinepiloten, darunter ausgebildete Ingenieure, hatten von fliegenden Objekten ohne sichtbare Antriebsquellen berichtet, die sich mit hoher Geschwindigkeit bewegt hätten. Das Pentagon betrieb von 2007 bis 2012 ein geheimes Programm zur Registrierung und Auswertung der UFO-Beobachtungen von Militärpiloten. Dessen ehemaliger Leiter Luis Elizondo begrüsste die neuen Massnahmen als «wichtigste Entscheidung, die von der Marine in Jahrzehnten getroffen worden ist».

Unerklärbare Vorfälle

Elizondos Dienstelle, die dem militärischen Nachrichtendienst DIA angegliedert war, hatte sich unter anderem mit einem Vorfall befasst, bei dem Marinepiloten des Flugzeugträgers USS Nimitz 2004 eine Reihe von UFOs beobachtet hatten. Diese Begegnungen hatten sich über mehrere Tage hingezogen. Modernste Kampfjets der Marine vom Typ F/A-18 Super Hornets waren dabei von unbekannten Objekten ausmanövriert worden. Laut den Piloten waren bei den UFOs keine Antriebsquellen feststellbar.

Die US-Streitkräfte hatten bereits 1947 mit der Registrierung von Berichten über UFOs begonnen. Von 1952 bis zur Einstellung 1969 hatte ein Geheimprogramm der US-Luftwaffe namens «Project Blue Book» insgesamt 12’000 Vorkommnisse untersucht, von denen 701 nicht erklärt werden konnten.

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