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Uber stoppt die Polizisten-Falle

Polizisten hatten in bestimmten Städten bisher kaum eine Chance, ein Uber-Taxi zu bekommen. Denn Uber benutzte das Programm Greyball, um diesen Personenkreis gezielt auszugrenzen. Nun will es diese Praxis stoppen.

Uber benutzte das Programm Greyball, um Undercoverpolizisten auszugrenzen. Damit soll nun Schluss sein.
Uber benutzte das Programm Greyball, um Undercoverpolizisten auszugrenzen. Damit soll nun Schluss sein.
Keystone

Die jüngste Kontroverse um den Taxiersatzdienst Uber liest sich wie das Drehbuch für einen Krimi. Mit dem Programm Greyball hat Uber in Städten wie Boston, Las Vegas, Paris und anderen einen Deckmantel über seinen dort verbotenen Betrieb gebreitet.

So wurden Undercoverpolizisten, die illegale Fahrten und Fahrer aufspüren sollten, mit dieser Science-Fiction ähnelnden App auf dem Smartphone in die Irre geführt. Damit soll allerdings jetzt Schluss sein.

Verbot braucht Zeit

Allerdings will das Unternehmen aus San Francisco dieses Programm weiter benutzen, zum internen Gebrauch, etwa um neue Angebote und Verfahren zu testen. «Wir haben mit einer Überprüfung der bisherigen Nutzungswege dieser Technologie begonnen», schrieb Uber-Sicherheitschef Joe Sullivan am Mittwoch auf seinem Blog. «Ausserdem verbieten wir ausdrücklich die weitere Nutzung gegen lokale Behörden.» So wie die Technik ausgelegt sei, werde es allerdings «eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, bis dieses Verbot vollständig durchgesetzt ist».

Sullivans Erklärung kam knapp eine Woche nach einem Artikel in der «New York Times», in dem behauptet wurde, Uber benutze Greyball, um Polizei und Aufsichtsbehörden irrezuführen, die das Unternehmen überprüfen wollten. Uber hat sich lange gegen behördliche Auflagen gewehrt.

In zahlreichen Städten wurde der Dienst mit nicht professionellen Fahrern in deren Privatautos, oft auf Druck der Taxibetreiber, verboten. Meist einigte man sich dann mit den Behörden darauf, entweder als reguläres Taxiunternehmen oder mit Sonder­regelungen arbeiten zu dürfen.

Seit 2014 im Einsatz

Das Greyball-Programm war in den USA seit 2014 im Einsatz und ist es in bestimmten Ländern noch heute. Es bildet auf der Smartphone-App von Uber eine falsche Karte mit zur Verfügung stehen Uber-Fahrzeugen ab, berichtete die «New York Times».

Wenn dann Polizei oder Be­hörden versuchten, einen dieser Fahrer anzufordern, um ihn zu überführen, warteten sie ver­geblich auf den Phantomfahrer. Gleichzeitig sagte die App den realen Uber-Fahrern, welche Fahrgäste bei ihrem Anruf als verdeckte Ermittler zu identifizieren waren.

Uber hat zugegeben, dass das Programm zur Irreführung der Behörden benutzt wurde. «Dieses Programm verweigerte Fahrbestellungen von Benutzern, die unsere Servicebedingungen verletzten – von der Absicht, den Fahrern physisch Schaden zuzufügen, bis zu Konkurrenten, die unseren Betrieb stören wollten, oder Gegnern, die mit den Be­hörden zusammenarbeiteten, um bestimmte Schwindelfahrten zu ordern, um die Fahrer in eine Falle zu locken», erklärte Uber in der vergangenen Woche.

Lange Skandal-Reihe

Greyball war der jüngste in einer Reihe von Skandalen bei Uber. Im Vormonat schockte eine frühere Uber-Angestellte das Silicon Valley mit einem öffentlichen Bericht über sexuelle Belästigung – und, dass sie dabei mit ihrer Beschwerde bei der Firmenleitung ins Leere lief. Waymo, ein Fabrikant autonom fahrender Autos, verklagte Uber im Februar, weil die Firma angeblich Geschäfts­geheimnisse gestohlen hatte, um sie für ein eigenes Projekt autonom fahrender Uber-Autos zu benutzen.

Und bei den grossen Protesten gegen das Muslim­einreiseverbot von Präsident Donald Trump soll Uber versucht haben, seine Fahrer abzuhalten, Teilnehmer zu den Demonstrationen zu befördern.

Uber-CEO Travis Kalanick bestritt diese Absicht und verliess das Wirtschaftsberaterteam von Trump. Er nahm Ex-Justizminister Eric Holder unter Vertrag, um den Vorwurf der sexuellen Be­lästigung zu untersuchen. Kalanick will in seiner Firma offenbar aufräumen lassen. Er kündigte an, Uber suche einen neuen COO, «der mit mir zusammenarbeitet, um das nächste Kapitel in unserer Geschichte zu schreiben».

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