Trumps unheimliche Erfolgsbilanz

Russland-Affäre und ­interne Querelen dominieren die Berichterstattung über die Trump-Regierung. Dabei geht unter, wie sehr der umstrittene Präsident die USA umgebaut hat. Eine Zwischenbilanz.

Trump und seine Mitstreiter krempeln den Staat um. Viele Änderungen  gehen in der täglichen Flut an Skandalmeldungen unter.

Trump und seine Mitstreiter krempeln den Staat um. Viele Änderungen gehen in der täglichen Flut an Skandalmeldungen unter. Bild: Keystone

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Seine Umfragewerte mögen im Keller sein, das Image in der Welt ruiniert, alle grossen Vorhaben in der Sackgasse – und doch hat Donald Trump in den sechs Monaten seiner Präsidentschaft sehr viel erreicht.

Zwar steht die historische Steuerreform in den Sternen, ist Obamacare noch am Leben, macht die Russland-Affäre Trump weiter das Leben schwer. Aber ein Blick auf die Felder Umwelt, Energie oder Justiz zeigt, wie konsequent und womöglich langfristig seine Regierung Amerika umbaut.

Die Skandal-Scheinwerfer verbrennen fast allen Sauerstoff der öffentlichen Aufmerksamkeit. Eine Zwischenbilanz aus einer Art Halbschatten.

Freipass für Unternehmen

Trump baut das Justizsystem um, er schreibt die Umwelt- und Einwanderungsgesetzgebung neu, er dereguliert, was immer möglich ist, bringt gewaltige Bauprojekte auf den Weg und befreit Wirtschaft und Unternehmen von dem, was er «Fesseln» nennt.

Diese Politik ist in allem das Gegenteil von Barack Obama, und viele sagen, genau darum gehe es ja. Seine Anhänger sind begeistert. 44 Prozent unter den Anhängern der Republikaner sagten dem Pew-Institut in einer Umfrage, ihr Leben sei heute besser als vor fünfzig Jahren. Vor einem Jahr lag der Wert in dieser Gruppe bei 18 Prozent.

Pittsburgh statt Paris – mit der Ankündigung des US-Rückzugs aus dem internationalen Klimaabkommen machte Trump ein weiteres Wahlversprechen wahr. Die EPA, eigentlich eine Behörde zum Schutz der Umwelt, will Stück für Stück Obamas «Clean Power Plan» zerlegen, der die Emissionen von Kraftwerken ­regelt.

Weitere Beispiele? Bald soll es wieder möglich sein, auch in der Arktis und dem Atlantik nach Öl zu bohren. Kleine Gewässer und Wasserwege sollen dem Schutz des Bundes entzogen werden. Die Regulierung von Methanemissionen soll zurückgebaut werden, ebenso CO2- und Effizienzvorschriften für Autos, Lastwagen und Treibstoff – sehr zum Wohlgefallen der Industrie im Autofahrerland der weiten Wege.

Die «New York Times» hat zusammengezählt, dass allein die EPA dreissig Umweltregulierungen aufgehoben, blockiert oder ins Jenseits verschoben hat. Mehr als jemals zuvor in so kurzer Zeit in der 47-jährigen Geschichte der Behörde.

Abbau des Staates

391 Regulierungen habe man den Garaus gemacht, brüstete sich das Weisse Haus im Juli. Wenn Chefstratege Steve Bannon das mit dem «Abschaffen des administrativen Staates» gemeint haben sollte, dann ist er in vollem Gang. Und unheimlich erfolgreich. Immer wieder trompetet Trump, wie stolz er auf seinen Kampf gegen die Regulierungen ist. Viele weitere Ketten würden gesprengt werden, twitterte er wiederholt, freie Fahrt für freie Unternehmer.

Mehr Wachstum, mehr Fabriken, mehr Profit – um diese Nabe kreist sein Politikverständnis. Umweltschutz, Konsumkritik oder Energiesparen scheinen ihm allenfalls lästig. Obamas Blockaden von Ölpipelines werden aufgehoben, Börsenregulierungen, die nach der Finanzkrise zum Schutz der Konsumenten eingerichtet worden waren, werden zurückgeschraubt.

Besonders effektiv ist das Justizministerium. Jeff Sessions, in Personalunion Justizminister und Chefankläger, ist für die Erzkonservativen die fleischgewordene Erfüllung ihrer Hoffnungen – und Albtraum der Demokraten. Mit harter Hand soll die Polizei durchgreifen, Besitz leichter beschlagnahmen können. Auch kleinste Drogendelikte werden wieder aufs Härteste bestraft, aller anerkannten Forschung über katastrophale Folgen zum Trotz.

Städte sollen Migranten keinen Schutz mehr bieten, werden mit dem Entzug von Geldern bedroht. Um 20 Prozent sind die Zahlen illegaler Einwanderer im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gemäss einem Grenzschutzbericht (Customs and Border Protections) gesunken.

Kritik in den sozialen Medien

Dass Teile von Trumps Einwanderungsstopp für manche Muslime gegen viel Widerstand überhaupt ins Werk gesetzt werden, ist Neil Gorsuch zu verdanken, Trumps Kandidat am Supreme Court. Diese Besetzung hat sehr langfristige Folgen, sie ist einer der grössten Erfolge des Präsidenten. Durchgesetzt von den Republikanern gegen alle Gepflogenheiten.

Überhaupt die Gerichte: Auf Lebenszeit besetzt Trump dutzendfach Stellen an Bundesgerichten mit Konservativen. Der «Atlantic» sieht eine grundlegende Änderungswelle in der Definition von Grundrechten rollen. Transgender und Homosexuelle haben es vielerorts wieder schwerer, ein Rückbau errungener Rechte auch hier.

Es gibt vor allem in sozialen Medien Kritik an den traditionellen US-Medien, dass sie über all diese Politik nicht oder nur wenig berichten, dass zu viele sich auf die immer selben Themen konzentrierten.

Gegeben wird in Washington das grosse Endlosstück mit den wiederholten Akten Russland, Rüpeleien und Amtsenthebung. Währenddessen ändert sich das Land, hat ein Wahlergebnis echte Konsequenzen. Ben Carson, Minister für Wohnen und Stadtentwicklung: «Ich bin froh, dass Trump das ganze Feuer auf sich zieht. Währenddessen kriege ich meine Sachen geregelt». (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.08.2017, 06:52 Uhr

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