Trumps Richterkandidat Kavanaugh verteidigt sich aggressiv

Christine Ford sagte im US-Senat gegen Brett Kavanaugh aus. Danach war er an der Reihe. Er schwor «vor Gott», die Wahrheit zu sagen.

Er sieht sich zu Unrecht beschuldigt: Brett Kavanaugh. (27. September 2018)

Er sieht sich zu Unrecht beschuldigt: Brett Kavanaugh. (27. September 2018)

Die Berufung des Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh schien schon fast durch zu sein, als Missbrauchsvorwürfe auftauchten.

Kavanaugh wies die Anschuldigungen der Psychologie-Professorin Christine Blasey Ford in seiner wütenden Ansprache mehrfach zurück und schwor vor Gott, die Wahrheit zu sagen. Er sei unschuldig und habe niemals jemanden belästigt. Innerhalb von zehn Tagen seien seine Familie und sein Name wegen der Vorwürfe «vollständig und dauerhaft» zerstört worden.

«Das zerstört meine Familie und meinen guten Namen»: Richterkandidat Brett Kavanaugh. (27. September 2018) Bild: Jim Bourg

«Dieser Nominierungsprozess ist zu einer nationalen Schande verkommen, erklärte der Jurist. Er warf den oppositionellen Demokraten vor, eine politische Kampagne gegen ihn zu fahren. »Seit meiner Nominierung im Juli gab es eine Besessenheit auf Seiten der Linken, irgendetwas zu finden, um meine Bestätigung zu verhindern.«

Er werde sich davon aber nicht einschüchtern lassen und an seiner Kandidatur für den Obersten US-Gerichtshof festhalten, erklärte Kavanaugh. »Sie mögen mich in der Endabstimmung besiegen, aber sie werden mich nie dazu bringen, aufzugeben.« Während seiner fast einstündigen Ansprache wurde seine Stimme mehrfach laut; später kämpfte er wiederholt mit den Tränen.

«Seine Aussage war ehrlich»

US-Präsident Donald Trump lobte den Auftritt Kavanaughs. Gleichzeitig stellte er sich klar hinter den mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierten Richter. «Richter Kavanaugh hat Amerika gezeigt, warum ich ihn nominiert habe», schrieb Trump am Donnerstagabend wenige Minuten, nachdem die Anhörung endete. «Seine Aussage war stark, ehrlich und fesselnd.»

Die Strategie der Demokraten, die Ernennung des Richters für den Supreme Court zu verhindern, sei schändlich, kritisierte der US-Präsident. Der Senat müsse nun über die Personalie abstimmen, verlangte Trump in seinem Tweet.

Am Mittwoch hatte Trump den Kandidaten Kavanaugh zwar weiter verteidigt, aber zugleich betont, falls er den Richterkandidaten für schuldig halte, könne er seine Meinung zu dessen Nominierung ändern.

Platzangst und Panik

Ford hatte zuvor ihre Anschuldigungen gegen den Richterkandidaten von US-Präsident Donald Trump in ihrer Befragung vor dem Justizausschuss bekräftigt und ihn unter Druck gesetzt. Sie liess am Donnerstag keinen Zweifel daran, dass es Kavanaugh gewesen sei, der 1982 bei einer Schülerparty versucht habe, sie zu vergewaltigen. Sie sei sich zu «100 Prozent» sicher, sagte sie.

Neben Ford haben auch mindestens zwei weitere Frauen Missbrauchsvorwürfe gegen Kavanaugh erhoben. Ford erklärte, sie habe wegen des Vorfalls an Angstzuständen, Platzangst, Panik und Symptomen gelitten, die einer posttraumatischen Belastungsstörung ähnelten. Ford kämpfte mit den Tränen, als sie vor der Befragung durch die Senatoren ihr vorbereitetes Statement ablas.

Detaillierte Beschreibung

«Ich bin heute nicht hier, weil ich das will«, sagte Ford. »Ich habe Angst. Ich bin hier, weil ich glaube, dass es meine Bürgerpflicht ist, Ihnen zu erzählen, was mir passiert ist, als Brett Kavanaugh und ich auf der High School waren.»

Ford beschrieb detailliert, wie ein betrunkener Kavanaugh in Anwesenheit einer seiner Freunde sexuell übergriffig geworden sei und seine Hand auf ihren Mund gelegt habe, um sie am Schreien zu hindern. »Es war schwer für mich zu atmen, und ich dachte, dass Brett mich versehentlich töten würde.«

Ford fügte hinzu, am deutlichsten in Erinnerung sei ihr das Gelächter der beiden Freunde bei dem Vorfall gewesen. »Das brüllende Gelächter der beiden, und dass sie auf meine Kosten Spass hatten.«

Die Professorin wirft Kavanaugh vor, 1982 versucht zu haben, sie zu vergewaltigen. Video: AP/AFP

Sie betonte mehrfach, sie verfolge keinerlei politische Absichten damit, die Vorwürfe öffentlich zu machen. Sie habe versucht, die Anschuldigungen dem Kongress zur Kenntnis zu bringen, als neben Kavanaugh noch weitere Namen für den Posten gehandelt wurden.

Demonstrationen beim Kapitol

In der Umgebung des Kapitols in Washington haben mehrere Hundert Gegner und Befürworter des Supreme-Court-Kandidaten protestiert.

Demonstranten gegen Kavanaugh hielten Schilder hoch mit Aufschriften wie «Wir glauben Dr. Blasey Ford». Die Gegenseite warb mit Slogans wie «Bestätigt Kavanaugh» für eine Berufung des Richters an den Supreme Court.

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Die Jura-Studentin Audrey Boyette, die Kavanaugh unterstützt, sagte: «Kavanaugh hat einen hervorragenden Charakter und eine makellose Bilanz.» Die 19-Jährige fügte hinzu: «Viele Liberale haben von Anfang an entschieden, dass sie gegen jeden sein würden, den Trump nominiert.» Ihre Kommilitonin Anna Kelchner sagte über Ford: «Sie ist nur eine weitere Frau, die Frauen schlecht dastehen lässt.»

Die 36-jährige Frauenrechtlerin Dawn Huckelbridge sagte dagegen: «Ich bin ausdrücklich gegen die Nominierung von Brett Kavanaugh hier.» Die von mehreren Frauen gegen Kavanaugh erhobenen Missbrauchsvorwürfe müssten ernst genommen werden.

«Ich lege meine Arme um dich»

Brett Kavanaugh wird mittlerweile von mindestens drei Frauen der sexuellen Übergriffe beschuldigt. Eine dieser Frauen, die vom selben Anwalt vertreten wird, ist Deborah Ramirez. Über Twitter liess sie Ford in einer bewegenden Nachricht ihre Unterstützung zukommen.

«Ich denke an dich», schrieb Ramirez in der Botschaft, die ihr gemeinsamer Anwalt John Clune veröffentlichte. «Sie wollen, dass wir uns einsam und alleine fühlen, aber ich lege meine Arme um dich und hoffe, die Menschen in unserem Land werden dasselbe für uns alle tun.»

Erbitterte Auseinandersetzungen

Vor den Kongresswahlen Anfang November ist die Personalie Gegenstand einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen Trumps Republikanern und den oppositionellen Demokraten geworden. Für diesen Freitag ist eine Abstimmung im Justizausschuss über eine Empfehlung Kavanaughs angesetzt. Danach muss der US-Senat über die Berufung des 53-Jährigen an das höchste US-Gericht abstimmen.

Die oppositionellen Demokraten haben grosse Vorbehalte gegen den erzkonservativen Richter und sehen eine Chance, dessen Bestätigung hinauszuzögern, bis sich nach der Zwischenwahl am 6. November möglicherweise die Mehrheitsverhältnisse im Senat ändern. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte im obersten US-Gericht auf viele Jahre den Konservativen ein Übergewicht geben. Die Richter dort werden auf Lebenszeit ernannt.

Vorwürfe gegen Brett Kavanaugh

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red/sda

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