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Trumps grösstes Problem heisst «Carona»

Das Virus, das der US-Präsident erst falsch benannte, dann verharmloste, hat das Potenzial, die Wahl im November massiv zu beeinflussen.

Beschwichtigen nützt nichts mehr: Donald Trump und Finanzminister Steven Mnuchin bei einem Pressetermin am 10. März. Foto: Keystone
Beschwichtigen nützt nichts mehr: Donald Trump und Finanzminister Steven Mnuchin bei einem Pressetermin am 10. März. Foto: Keystone

Man könnte annehmen, dass der Präsident eines Landes, in dem sich ein gefährliches Virus verbreitet, in dem Bürger sterben oder um ihr Leben fürchten, andere Sorgen hat, als Partei­interna der Opposition zu kommentieren. Aber Donald Trump begleitet seit Wochen mit hämischen Tweets die Vorwahlen der Demokraten.

Am Mittwochmorgen war er besonders früh dran: Die Demokratische Partei, so twitterte er um 5.55 Uhr, habe die Kandidatur von Bernie Sanders «komplett zerstört». Das war, nachdem der ehemalige Vizepräsident Joe Biden – «Sleepy Joe» in Trumps Diktion – die Vorwahlen in mehreren Bundesstaaten gewonnen und sich die demokratische Präsidentschaftskandidatur praktisch gesichert hatte. Da konnte Trump nicht widerstehen.

Es spricht vielleicht für Joe ­Biden, dass der Präsident lieber gegen Sanders angetreten wäre. Allerdings hat auch Biden eine offene Flanke, und Trumps Wahlkampfhelfer attackieren sie bereits: Sie versuchen, den 77-jährigen Kandidaten als tattrig und senil, wenn nicht gar dement darzustellen.

Biden verhaspelt sich zuweilen in Reden oder verliert den Faden. Manchmal verwechselt er Orte, Personen oder Ereignisse. Wenn man seine Wahlkampfauftritte aus der Zeit, als er Senator oder Vizepräsident von Barack Obama war, mit den heutigen vergleicht, sieht man deutlich, dass Biden in jeder Hinsicht gealtert ist.

Keine gute Figur als Krisenmanager

Allerdings geht auch Trump nicht ohne Probleme in den Wahlkampf. Das grösste heisst Corona – oder, wie der Präsident das Virus in einem seiner ersten Tweets zum Thema nannte: «Carona». Niemand kann derzeit vorher­sagen, wie die Epidemie weltweit und in den USA verlaufen wird. Dass die Corona-Krise allerdings das Potenzial hat, die Wahl im November massiv zu beeinflussen, steht ausser Frage.

Da sind zum einen die medizinischen Aspekte der Krise. Trump hat das Virus offensichtlich nicht ernst genommen. Bis heute versucht er, seine Landsleute dadurch zu beruhigen, dass er in Tweets erklärt, auch an der saisonalen Grippe stürben jedes Jahr Tausende. Das hat zur ­Folge, dass Republikaner in Umfragen sehr viel öfter als Demokraten die Meinung äussern, die Medien übertrieben die Bedrohung durch Corona, um dem Präsidenten politisch zu schaden.

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Da sämtliche Experten in und ausserhalb der Regierung sich inzwischen aber nicht mehr scheuen, dem Präsidenten öffentlich zu widersprechen, wirken dessen Beschwichtigungsbemühungen zunehmend bizarr. Immer mehr Bundesstaaten, egal, ob demokratisch oder republikanisch regiert, greifen zu drastischen Massnahmen.

Zugleich häufen sich die Berichte darüber, dass die Weltmacht USA offenbar nicht in der Lage ist, genügend Spitalbetten oder auch nur Tests für alle vom Coronavirus betroffenen Bürger zur Verfügung zu stellen. Als ­medizinischer Krisenmanager macht der Präsident daher im Moment keine gute Figur.

Schwer abzusehen, wie sich alles auf die Wahl auswirkt

Allerdings scheinen Trump auch eher die wirtschaftlichen Folgen der Krise zu interessieren, die ebenfalls dramatisch sein könnten. Trump erzählt den Amerikanern seit drei Jahren, dass der Dow-Jones-Index der wichtigste Massstab für den Erfolg seiner Präsidentschaft sei. Die teil­weise heftigen Kursstürze an der Wallstreet in den letzten Tagen untergraben daher Trumps wichtigstes Wiederwahlargument.

Insofern ist es nicht überraschend, dass der Präsident allerlei Massnahmen vorgeschlagen hat, um die Finanzkraft von Unternehmen und Bürgern zu stärken. Dadurch wird zwar das Virus nicht eingedämmt, aber die Wirtschaft leidet vielleicht weniger stark.

Wie sich das alles am Ende auf die Wahl auswirken wird, ist schwer abzusehen. Sollte die ­Corona-Krise bis zum Sommer vorbei sein, ist es denkbar, dass die Wirtschaftslage sich rasch verbessert. Zieht die Krise sich länger hin, kann Trumps Ruf aber auch erheblich Schaden nehmen. Es gibt dafür ein Beispiel: Präsident George W. Bush hat sich 2005 von dem verpatzten Krisenmanagement beim Hurrikan Katrina nie ganz erholt.

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