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Trump war in Paradise und verliess «Pleasure»

Ein pubertärer Tweet und ein peinlicher Versprecher: Am Wochenende zeigte sich der US-Präsident nicht von seiner besten Seite.

Der US-Präsident machte sich im von der Brandkatastrophe verwüsteten Ort Paradise ein Bild von der Lage. (Video: AFP)

Das Weisse Haus des Präsidenten Donald Trump ist wohlbekannt für Anstand, Würde und Gravitas. Deshalb sollte Jim Acosta, CNN-Korrespondent im Weissen Haus, auf immer verbannt werden. Bekanntlich hatte der Journalist das Gebot der Wohlanständigkeit im Trump'schen Haus durch seine penetrante Befragung des Präsidenten bei einer Pressekonferenz verletzt. «Im Weissen Haus muss Anstand herrschen», begründete Trumps Sprachrohr Sarah Sanders den vorübergehenden Entzug der Akkreditierung für Acosta.

Wie immens der Anstand im Weissen Haus ist, zeigte der Hausherr eindrücklich, als er am Sonntag den demokratischen Abgeordneten Adam Schiff aus Kalifornien in die Schranken verwies. Schiff wird Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus werden, sobald der neue Kongress im Januar einrückt. Und in seiner neuen Rolle wird der Abgeordnete Schiff gewiss so manche Decken lüften, unter denen sich Donald Trumps Geheimnisse verstecken.

Natürlich kann Trump ihn nicht leiden. Am Sonntag twitterte sich der Präsident seinen Unmut von der Seele. Er nannte Adam Schiff «den kleinen Adam Schitt». Wie Exkrement. Anstand war out, wie übrigens schon oft zuvor, Kot war in.

Er fühle sich «zurückversetzt in die 7. Klasse», staunte Schiffs Kollege, der Abgeordnete Mike Quigley, am Montag über den präsidialen Tweet. Quigley ist nicht der erste, der überzeugt ist, Trump sei ein Gefangener pubertärer Triebe und verhalte sich deswegen wie ein Heranwachsender.

Ziel von Trumps Spott: Der künftige Vorsitzende des Geheimdienstausschusses Adam Schiff. (Bild: Joshua Roberts, Reuters)
Ziel von Trumps Spott: Der künftige Vorsitzende des Geheimdienstausschusses Adam Schiff. (Bild: Joshua Roberts, Reuters)

Adam Schiff meldete sich gleichfalls zu Wort: «Wow, Mr. Präsident, das ist ein toller Witz! War das so, wie Sie Mr. Muellers Fragen beantwortet haben – oder haben Sie den Tweet selbst verfasst?»

«Ich würde mir die Bestnote ausstellen»

Damit spielte Schiff auf die Vorwoche an, als sich der Präsident geschlagene vier Tage abmühte, schriftlich eingereichte Fragen des Russland-Sonderermittlers zu beanworten.

Um sich nicht in einem Netz womöglich folgenschwerer Widersprüche zu verstricken, beriet sich Trump tagelang mit seinen Anwälten. Danach erklärte er am Sonntag in einem Interview mit Fox News, nur er allein habe Muellers Fragen beantwortet. «Meine Anwälte schreiben keine Antworten, ich schreibe Antworten, und ich habe die Fragen sehr leicht beantwortet», sagte Trump.

Wahr daran ist nichts, doch verbietet der Anstand, den Präsidenten einen Lügner zu nennen. Da Trump in einer ihm gemässen Realität lebt, begreift er sich als bester und anständigster Präsident seit George Washington. «Ich würde mir die Bestnote ausstellen, ist das genug?» reagierte Trump am Sonntag denn auch auf die Frage des Journalisten Chris Wallace, wie er sich als Präsident einschätze. «Besser geht es doch überhaupt nicht!», fügte der Primus unter den Präsidenten hinzu.

Trump versteht sich als «stabiles Genie» und eben als grösster Präsident aller Zeiten, wenngleich Anstand verlangte, subtiler zu prahlen und den Narziss etwas dezenter herauszuhängen. Schliesslich unterläuft sogar dem stabilsten Genie dann und wann ein Fehler.

So etwa am Samstag, als Trump nach der Besichtigung der Feuerkatastrophe im kalifornischen Örtchen Paradise bekanntgab, er habe soeben «Pleasure» verlassen. Vom Paradies wanderte der Präsident ins «Vergnügen», ehe man ihn korrigierte, dass er sich im Paradies befunden habe und nicht im «Vergnügen». Jeder sagt mal «Schitt», nicht wahr?

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