Trump: «Kavanaugh hatte ein kleines Alkoholproblem»

Der US-Präsident stellt sich weiterhin hinter seinen Richterkandidaten. Die Demokraten werfen ihm vor, das FBI einzuschränken.

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Martin Kilian@tagesanzeiger

Die Kontroverse um den von Donald Trump für das oberste Bundesgericht nominierten Richter Brett Kavanaugh schwelte auch am Montag unvermindert weiter. Zum Streitpunkt zwischen den Demokraten und dem Weissen Haus geriet insbesondere das Ausmass der neuen Untersuchung, die das FBI am Freitag eingeleitet hat.

Nachdem der republikanische Senator Jeff Flake (Arizona) weitere Ermittlungen verlangt hatte, erklärte sich die republikanische Mehrheit im Justizausschuss des Senats bereit, das FBI bis zum kommenden Freitag arbeiten zu lassen. Damit soll versucht werden, den sexuellen Anschuldigungen gegen Kavanaugh auf den Grund zu kommen. Bereits am Wochenende aber wurde der Verdacht laut, das Weisse Haus habe dem FBI enge Grenzen für die Untersuchung gesetzt. So sollten lediglich vier Zeugen einvernommen und neuen Vorwürfen bezüglich Kavanaughs exzessivem Trinken nicht nachgegangen werden. Am Montag wies Trump diese Darstellung zurück: «Ich tue, was immer der Senat möchte», antwortete der Präsident auf die Fragen von Journalisten.

Video: Trump ordnet FBI-Untersuchung im Fall Kavanaugh an

Trotz Recherchen: Der Präsident steht weiterhin hinter seinem Kandidaten. (Video: Reuters)

Gleichzeitig machte der US-Präsident einmal mehr deutlich, dass er weiterhin voll hinter seinem Kandidaten für den Supreme Court steht. Kavanaugh sei «sehr, sehr schrecklich behandelt» worden und er werde eine «Hexenjagd» auf ihn nicht zulassen. Auch habe er einen der demokratischen Senatoren, die Kavanaugh am Freitag befragt hätten, «in einer sehr kompromittierenden Situation erlebt», so Trump weiter.

Zeitzeugen widersprechen Kavanaugh

Im Mittelpunkt der neuen Kontroverse steht die Frage, ob Kavanaugh als Teenager und Student so viel Alkohol getrunken hat, dass er sich an gewisse Zeitabschnitte nicht mehr erinnern kann. Vor dem Senatsausschuss hatte der Richter am Freitag zwar zugegeben, dass er «gern» Bier getrunken habe. Trump attestierte Kavanaugh deshalb «ein kleines Problem» mit Alkohol in der Vergangenheit. Der Richter selber verneinte ein Alkoholproblem nachdrücklich.

Mehrere Zeugen aus Kavanaughs Studienzeit widersprechen ihm jedoch: Nach seinem Stubengenossen James Roche meldete sich ein weiterer Kommilitone aus Kavanaughs Studienzeit an der Yale-Universität und behauptete, der Kandidat habe des Öfteren zu viel getrunken und sei in total betrunkenem Zustand «feindselig» geworden. In einer öffentlichen Erklärung gab Charles Ludington an, Kavanaugh habe «nicht die Wahrheit gesagt». Seine Lügen vor dem Senatsausschuss disqualifizierten ihn für das höchste Richteramt.

Hat er vor dem Senat gelogen?

In einem Interview am Sonntag sagte auch Senator Flake, die Nominierung Kavanaughs sei «vorbei», wenn herauskäme, dass er vor dem Senat gelogen habe. Kavanaughs Alkoholkonsum ist von Belang, weil seine Anschuldigerinnen Christine Blasey Ford und Deborah Ramirez behaupten, er sei bei seinen angeblichen sexuellen Übergriffen stark betrunken gewesen.

Insider berichten, Präsident Trump sei am Freitag ausser sich gewesen, weil Mitch McConnell (Kentucky), der republikanische Mehrheitsführer im Senat, nicht sofort eine Abstimmung des gesamten Senats über Kavanaughs Nominierung anberaumt habe. Man hätte republikanischen Abweichlern danach einen politischen Preis abverlangen können, so der Präsident vor Vertrauten.

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