Trump hält Basis mit weisser Identitätspolitik bei Laune

USA-Korrespondent Thomas J. Spang über Donald Trumps sinkende Umfragewerte.

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Zu Tausenden folgten Donald Trumps Anhänger dem Ruf des Präsidenten zu einer «Make America Great»-Kundgebung in West Virginia. «Die Russland-Geschichte ist eine totale Erfindung», liest er wohl auf Anraten seiner Anwälte Wort für Wort vom Teleprompter ab. «Die wollen euch mit einer erfundenen Geschichte der Führung berauben, die ihr wollt», pumpt sich der Präsident auf.

Hinter der Fassade dürfte ihm das Lachen aber längst vergangen sein. Denn schon bald könnte er von der Grand Jury von Sonderermittler Robert Mueller vorgeladen werden. Die Russland-Affäre hat gewiss ihren Anteil an dem massiven Popularitätsverlust des Präsidenten insgesamt. Seine Zustimmungswerte fielen zuletzt deutlich unter die 40-Prozent-Marke. Die angesehenen Meinungsforscher von Quinnipiac registrierten diese Woche ganze 33 Prozent Zufriedenheit mit Trumps Amtsführung.

Doch an der Basis steht der US-Präsident weiter hoch im Kurs. Dazu gehören vor allem weisse Männer, die jenseits der Bildungsschicht mit 47 zu 48 Prozent in ihrer Ansicht über einen Präsidenten gespalten bleiben. Die Frage drängt sich auf, was sie in Trump erkennen. Der Politologe John Sides von der George Washington University hat in den Forschungen mit seinem Kollegen Michael Tesler herausgefunden, dass unter Trump-Wählern das Thema «weisse Identität» eine überragende Rolle spielt.

Trump appelliert nach wie vor an die vermeintliche Opferrolle, in der sich vor allem weisse Männer sehen, die nicht nur gegenüber Minderheiten zurückfallen, sondern auch im traditionellen Geschlechterverhältnis. Der Präsident beweist ein sicheres Gespür für die Ängste dieser Wähler und tut alles dafür, diese Basis zu sichern.

Das erklärt, warum die nationalistischen Identitätspolitiker um Stephen Bannon die Säuberungen im Weissen Haus nicht nur überlebten. Wie die Vorstösse für eine Halbierung der legalen Einwanderung, die angedrohten Massnahmen gegen die angebliche Diskriminierung weisser Studenten bei der Universitätszulassung oder die offene Unterstützung Trumps für Polizeigewalt gegen Gangmitglieder zeigen, ging dieser Flügel gestärkt aus dem Chaos der letzten Wochen hervor.

Nichts von alldem hat nur den Hauch einer Chance, Gesetz zu werden, den Gerichten standzuhalten oder die Popularität des Präsidenten insgesamt steigen zu lassen. Trump bedient damit seine Basis, der er etwas bieten muss, damit sie bei der Stange bleibt. Solange Trump diese bei Laune hält, so die Analysten, sitzt er weiter sicher im Sattel.

Mail: ausland@bernerzeitung.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.08.2017, 09:18 Uhr

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