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Terrorfurcht im Wahlkampfendspurt

Der Terroralarm kommt für die US-Regierung zum heikelsten Zeitpunkt. Obamas Partei drohen ohnehin schwere Verluste, eine Panne bei der Terrorabwehr wäre politisch verheerend.

Terroralarm am Ende des Wahlkampfs: Barack Obama bei einer Rede vor seinen Anhängern in Chicago.
Terroralarm am Ende des Wahlkampfs: Barack Obama bei einer Rede vor seinen Anhängern in Chicago.
Keystone

Die Nachricht liess die Nacht im Weissen Haus zum Tage werden. Kurz nach halb elf am Donnerstagabend ruft Sicherheitsberater John Brennan seinen Chef, US-Präsident Barack Obama, an. Terroralarm: An Bord eines Frachtflugzeugs in England mit Ziel USA sei ein Sprengstoffpäckchen gefunden worden.

Um ein Uhr nachts werden die US-Geheimdienste per Videoleitung zur Besprechung ins Lagezentrum des Weissen Hauses geschaltet, um Viertel nach fünf am Freitagmorgen folgen Telefonate mit europäischen Verbündeten. Stunden später tritt Obama mit ernstem Gesicht vor die Presse. Es gebe eine «terroristische Bedrohung», sagt er. «Wir nehmen diese Bedrohung sehr ernst.»

Ein heikler Zeitpunkt

Fast schon minutiös schilderte Obamas Sprecher Robert Gibbs später vor Journalisten den Ablauf des Geschehens hinter den Kulissen im Weissen Haus. Das Protokoll sollte auch dem Nachweis der eigenen Handlungsstärke dienen. Die Lage sei im Griff, so die Botschaft, die Gefahrenabwehr funktioniert wie vorgesehen. Die Terrorwarnung aus Übersee kam zu einem heiklen Zeitpunkt: Am Dienstag sind Kongresswahlen in den USA. Obamas Partei drohen ohnehin schwere Verluste, eine Panne bei der Terrorabwehr wäre politisch verheerend.

Politisch verlangt der Terroralarm im Wahlkampfendspurt dem Weissen Haus einen Balanceakt ab. Der Präsident und seine Partei müssen den Eindruck vermeiden, die Terrorfurcht parteipolitisch für den Stimmenfang zu instrumentalisieren. Andererseits durfte Obama nicht den Fehler von Weihnachten letzten Jahres wiederholen: Damals liess er sich drei Tage Zeit, ehe er sich zur Festnahme eines mutmasslichen Attentäters äusserte, der auf einem Delta-Flug nach Detroit mit Sprengmaterial hantiert hatte. Obamas Sprecher Gibbs wies kategorisch die Vermutung zurück, seine Partei könnte den Fund der Sprengstoffpäckchen nun im Wahlkampf für ihre Zwecke ausschlachten.

«Al-Qaida plant weiter Angriffe auf unser Land»

Obamas Regierung lässt keinen Zweifel, dass sie die Gefahr sehr ernst nimmt. Das Komplott trage «die Handschrift von al-Qaida», sagte Heimatschutzministerin Janet Napolitano. Von professionellen Sprengsätzen mit dem hochexplosiven Stoff PETN ist die Rede, sie wurden in Druckerkartuschen versteckt in zwei Frachtflugzeugen in England und in Dubai gefunden.

Aufgegeben wurden die Pakete im Jemen, der als Al-Qaida-Hochburg gilt. Adressiert waren sie an jüdische Einrichtungen in Chicago. Auch wenn die Urheber noch endgültig ermittelt werden müssten, sagt Obama, sei doch eines klar: «Al-Qaida plant weiter Angriffe auf unser Land, unsere Bürger, unsere Freunde und Verbündete.»

Frachtflugzeuge werden weniger untersucht

Bomben in Frachtflugzeugen: Nachdem die Sicherheitsvorkehrungen im Passagierverkehr in den vergangenen Jahren erheblich verschärft wurden, wäre dies eine neue Variante des Terrorismus. Die Ladung in Frachtflugzeugen wird viel weniger scharf untersucht als jene in Passagierflugzeugen. «Al-Qaida versucht, all die Hürden und Hindernisse zu überwinden, die wir ihr in den Weg gelegt haben», sagt Obamas Sicherheitsberater Brennan vor Journalisten im Weissen Haus. «Sie suchen ganz klar nach verwundbaren Stellen in unserem System und versuchen, diese auszunützen.»

Viele Fragen bleiben zunächst offen - etwa, ob es wirklich plausibel ist, dass Al-Qaida-Aktivisten Pakete aus dem Jemen ausgerechnet an Synagogen in den USA adressieren. Experten spekulieren, es habe sich nur um einen Testlauf gehandelt, mit dem die Täter das Sicherheitssystem prüfen wollten. «Einen traditionellen Testlauf unternimmt man normalerweise nicht mit echtem Sprengstoff», widerspricht Brennan. «Wir können aber noch nicht sagen, was genau die Absicht der Täter war.»

AFP/jak

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