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«Sperrt rassistische Mörder ein, nicht schwarze Jugendliche»

Der Freispruch im Prozess um den Tod von Trayvon Martin wühlt die USA auf. Tausende protestieren gegen das Urteil. Das Justizministerium prüft nun ein neues Verfahren gegen den Schützen George Zimmerman.

Mischten sich unter die Demonstranten: Sängerin Beyonce und Ehemann Jay-Z in New York. (20. Juli 2013)
Mischten sich unter die Demonstranten: Sängerin Beyonce und Ehemann Jay-Z in New York. (20. Juli 2013)
Reuters
Die Sängerin setzte sich schon früh für Trayvon Martin ein: Beyonce hört einem Redner zu. (20. Juli 2013)
Die Sängerin setzte sich schon früh für Trayvon Martin ein: Beyonce hört einem Redner zu. (20. Juli 2013)
AFP
...Fotos vom verwundeten Hinterkopf von George Zimmerman deuten aber auf Notwehr hin. (17. Mai 2012)
...Fotos vom verwundeten Hinterkopf von George Zimmerman deuten aber auf Notwehr hin. (17. Mai 2012)
Reuters
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Nach seinem Freispruch im Strafrechtsprozess um die Tötung eines schwarzen Teenagers in Florida kommt auf den Schützen George Zimmerman möglicherweise ein neues Verfahren zu. Das US-Justizministerium prüft laut Fox News, ob sich Zimmerman der Verletzung von Bürgerrechten schuldig gemacht haben und deshalb vor ein Bundesgericht gestellt werden könnte.

Der 29-jährige Hispano-Amerikaner hatte den 17-jährigen schwarzen Trayvon Martin im Februar 2012 erschossen, als er für eine Bürgerwehr auf Patrouille war. Die Anklage argumentierte, dass Zimmerman den Teenager verfolgte und dann tötete. Sie brachte dabei indirekt Rassismus als Tatmotiv ins Spiel. Vor diesem Hintergrund hatte der Tod des Teenagers in den USA auch hohe Wellen geschlagen. Die Verteidiger beriefen sich dagegen auf Notwehr. Eine Geschworenenjury in Sanford sprach Zimmerman am späten Samstagabend frei. Der Spruch löste im ganzen Land Proteste aus.

Anklage vor Bundesgericht denkbar

Bürgerrechtsorganisationen riefen das Justizministerium auf, Zimmerman jetzt wegen Bürgerrechtsverstössen zu belangen. Die Behörde hatte bereits nach dem Vorfall 2012 eigene Untersuchungen eingeleitet, aber dem staatlichen Strafrechtsprozess in Florida Vorrang eingeräumt.

Die Untersuchungen gingen jetzt weiter, und dabei würden auch die im Florida-Verfahren vorgelegten Beweise in Betracht gezogen, hiess es laut Medienberichten am Sonntag in einer Ministeriumsmitteilung.

Nach US-Recht könnte Zimmerman zwar nach seinem Freispruch nicht erneut – wie in Sanford – wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz oder Totschlags vor Gericht gestellt werden. Aber eine Anklage wegen Bürgerrechtsverletzungen vor einem Bundesgericht wäre möglich, weil es sich um einen anderen Vorwurf handelt – wenn auch im Zusammenhang mit derselben Tat.

«Keine Gerechtigkeit, kein Frieden»

In der Nacht kam es zu Protestaktionen, nachdem es bereits kurz nach der Urteilsverkündung in mehreren Städten Demonstrationen gegeben hatte. «Keine Gerechtigkeit, kein Frieden», rief die Menge, die sich zunächst am Union Square in Manhattan versammelt hatte, bevor sie am Abend zum Times Square marschierte. «Das Volk sagt schuldig.» Auf einem Schild stand: «Sperrt rassistische Mörder ein, nicht schwarze Jugendliche.»

Viele Demonstranten, darunter neben vielen Schwarzen auch Weisse und Hispanics, äusserten sich empört über das Urteil in dem Prozess, der seit Monaten das Land bewegte. «Ich bin entsetzt», sagte die 21-jährige Carli Van Voorhis. «Der Mann war bewaffnet, der Junge war es nicht, und der Mann mit der Waffe kommt davon. Wenn wir sagen, dies war keine Rassenfrage, lügen wir.»

«Wir haben ein grosses Problem mit Rasse und ein anderes Problem mit Waffen», sagte ein Redner, Rodney Rodriguez. «Hätte Zimmerman keine Waffe gehabt, hätte er Trayvon Martin nicht töten können.» Am Nachmittag hatte US-Präsident Barack Obama zur Ruhe aufgerufen. «Wir sind ein Rechtsstaat, die Jury hat entschieden», erklärte Obama. Zugleich brachte er den Fall in Verbindung mit den Waffengesetzen. «Wir sollten uns fragen, ob wir alles unternehmen, um die Welle der Gewalt mit Schusswaffen aufzuhalten», sagte Obama.

Kritik an «Stand Your Ground»-Gesetz

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, der seit langem für strengere Waffengesetze kämpft, äusserte Kritik an Gesetzen wie dem «Stand Your Ground»-Gesetz, das Bürgern in Florida ein ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung mit Schusswaffen einräumt. «Leider werden alle Fakten in diesem tragischen Fall wohl nie bekannt werden. Doch eine Tatsache ist seit langem kristallklar: Schiess-zuerst-Gesetze wie in Florida können zu gefährlicher Selbstjustiz führen und jene schützen, die unbesonnen mit Waffen umgehen», sagte Bloomberg.

sda/AP/AFP/mw/chk/kle

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