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Sonderermittler Mueller geht gegen einen weiteren Trump-Vertrauten vor

Roger Stone ist der nächste Berater des Präsidenten, der in der Russland-Untersuchung angeklagt wird.

Alan Cassidy, Washington
Hat nicht nur im Kongress unter Eid gelogen: Ex-Trump-Berater Roger Stone. Foto: Reuters
Hat nicht nur im Kongress unter Eid gelogen: Ex-Trump-Berater Roger Stone. Foto: Reuters

Nur wenige Stunden, bevor die schwer bewaffneten Agenten des FBI am Freitagmorgen an seine Haustür in Florida klopften, hatte Roger Stone auf seinem Instagram-Konto noch ein Foto geteilt. Es zeigt den 66-Jährigen lachend an der Seite von Donald Trump. «Stolz auf meinen Präsidenten», schrieb er darunter. Dann wurde Stone vom FBI festgenommen, auf Anweisung von Sonderermittler Robert Mueller, der untersucht, ob es bei Trumps Wahl zu Absprachen mit Russland gekommen ist.

Mueller wirft dem langjährigen informellen Berater Trumps vor, Untersuchungen durch den Kongress behindert, Falschaussagen gemacht und Zeugen beeinflusst zu haben. Im Kern geht es um die Rolle, die Stone rund um die gestohlenen E-Mails der Demokratischen Partei spielte, die in der Endphase des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht wurden. Diese steht im Verdacht, Verbindungen zu russischen Geheimdiensten zu haben.

Was Trumps Team wusste

In der 24-seitigen Anklageschrift zeichnet Mueller die Kontakte nach, die Stone zu Wikileaks hatte. Demnach war Trumps Vertrauter schon frühzeitig im Bild über das von russischen Hackern beschaffte Material, das Wikileaks ins Internet stellen wollte – und er informierte darüber die Präsidentschaftskampagne von Trump.

Ein laut Anklageschrift «hochrangiger Vertreter der Trump-Kampagne» erkundigte sich wiederum bei Stone danach, welches Material Wikileaks über Trumps Konkurrentin Hillary Clinton hatte. Um wen es sich dabei handelt und auf wessen Anweisung er es tat, steht in der Anklage nicht. Allerdings liest sich aus der Schrift, dass Trumps Wahlkampfteam zumindest Bescheid darüber wusste, was Wikileaks vorhatte.

Über all diese Kontakte und Bemühungen hat Stone immer wieder gelogen – in Interviews mit den Medien, aber auch gegenüber einem Ausschuss des Kongresses, vor dem er unter Eid aussagte. Zudem versuchte Stone laut Mueller, einen anderen Zeugen in dieser Angelegenheit mit Drohungen zu Falschaussagen gegenüber dem Kongress zu zwingen.

Trump bezeichnete Muellers Untersuchung auf Twitter einmal mehr als «grösste Hexenjagd in der Geschichte unseres Landes» und schrieb: «NO COLLUSION», was eine Zusammenarbeit mit Russland meint. Selbst «Koyoten an der Grenze» und Drogendealer würden besser behandelt. Seine Sprecherin Sarah Sanders sagte, die Anklage gegen Stone habe «nichts mit dem Präsidenten zu tun».

Dennoch verfestigt sich mit der neuesten Entwicklung ein Bild vom zweifelhaften bis kriminellen Umfeld des Präsidenten. Inzwischen hat Mueller bereits gegen sechs ehemalige Mitarbeiter Trumps Anklage erhoben, mehrere – darunter der frühere Wahlkampfchef Paul Manafort und Ex-Anwalt Michael Cohen – wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Ein tiefer Fall

Stone wurde nach seiner Verhaftung gegen eine Kaution freigelassen. Er sagte bei einem Auftritt vor Journalisten, er sei unschuldig. Die Anklage gegen ihn ist ein tiefer Fall für einen der schillerndsten und umstrittensten Lobbyisten des US-Politbetriebs, der schon für mehrere republikanische Präsidenten gearbeitet hat. Eine 2017 erschienene Dokumentation der Internet-TV-Plattform Netflix machte ihn auch für eine breite Öffentlichkeit bekannt. Man sieht Stone darin, wie er eine Tätowierung von Richard Nixon auf seinem Rücken in die Kamera zeigt und sich dafür rühmt, in Trump schon sehr früh einen möglichen Präsidentschaftskandidaten gesehen zu haben.

Ausgebuht: Roger Stone tritt vor dem Gerichtsgebäude vor die Medien. Video: Reuters

Offiziell war Stone nur kurze Zeit für Trumps Kampagne tätig, in informeller Funktion unterhielt er aber weiterhin Kontakt zu Trump und zu dessen Umfeld. Zuletzt sagte er immer wieder öffentlich, er werde auch im Fall einer Anklage gegen ihn nicht gegen Trump aussagen. «Ich werde nicht tun, was Michael Cohen getan hat, und Lügen erfinden, um Druck von meiner eigenen Person zu nehmen», sagte er bei Fox News.

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