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So verlief die Verhaftung von Ratko Mladic

Neue Details zeigen auf, wie Geheimdienst und Polizei den mutmasslichen Kriegsverbrecher festgenommen haben. Dabei hatte Mladic mit seinen Bodyguards geplant, dass es gar nie soweit kommen wird.

Bosnische Serben demonstrieren gegen die Verhaftung von Mladic in Kalinovik, dem Heimatort ihres ehemaligen miltärischen Führers. (29. Mai 2011)
Bosnische Serben demonstrieren gegen die Verhaftung von Mladic in Kalinovik, dem Heimatort ihres ehemaligen miltärischen Führers. (29. Mai 2011)
Keystone
Eine Demonstration gegen die Verhaftung von Ratko Mladic gerät in Belgrad ausser Kontrolle. (29. Mai 2011)
Eine Demonstration gegen die Verhaftung von Ratko Mladic gerät in Belgrad ausser Kontrolle. (29. Mai 2011)
Keystone
Eine Aufnahme des bosnischen Staatsfernsehens zeigt den flüchtigen Kriegsverbrecher Mladic an einem unbekannten Ort im Juli 2009.
Eine Aufnahme des bosnischen Staatsfernsehens zeigt den flüchtigen Kriegsverbrecher Mladic an einem unbekannten Ort im Juli 2009.
Keystone
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Ein Belgrader Gericht hat entschieden, dass der mutmassliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag überstellt werden kann. Die Verteidigung werde am Montag gegen den Entscheid Widerspruch einlegen. Eine Gerichtssprecherin bestätigte, die Richter hätten befunden, dass Mladics Gesundheitszustand einen Prozess in Den Haag zulasse.

Heute wurden Bilder publiziert, die den festgenommenen Ratko Mladic in schlechter Verfassung zeigen: der einst vital erscheinende Kriegsverbrecher als bleicher, alter und abgemagerter Mann, der gemäss unbestätigten Quellen auch noch an Demenz leiden soll.

Die Bilder dokumentieren den erstaunlichen äusseren Wandel, den Mladic seit seinem Untertauchen durchlief. Gleichzeitig dienen sie auch als mögliche Erklärung, weshalb die Festnahme so reibungslos ablief – ganz im Gegensatz zur Festnahme von Osama Bin Laden, bei der viel Blut vergossen wurde und ein Superhelikopters abstürzte.

Versuchte Täuschung mit falscher Identität

Die Operation Mladic verlief ohne Zwischenfälle: Die ersten Fahrzeuge des Geheimdienstes und der Spezialpolizei tauchten gestern um 6 Uhr früh im Dorf Lazarevo bei Zrenjanin im Norden Serbiens auf. Mladic soll so überrascht und unvorbereitet gewesen sein, dass er versuchte, die Einsatzkräfte mit seiner falschen Identität des Milorad Komadic zu täuschen, wie ORF berichtet. Entsprechende Ausweisdokumente sollten dies belegen.

Die Einsatzkräfte liessen sich nicht täuschen. Laut einem Beitrag von n-TV war Mladic im Schlaf überrascht worden. Der Serbengeneral sei «aus dem Bett heraus verhaftet» worden. Abgesehen von der versuchten Identitätstäuschung leistete er keinen Widerstand. Gemäss dem für die Verfolgung von Kriegsverbrechern zuständigen Minister Rasim Ljajic habe der Kriegsverbrecher zwei geladene Gewehre bei sich gehabt, diese aber nicht eingesetzt. Auch seien keine modernen Kommunikationsmittel wie Handy oder Laptop gefunden worden.

Leibgarde war nicht vor Ort

Die Kommandoaktion wurde zusätzlich dadurch erleichtert, dass die Einsatztruppe sich nicht gegen eine Leibgarde wehren musste. Die befürchtete Schiesserei und das von ihm angedrohte Blutbad blieben aus. Die Verhaftung erfolgte laut Innenministerium nach einem «anonymen Hinweis». Zuvor kursierte das Gerücht eines «Todespakts», den der General mit seinen Leibwächtern einging: die Erschiessung durch seine eigenen Bodyguards, bevor es zu einer allfälligen Festnahme kommt. Dies habe Mladic immer so gewünscht, wie einer seiner ehemaligen Beschützer schon vor Jahren berichtete. Lieber als Märtyrer sterben, als in die Fänge seiner Widersacher geraten.

16 Jahre war der General, der sich einst selbst als «Gott» betitelte, erfolgreich untergetaucht. Zuletzt in dem ärmlich anmutenden Haus seines Onkels Branislav Mladic im Dorf Lazarevo – eine Autostunde nordwestlich von Belgrad. Gemäss dem Spiegel sei das Bauernanwesen in der Vergangenheit schon mehrmals durchsucht worden – immer ohne Ergebnis. Mladic sei erst vor zwei Wochen im Haus eingetroffen. Zuvor habe er seine Standorte regelmässig gewechselt und sich vor allem in der Umgebung von Belgrad versteckt gehalten.

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