Zum Hauptinhalt springen

Schlichtweg dreist

Donald Trump verkauft seinen Friedensplan mit der Logik eines Immobilienmaklers. Die Palästinenser werden sich wehren.

Palästinenser verbrannten gestern eine israelische und eine US-Flagge in Sidon, Libanon. Foto: Ali Hashisho (Reuters)
Palästinenser verbrannten gestern eine israelische und eine US-Flagge in Sidon, Libanon. Foto: Ali Hashisho (Reuters)

Im Anschluss spielten sie tatsächlich «What a Wonderful World». Fast eine Stunde lang hatten US-Präsident Donald Trump und Israels Premier Benjamin Netanyahu im Weissen Haus den US-Friedensplan für den Nahen Osten vorgestellt, sich vor allem aber selbst gepriesen. Adjektive wie «historisch» reichten bald nicht mehr – Netanyahu ernannte Trump zum «ewiglichen» Freund Israels – nicht ganz der Messias, aber wohl kurz darunter angesiedelt.

Wenn Netanyahu Louis Armstrongs Klassiker mit seiner Bassstimme unterlegt hätte, es hätte keinen gewundert: Das, was Trumps Nahost-Team unter dessen Schwiegersohn Jared Kushner nun endlich vorgelegt hat, ist kein Kompromissvorschlag, der Gerechtigkeit für sich reklamieren darf, weil er von beiden Seiten schmerzhafte Kompromisse erfordert. Es ist nicht einmal ein Entwurf, der nur seit Jahrzehnten erhobenen ­Forderungen Israels nachkommt. Es ist ein Plan, der den Palästinensern die Vorstellungen der Rechten und der Siedlerbewegung fast ohne Abstriche diktieren will – und noch dann ­Schaden anrichten wird, wenn die Inszenierung vom Dienstag als weitere bizarre Trump-Volte abgeheftet ist.

Nun, da die USA die Maximalforderungen der israelischen Rechten übernommen haben, wird kein Ministerpräsident in Jerusalem mehr von diesen Positionen abweichen können.

Auch wenn die palästinensische Seite bei der Ausarbeitung des Plans schlicht ignoriert wurde, muss ­Kushner klar gewesen sein, dass in Ramallah oder Gaza niemand in das Lied über eine wundervolle Welt einstimmen würde. Zwar verspricht man den Palästinensern irgendwann in ferner Zukunft ein staatsähnliches Gebilde – aber eines, das keine wirkliche Souveränität hat und das in seiner Ausgefranstheit jeden palästinensischen Grundschüler, der die Umrisse seiner Heimat in den Nationalfarben ausmalen soll, vor eine unlösbare Aufgabe stellt. Punkte wie ein Rückkehrrecht oder eine Kompensation für Flüchtlinge sind ersatzlos gestrichen, die Annexion aller Siedlungen und des Jordantals wurde dafür durchgewinkt.

Die Vorstellung, dass man die Palästinenser mit Wirtschaftshilfe über all das hinwegtrösten und die Wunden der Vergangenheit auf beiden Seiten durch Wohlstand, Wachstum und Konsum überkleistern kann, mag Trumps Marktglauben geschuldet sein. Der Vorschlag zur Jerusalemfrage ist hingegen schlichtweg dreist: Trump behauptet, den Palästinensern eine Hauptstadt im Ostteil der Stadt anzubieten. Und verwendet dabei die Logik eines Immobilienmaklers, der den letzten Winkel der Peripherie als «zentrumsnah» anpreist – mit der kleinen Besonderheit, dass im Falle Jerusalems noch eine Sperranlage dazwischensteht.

Dass ein Mann, der in seiner Ignoranz die Al-Aqsa-Moschee mal eben zur Al-Aqua-Moschee macht, dieses ­Dokument zum Deal des Jahrhunderts ausruft, könnte man belächeln, wäre es nicht so ernst. Ihre wirklich verheerende Wirkung wird die Veranstaltung jedoch entfalten, wenn die Wahlen in Israel am 2. März und die in den USA acht Monate später ausgezählt sind. Der Schaden wird über die Opfer und die Verletzten weit hinausgehen, die man bei den wohl folgenden Protesten und Angriffen erwarten kann: Nun, da die USA die Maximalforderungen der israelischen Rechten übernommen haben, wird kein Ministerpräsident in Jerusalem mehr von diesen Positionen abweichen können.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch